Bielefeld. Noch immer ist Petra Ceylan aufgewühlt, und sie wird es lange bleiben. Am frühen Donnerstagmorgen starb ihr Brieffreund Andrew Lee Taylor durch eine Giftspritze in einem Gefängnis in Huntsville, USA. Exakt um 6.24 Uhr in der Frühe stellten die Gefängnisärzte offiziell den Tod des 32-Jährigen fest, der wegen der Ermordung eines Mithäftlings im Jahr 1999 zum Tode verurteilt worden war. "Ich habe gestern noch mit ihm telefoniert und ein paar Stunden später war er tot", erzählt die Bielefelderin Ceylan, die sich seit etwa sechs Jahren mit Taylor Briefe schrieb. "Er hat einfach nur gesagt, dass er immer noch Hoffnung hatte", berichtet sie aus dem Gespräch. Kurz darauf wurde das letzte Gnadengesuch abgelehnt.
Die Hinrichtung wurde vor den Augen von Taylors Ehefrau Jennifer vollzogen, die er während seiner langen Haftzeit heiratete, wie Ceylan berichtet. Auch sie sei über eine Brieffreundschaft auf Taylor aufmerksam geworden. "Ich habe höchsten Respekt vor dieser Frau, dass sie das alles mit durchgestanden hat", sagt Ceylan. Beide hätten "nie körperlichen Kontakt gehabt". Erst 20 Minuten, nachdem Taylor für tot erklärt worden sei, habe seine Frau ihn einmal in den Arm nehmen dürfen. "Ich finde das so unmenschlich."
Dabei ist der Bielefelderin, die im Archiv der Evengelischen Landeskirche beschäftigt ist, durchaus bewusst, dass Taylor zwei schwere Gewaltdelikte begangen hat. Bereits mit 16 Jahren brach der gebürtige Texaner in Houston in eine Wohnung ein und schlug den Hausbesitzer mit einem Gegenstand nieder. Das Opfer starb nach einjährigem Koma in der Klinik, wie Ceylan berichtet. Damals sei der 16-Jährige bereits nach Erwachsenenstrafrecht zu lebenslanger Haft verurteilt worden - obwohl Taylor während der Tat unter Drogen gestanden habe. Taylor, unter sehr schwierigen sozialen Bedingungen aufgewachsen, lief mit 13 von zuhause fort und hatte seitdem sein Leben auf den Straßen Houstons gefristet, erzählt seine Brieffreundin.
Taylor griff zu einem selbst hergestellten Messer
In der Haft kam es dann wegen eines Streits unter Häftlingen zu der Schlägerei, Taylor griff zu einem selbst hergestellten Messer und verletzte einen Mithäftling tödlich. "Ich weiß, dass ihm das Ganze fürchterlich leid tat", sagt Ceylan. Taylor sei sich seiner Taten und der damit verbundenen Schuld voll bewusst gewesen. Dass Taylor Mitglied einer weißen Gang namens "Aryan Brotherhood" in der Haftanstalt gewesen sei, begründet Ceylan damit, dass man ohne Mitgliedschaft in einer solchen Gruppe in diesen Gefängnissen nicht überleben könne. "Er war absolut kein Rassist, er hatte viele farbige Freunde."
Dass Andrew Lee Taylor nun nicht mehr lebt, kann Ceylan immer noch nicht begreifen. "Nur Gott hat das Recht uns das Leben zu nehmen und niemand anders", ist ihr eindringliches Plädoyer gegen die Todesstrafe. Sie zitiert aus den letzten Sätzen Taylors, die er ihr am Telefon sagte: "Hold the head up high. I see you on the other side." Sie solle den Kopf oben behalten. Und schließlich werden man sich irgendwann "auf der anderen Seite wiedersehen".
Beide Seiten kann ich verstehen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass gewisse Strafen einfach härter werden sollten. Das ist meine Meinung.