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18.06.2011
BIELEFELD
Brieffreund einer Bielefelderin in den USA hingerichtet
Ein letztes Telefonat, dann war Taylor tot
VON MATTHIAS BUNGEROTH

Fotos und Briefe | FOTO: MATTHIAS BUNGEROTH

Bielefeld. Noch immer ist Petra Ceylan aufgewühlt, und sie wird es lange bleiben. Am frühen Donnerstagmorgen starb ihr Brieffreund Andrew Lee Taylor durch eine Giftspritze in einem Gefängnis in Huntsville, USA. Exakt um 6.24 Uhr in der Frühe stellten die Gefängnisärzte offiziell den Tod des 32-Jährigen fest, der wegen der Ermordung eines Mithäftlings im Jahr 1999 zum Tode verurteilt worden war. "Ich habe gestern noch mit ihm telefoniert und ein paar Stunden später war er tot", erzählt die Bielefelderin Ceylan, die sich seit etwa sechs Jahren mit Taylor Briefe schrieb. "Er hat einfach nur gesagt, dass er immer noch Hoffnung hatte", berichtet sie aus dem Gespräch. Kurz darauf wurde das letzte Gnadengesuch abgelehnt.

Die Hinrichtung wurde vor den Augen von Taylors Ehefrau Jennifer vollzogen, die er während seiner langen Haftzeit heiratete, wie Ceylan berichtet. Auch sie sei über eine Brieffreundschaft auf Taylor aufmerksam geworden. "Ich habe höchsten Respekt vor dieser Frau, dass sie das alles mit durchgestanden hat", sagt Ceylan. Beide hätten "nie körperlichen Kontakt gehabt". Erst 20 Minuten, nachdem Taylor für tot erklärt worden sei, habe seine Frau ihn einmal in den Arm nehmen dürfen. "Ich finde das so unmenschlich."

Dabei ist der Bielefelderin, die im Archiv der Evengelischen Landeskirche beschäftigt ist, durchaus bewusst, dass Taylor zwei schwere Gewaltdelikte begangen hat. Bereits mit 16 Jahren brach der gebürtige Texaner in Houston in eine Wohnung ein und schlug den Hausbesitzer mit einem Gegenstand nieder. Das Opfer starb nach einjährigem Koma in der Klinik, wie Ceylan berichtet. Damals sei der 16-Jährige bereits nach Erwachsenenstrafrecht zu lebenslanger Haft verurteilt worden - obwohl Taylor während der Tat unter Drogen gestanden habe. Taylor, unter sehr schwierigen sozialen Bedingungen aufgewachsen, lief mit 13 von zuhause fort und hatte seitdem sein Leben auf den Straßen Houstons gefristet, erzählt seine Brieffreundin.

Taylor griff zu einem selbst hergestellten Messer

In der Haft kam es dann wegen eines Streits unter Häftlingen zu der Schlägerei, Taylor griff zu einem selbst hergestellten Messer und verletzte einen Mithäftling tödlich. "Ich weiß, dass ihm das Ganze fürchterlich leid tat", sagt Ceylan. Taylor sei sich seiner Taten und der damit verbundenen Schuld voll bewusst gewesen. Dass Taylor Mitglied einer weißen Gang namens "Aryan Brotherhood" in der Haftanstalt gewesen sei, begründet Ceylan damit, dass man ohne Mitgliedschaft in einer solchen Gruppe in diesen Gefängnissen nicht überleben könne. "Er war absolut kein Rassist, er hatte viele farbige Freunde."

Dass Andrew Lee Taylor nun nicht mehr lebt, kann Ceylan immer noch nicht begreifen. "Nur Gott hat das Recht uns das Leben zu nehmen und niemand anders", ist ihr eindringliches Plädoyer gegen die Todesstrafe. Sie zitiert aus den letzten Sätzen Taylors, die er ihr am Telefon sagte: "Hold the head up high. I see you on the other side." Sie solle den Kopf oben behalten. Und schließlich werden man sich irgendwann "auf der anderen Seite wiedersehen".


