Bielefeld. Die Regionalgrößen der Möbelbranche mischen den hiesigen Markt auf. Nachdem Porta gerade in Gütersloh eine Genehmigung für eine Neuansiedlung erhalten hat, sorgt der Paderborner Unternehmer Wilfried Finke mit Plänen für ein neues Möbelhaus in Bielefeld für Aufsehen. Finke hatte seine Absicht im NW-Interview am Freitag öffentlich gemacht. Bielefelds Baudezernent Gregor Moss (CDU) bestätigte gestern, dass die Stadt die Pläne prüfe. Ein möglicher Standort könnte der Containerbahnhof an der Eckendorfer Straße sein.
Finke hatte erklärt, schon 2010 mit der Stadt Gespräche geführt zu haben. Er sagte aber auch: "Das Interesse der Stadt scheint etwas gebremst zu sein. Wir haben noch nichts wieder gehört. Vielleicht will man dort auch ortsansässige Händler schützen, aber das Verhalten geht langfristig nie gut. Vielleicht will man in Bielefeld aber auch die 300 Arbeitsplätze und die Steuereinnahmen nicht haben. Aber wir werden nicht locker lassen."
Dass es in Bielefeld Vorbehalte gibt, ließ auch der zuständige Dezernent deutlich durchblicken. Moss fragt: "Wie viel Kaufkraft zieht der Markt ab?" In Bielefeld gebe es bereits über 100.000 Quadratmeter Möbel-Einzelhandelsfläche: "Der Puffer, den das Einzelhandelskonzept noch zulässt, liegt bei höchstens 10.000 Quadratmetern."
Finke will aber mit 30.000 bis 40.000 Quadratmeter viel größer bauen und läge teils über den bestehenden Möbelhäusern wie Porta, Zurbrüggen und Ikea, die jüngst erweitert und modernisiert haben. Mit dem regionalen Einzelhandelskonzept sieht Moss die Finke-Pläne so als nicht vereinbar an: "Wenn, dann wäre eine regionalplanerisches Verfahren notwendig."
Problematisch wird auch die Standortfrage. Finke wolle an die Autobahn. Doch "einen jungfräuliches Gelände auf der grünen Wiese" werde Bielefeld nicht bieten. Als eine Variante nennt Moss aber den zentrumsnäheren, derzeit brach liegenden Containerbahnhof. Hier ist auch schon der Baumarkt Bauhaus im Gespräch.
Erschwerend kommt der Mangel an Gewerbeflächen in Bielefeld hinzu. Aktuell ständen nur vier Hektar bereit, so der Dezernent. Finke würde fast so viel benötigen. "Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Ansiedlung, aber angesichts der knappen Flächen, muss man abwägen, wofür sie eingesetzt werden", betont Moss: "Und da ist mir produzierenden Gewerbe mit mehr Arbeitsplätzen wichtiger." Das Thema neues Möbelhaus sei zu komplex, "als dass man einfach sagen kann, Bielefeld ist unfreundlich", reagiert Moss auf das Finke-Interview: "Aber wir schauen uns das an."
Der Dezernent rechnet noch 2011 mit einer Entscheidung. Auch die Porta-Genehmigung in Gütersloh werde die Bielefelder Politiker beschäftigen. Denn die Nachbarstadt erlaubt 29.500 Quadratmeter, Bielefeld hatte eine stärkere Begrenzung gefordert. In Gütersloh schließt man sogar Klagen nicht aus.
Georg Fortmeier (SPD), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, sagt: "Finke ist grundsätzlich willkommen." Er kann sich auch die vormals zur Erweiterung von Porta vorgesehene Fläche an der Herforder Straße als Finke-Standort vorstellen. Angesichts der Haushaltslage der Stadt und der komplizierten Verhandlungen mit der Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft wegen des Container-Bahnhof-Areals gebe es jedoch "noch viele Fragezeichen".