Bielefeld. Auf einem Spielplatz in Bielefeld hat sich ein schlimmer Vorfall ereignet. Ein zwölf Jahre altes Mädchen wurde dort von einer Nachbarin verprügelt und schwer verletzt. Wochenlang musste das Opfer anschließend im Krankenhaus liegen. Mehr als ein halbes Jahr nach dem Übergriffen ist das Kind immer noch in ärztlicher Behandlung.
Die mutmaßliche Täterin, eine 31 Jahre alte Frau aus Lettland, muss sich in Kürze vor dem Bielefelder Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, die kleine Diana misshandelt und an der Gesundheit geschädigt zu haben.
Entsetzt | FOTO: HUBERTUS GÄRTNER
Nach dem Ergebnis der Ermittlungen ist Jurgita A. am 7. März dieses Jahres auf einem Spielplatz im Bielefelder Stadtteil Vilsendorf aus völlig nichtigem Anlass extrem aggressiv geworden. Laut Anklage war ihre eigene elf Jahre alte Tochter Sarah zunächst mit ihrer Spielkameradin Diana in einen Streit geraten und hatte daraufhin die Mutter zur Hilfe gerufen.
Kopf und Bauch schwer verletzt
Als Jurgita A. auf dem Spielplatz erschien, soll sie Diana zunächst zur Rede gestellt und nach ihrem Namen gefragt haben. Als das Kind diesen nicht preisgeben wollte, wendete die Lettin offenbar massive Gewalt an. Sie habe Diana zu Boden gestoßen, sich anschließend auf das wehrlose Mädchen gesetzt und seinen Kopf mehrfach auf den Boden geschlagen, heißt es in der Anklageschrift. Auch habe sie dem Kind Schläge in den Bauch versetzt.
Erst einem Nachbarn, der in der Nähe war und das Geschehen beobachtet hatte, sei es gelungen, die Aggressionen von Jurgita A. zu stoppen und sie von dem Kind loszureißen, sagt Rechtsanwältin Anke Woehler. Sie vertritt Dianas Eltern Sirin (30) und Iskan Ak (31). Die Eltern, deren Wohnung etwa 80 Meter von dem Spielplatz entfernt liegt, waren von ihrer jüngsten Tochter Leyla (9) alarmiert worden. Als sie auf dem Spielplatz ankamen, war es aber schon zu spät – Sirin und Iskan Ak konnten nur noch die Polizei und einen Krankenwagen für ihre Tochter herbeirufen.
Diana wurde in die Kinderklinik Bethel gebracht. Dort diagnostizierten die Ärzte bei dem Opfer ein Schädel-Hirn-Trauma, ein stumpfes Bauchtrauma sowie Prellungen an Rücken, am Daumen und am rechten Fuß sowie eine posttraumatische Belastungsstörung.
Zunächst musste Diana vom 7. bis 18. März in der Klinik bleiben.
Tochter muss regelmäßig Beruhigungsmittel nehmen
Doch danach hatte das Kind die schweren Übergriffe längst nicht verkraftet. Vom 19. April bis zum 31. Mai lag Diana erneut im Krankenhaus, weil ihre psychischen Beschwerden zu massiv geworden waren. Auch heute müsse ihre Tochter regelmäßig Beruhigungsmittel nehmen und immer wieder das Krankenhaus aufsuchen, berichten die Eltern. "Ich kann das nicht fassen", sagt Sirin Ak. Die Angeklagte sei doch selbst Mutter – es sei ihr unbegreiflich, wie jemand ein hilfloses Opfer so brutal behandeln könne.
Rechtsanwältin Woehler ist ebenfalls entsetzt. "So etwas habe ich nicht für möglich gehalten", sagt sie. Jurgita A. droht nicht nur eine strafrechtliche Sanktion. Woehler will als Vertreterin der Nebenklage für die kleine Diana auch ein beträchtliches Schmerzensgeld fordern.