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Kommentare
@unfassbar: ich finde es schade, dass Sie so über eine Person urteilen, die Sie noch nicht mal kennen. Finden Sie soetwas selber gut? Ein Kommentar hier sagt noch nicht alles über eine Person aus. Es ist nur eine Meinung zu einem bestimmten Thema. Die allgemeine eigene Lebensweise, Charakter etc. bleibt zum Glück anonym. Also sollte man den Ball etwas flacher halten. Knäcke wird ganz bestimmt nicht entscheiden, wie mit Tätern umgegangen wird. Ich hoffe, das ist auch bewusst. Ich denke, dass Sie da etwas falsch verstanden haben. Ich habe das so verstanden, dass Knäcke mehr die mentale und nicht die körperliche Belehrung der Täter meint, also dass man sie mental spüren lässt, wie sich ihre Opfer gefühlt haben. Was ich nicht verstehen kann, ist Ihre Aussage, ob Knäcke Kinder hat. Das geht keinen etwas an. Und ich denke, dass man auch nicht das Recht hat zu behaupten, dass diese Kinder die nächsten Straftäter sein könnten. Wie kann man soetwas assoziieren? Sicherlich sind Straftaten ein gewisses Spiegelbild der Gesellschaft. In der Tat ist die heutige Gesellschaft ziemlich falsch. Trotzedem ist es auch falsch, alle Leute in einen Topf zu werden, wie Sie es tun. Es muss auch nicht immer am Elternhaus liegen, dass Menschen kriminell werden.

Beide Seiten kann ich verstehen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass gewisse Strafen einfach härter werden sollten. Das ist meine Meinung.

@Knäcke.. das beruhigende ist, das Sie in diesem Land (hoffentlich) nichts zu entscheiden haben. Ebenso hoffe ich, das Sie keine Kinder haben, denen Sie Ihre Anschauungen vermitteln, denn das wären ohne Zweifel die Straftäter von Morgen. Wir leben in einem Rechtssystem, was darauf bedacht ist, Strafen für Taten auszusprechen und nicht Rache durch Qualen. Wie gehts denn dann Ihrer Meinung nach weiter? Vergewaltiger werden auch vergewaltigt? Schläger werden auch geschlagen? Was sie damit produzieren ist eine weitere Spirale der Gewalt. Letztlich sind Straftaten auch ein Spiegelbild der Gesellschaft, wenn sich da Ihre Ansichten durchsetzen würden, hätte das eine weitere Verrohung zur Folge und wie es dann hier aussieht, möchte ich lieber gar nicht wissen.

Leute was soll immer dieses Argument: "Das macht das Opfer auch nicht wieder lebendig"? NICHTS macht das Opfer wieder lebendig! Also lieber gar nicht bestrafen und laufen lassen weil das Opfer durch nichts wieder lebendig wird?

Und was soll die Sache mit den Drogen? Genauso ein unverständliches Argument. Soll der Täter noch dafür belohnt werden das er sich vorher mit Drogen vollgepumpt hat? Strafmilderung wegen Drogen? Ich bitte euch! Da kann sich ja jeder bevor er ein Verbrechen begeht mit Drogen vollpumpen und da wird ihm dann vor Gericht auch noch gut geschrieben? Wie kommt man auf so einen Unfug?

(...)

