Bielefeld. Für Hans Ziehm war es längst klar: "Das Crüwell-Haus ist das schönste Gebäude der Stadt." Die Bestätigung der NW-Leser freut darum den Vermögensverwalter der Erbengemeinschaft der Kaufmannsfamilie besonders. Das Haus mit der spätgotischen Fassade kam bei der Aktion "Bielefelds schönste Bauwerke" auf den ersten Platz.
Die vierte gemeinsamen Sommerinitiative dieser Zeitung mit Bielefeld Marketing startete wie üblich zu Beginn der Sommerferien. Nach der Veröffentlichung von 14 Vorschlägen aus der Redaktion waren die Ideen unserer Leser gefragt.
Die Resonanz nahm ungeahnte Ausmaße an. Statt wie geplant sechs Vorschläge haben wir schließlich elf aufgegriffen, die Häuser besucht und fotografiert und im Lokalteil vorgestellt. Am Ende konnten dann unsere Leser abstimmen, welches für sie das schönste Bauwerk Bielefelds ist, im Internet, per Telefon oder durch das Absenden eines Abstimmungscoupons.
Von allen 2.999 Teilnehmern dieser Abstimmung entschieden sich 748 (252 telefonisch, 270 online, 226 per Coupon) für das Crüwell-Haus. Ein eindeutiges Votum für das Schmuckstück am Alten Markt, Bielefelds guter Stube.
Auf Platz zwei liegt der Itelligence-Anbau in Sieker mit 301 Befürwortern (10/288/3), dicht gefolgt von der Bürgerwache am Siegfriedplatz mit nur einer Stimme weniger (43/219/38).
Die Platzierung des Crüwell-Hauses löst bei Hans Ziehm außer spontaner Freude auch tiefe Befriedigung aus: "Für die Renovierung des historischen Giebels im Jahr 2005 hat die Familie wirklich Opfer gebracht." Damals wurde der in hunderte Einzelteile zerlegte Giebel unter Einsatz von 20 Tonnen Sandstein erneuert.
Das Wahrzeichen der Stadt entstand im Jahr 1530. Hinter seiner Fassade baute der Kaufmann Johann Georg Crüwell eine Zigarettenfabrik auf. Als Handelshaus für Gewürze und Tabak war die Familie in ganz Ostwestfalen aktiv. Weitere Crüwell-Stammhäuser gibt es heute noch in Herford und Lemgo.
Der Bombenangriff am 30. September 1944 zerstörte die Fabrikation am Alten Markt, allein der Giebel konnte gerettet werden.
Nachdem die Werksfeuerwehr den Brand gelöscht hatte, veranlasste Firmeninhaber Richard Mitzlaff-Crüwell, dass der stark beschädigte Giebel abgestützt wird. Beharrlich trotzte er in den Folgejahren allen Aufforderungen, ihn abzureißen – bis zum Wiederaufbau 1949.
Mitzlaff-Crüwell ist auch die Sammlung von gut 7.000 Delfter Fliesen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert zu verdanken. Ein Teil davon schmückt noch heute das Treppenhaus des Gebäudes.