Bielefeld. "Die wohl klügste Baustelle NRWs" nennt Bielefeld Marketing den neuen Hochschulcampus. Auf der Langen Lage entsteht die neue Fachhochschule, an der Universität der Ersatzneubau für die Sanierung. 300 Millionen Euro fließen in die Großprojekte. Sonntag können die Bielefelder sie beim großen Campus-Sommerfest besichtigen.
Erst der Anfang: 300 Millionen Euro sind schon viel – doch insgesamt will das Land bis 2025 eine Milliarde Euro in die Bielefelder Hochschulen investieren. Denn wenn der Ersatzneubau ENUS Ende 2013 fertig ist, beginnt die Sanierung der Uni, für die Kosten von rund 750 Millionen Euro veranschlagt sind. Zahn um Zahn wird sie renoviert, die betroffenen Fachbereiche ziehen solange ins ENUS.
Die große Mensa: Herzstück von ENUS wird die neue Mensa mit 1.900 Plätzen auf 8.500 Quadratmetern. Sie ersetzt die heutige Uni-Mensa und ist Richtung Lange Lage optisch geöffnet, weil sie auch die neue Fachhochschule versorgen soll. Ein "Grüner Boulevard" soll FH und Mensa verbinden.
Dauerhafter Ersatzneubau: ENUS wird kein Provisorium. Zwar ziehen einige Fachbereiche vorübergehend hierhin, doch Soziologen, Historiker und die Graduiertenschule werden dauerhaft ihr Domizil im ENUS finden. Die Bibliothek in der ersten Etage wird 6.500 Quadratmeter groß. Darüber sind vier Fakultäts-Ringe mit ein bis drei Ebenen geplant – von der Rottmannshof-Seite zur Uni hin ansteigend. Den Haupteingang nach Süden bildet eine optische Brücke, die in einen großen Innenhof führt. Darunter sind zwei Tiefgaragen-Ebenen mit 800 Stellplätzen vorgesehen.
Campus-Fest am Sonntag
- Sonntag, 28. August, von 12 bis 18 Uhr im Rahmen der "Geniale" mit Programm für die ganze Familie.
- Höhenflüge mit Kran-Ballonen in 50 Metern Höhe über dem Campus.
- Stündliche Führungen ab Uni-Haupteingang, Dauer: etwa 1,5 Stunden.
- Kinder-Mitmach-Aktionen, Musik, Campus-Mensa.
Auf 790 Pfählen: Um den Bau aus 50.000 Kubikmetern Beton und 7.500 Tonnen Stahl zu tragen, musste ENUS bis zu 14 Metern tief gegründet werden. Anfangs waren 900 Pfähle geplant. "Doch der Grund war nicht so weich wie befürchtet," sagt Michael Fischer, Projektverantwortlicher im Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB): "Anders als auf der Langen Lage bei der FH, wo das Grundwasser drückt, muss bei ENUS nicht permanent gepumpt werden."
Weniger Chemie nötig: Um den Anlieferverkehr zu begrenzen, sind für ENUS wie für die FH eigene Betonwerke vor Ort errichtet. Fischer: "Das belastet weniger. Und der Beton kann frisch verarbeitet werden, so dass wir weniger Chemie brauchen." Um Erschütterungen zu vermeiden, die die Naturwissenschaftler der Uni stören würden, ließ der BLB extra Messungen mit Lkw-Test-Fahrten machen. Eine der Konsequenzen: Baufelder werden nicht mit Vibrationswalze, sondern per Raupe planiert.
Eine halbe Uni dazu: Die Bielefelder Universität zählt mit rund 300.000 Quadratmetern Bruttofläche zu den größten Bauten Europas. Mit ENUS kommen jetzt noch einmal 72.000 Quadratmeter hinzu. Und die neue Fachhochschule auf dem Campus Nord (Lange Lage) wird für die Fachbereiche Wirtschaft und Gesundheit, Sozialwesen, Technik, Ingenieurwissenschaften und Gestaltung 92.000 Quadratmeter erhalten. Beide Bauten sind etwa 200 Meter lang und 85 Meter breit. Der Kostendeckel für ENUS liegt bei 130 Millionen Euro, für die FH bei 158 Millionen Euro.
Neuer Campus Nord: Eine Anlieferstraße sowie ein Fuß- und Radweg werden von der Mensa aus über die Universitätsstraße, an der Stadtbahn-Haltestelle Wellensiek vorbei zur künftigen FH führen. Die Anlieferstraße mündet in der Zufahrt zur Tiefgarage, die auf fünf Ebenen 1.000 Stellplätze bieten wird. Über den Campus-Nord-Platz dürfen nur Busse fahren. Ansonsten ist hier an der Ecke des bis zu 22 Metern hohen Gebäudes der FH-Haupteingang.
Gläserne Fassade: Rund 800 Pfähle, bis zu 25 Meter tief, sind nötig, um die FH in dem nassen, weichen Boden zu gründen. Verbaut werden 80.000 Kubikmeter Beton und 10.000 Tonnen Stahl. Auf eine Sockelebene mit Magistrale, Audimax, Hörsälen und Cafeteria werden vier Baukörper, zwei U-förmig, gesetzt mit bis zu sechs Geschossen. Die Fassade aus Glas soll bräunlich schimmern.
Sportlicher Zeitplan: Während ENUS voll im Plan liegt, wie Fischer sagt, müssen sich die FH-Bauer sputen. Die schwierige Gründung infolge der Grundwasserprobleme haben die Arbeiten verzögert, so BLB-Projektleiter Jürgen Delkeskamp. Um die Zeit aufzuholen, hat der BLB auf Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt. Mehr als 160 Arbeiter sind im Einsatz, es sollen noch mehr werden. Und zwei weitere Kräne werden geordert. Das koste zwar mehr, so Delkeskamp: "Aber wir sind noch im Rahmen."
Studieren ab Winter 2013: Ziel ist, die beiden Großbauten in zwei Jahren fertig zu haben. "Im Wintersemester 2013, wenn die doppelten Abi-Jahrgänge kommen, sollen sie betriebsbereit sein", so Fischer. Die Wissenschaftler im Forschungsbau Interaktive Intelligente Systeme (FBIIS) sollen schon Mitte 2012 aus den Containern an der Laborschule in ihren parallel entstehenden Neubau auf dem Campus Nord ziehen.
Und die grundsätzliche Kritik an der Entfernung bleibt auch: Warum da hinten und nicht näher an der Uni? Warum nicht wenigstens vorne an der Straße? Stattdessen haben wir jetzt drei marode Parkhäuser, div. Parkplätze, einen Sportplatz, Wald und Wiese im Herzstück der neuen Uni-Perlenkette. Der Sinn erschließt sich mir einfach nicht, da sowas für mich an den Rand gehört, wenn man die 'Alles-unter-einem-Dach'-Sache ernst nimmt.