@gast: ja, wenn ich ehrlich bin, kann und will ich mich nicht in den Täter hineinversetzen. Und entgegengesetzt zu Ihrer Meinung ist der Täter für mich auch kein ehrenwürdiger Mensch mehr. Er hat es einfach nicht verdient. Klingt jetzt zwar hart, aber haben Sie sich mal Gedanken gemacht, ob die Täter sich vielleicht während der Tat auch in ihre Opfer hineinversetzt haben? Nein, haben sie nicht! Sonst wären sie vernünftig geblieben. Und eine schlechte Kindheit, kranke Psyche etc. sehe ich nicht als Entschuldigung an. Wie kann man da noch an das Gute in der Person des Täters glauben? DAS wäre dann erschreckend! Ich finde, solche "Menschen" sollten genau das fühlen, was sie ihren Opfern fühlen lassen haben. Und wenn es nur der mehrmalige Aufruf zum Todestrakt zu gehen ist, allerdings (erstmal) ohne Vollstreckung. Schon allein dieses Gefühl des Knapp-davor-seins müsste reichen. Diese Situation bewusst zu spüren bekommen. SO bekommen die Täter mal ein Gespür dafür, wie die Opfer leiden mussten. Nur es gäbe da einen Unterschied: die Gefängnismitarbeiter würden ihn kurz vorher wieder wegschicken, während das Opfer oft keinen Helfer hatte. Das klingt in Ihren Augen wahrscheinlich abartig, aber hier würde ja nur das Gefühl des Täters/Opfers ausschlaggebend sein. Wirklich abartig ist die vollstreckte Tötung eines unschuldigen, wehrlosen Menschen!!

Und ach ja, wegen der Glaubwürdigkeit von Medien und Gesagtem: Der Vater einer ehemaligen Mitschülerin arbeitet in einem Gefängnis. Er hat damals in der Schule einen Vortrag über den Arbeitsalltag gesprochen. Ist die Tatsache, dass ein Gefängnismitarbeiter so etwas erwähnt hat, nicht Beweis genug? Ich kenne ihn und weiß, dass er es nicht nötig hat irgendeinen Stuss zu erzählen. Er sagte damals: Gut geführte Insassen haben die Möglichkeit auf einem Tennisplatz Tennis zu spielen. So. Ich hoffe, das hat sich jetzt geklärt.

Wenn man den Berichten traut. Wenn man sich Berichte anschaut...es soll dort das und das geben.....Sehen Sie, genau in solchen Aussagen sehe ich das Problem. Es wird permanent geglaubt, was die Medien sagen und nicht in Zweifel gezogen bzw. vielleicht ein wenig in Zweifel gezogen aber nicht recherchiert, was daran wahr ist. Aus meiner Sicht, kann sich von diesen Menschen wohl keiner vorstellen, was Freiheitsentzug bedeutet und dass das ein harte Strafe ist. Ich bin selbst Angehörige eines Mordopfers und ich bin aktiv gegen die Todesstrafe. Vielleicht unterstellt man mir jetzt, dass ich das Opfer nicht genug geliebt habe oder dss ich nicht ganz normal sei o.ä., denn sonst wäre ich doch für Rache. Was mich hier wirklich stört ist, dass ich den Eindruck habe, dass keiner sich in die Täter hineinversetzen will, weil die es nicht verdient haben, dass man sich in sie hineinversetzt o.ä.. Ich wette fast, dass keiner von Ihnen jemals eine Gerichtsverhandlung besucht hat. Das ist bedauerlich, denn vielleicht würde es zumindest zum Nachdenken anregen, wenn man sich einmal mehr damit auseinandersetzt, als einfach nur abzuurteilen. Und wenn es wirklich so wäre, dass Gefangene sich vor Briefen kaum retten können (wo auch immer Sie,Luke, ihre Quellen haben), was stört Sie das? Wo tut Ihnen das weh? Was wird Ihnen persönlich damit genommen? Finde Sie es abartig, dass es Menschen gibt, die versuchen in anderen etwas Gutes zu finden, die versuchen an das Gute zu glauben? Finden Sie es abartig, wenn jemand menschlich ist? Oder schwebt Ihnen dabei nur sexistisches im Kopf herum, weil es ja Frauen sind, die den Männern schreiben? Im Übrigen gibt es auch sehr viele Männer, die Männern im Gefängnis schreiben! Was ist denn mit denen? Ich finde es nach wie vor bedauerlich, dass Menschen permanent Urteile fällen, weil sie dies oder das gehört haben und nicht den Anspruch haben, sich selbst darüber zu informieren um sich dann eine eigene feste Meinung bilden zu können. Aber das wußte auch schon Balzac zu sagen: "Die Unwissenheit ist die Mutter aller Verbrechen."



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