Bielefeld. Bayerisches Treiben in der Seidenstickerhalle: 3.500 fesch angezogene Frauen und Männer kamen zur 14. Auflage des Oktoberfestes. Getanzt und geschunkelt wurde auf Tischen und Bänken – getrunken bis nichts mehr ging. Etwas zu schwungvoll war Bürgermeister Detlef Helling beim Fassanstich: Das Bier spritze meterweit in die Massen.
Acht Maß-Krüge voller Gerstensaft stemmt sie in die Höhe und bahnt sich den Weg durch die Halle. Miriam Becks (24) steht der Schweiß auf der Stirn. "Anstrengend", seufzt sie. Das vierte Jahr hintereinander ist sie dabei, sorgt dafür, dass die durstigen Kehlen an den Tischen und Bänken ihr Bier bekommen.
Lange warten wollen die Gäste nicht: Schon eine Stunde vor Beginn der Wiesn-Gaudi stehen die Schlangen vor dem Eingang – das Konzept ist in all den Jahren das gleiche geblieben. Organisator Stephan Kipp: "Die Leute setzen auf Tradition, innerhalb von drei Wochen waren die Karten weg."
Ohne Tracht fällt man auf
Absolutes Muss war in diesem Jahr die bajuwarische Tracht. Kipp: "Ohne fällt man auf." Schüler Maximilian Götte zog der Krachledernen aber dann doch der Knickerbocker-Cordhose vor. "Die habe ich noch von meinem Opa, ist mal was anderes." Außendienst-Mitarbeiter Hendrik Bähr kam dagegen in Lederhose. "Schon das vierte Jahr hintereinander", sagt er. Ausgeliehen hat er sich die bei einem Kostümverleih. "Für 35 Euro, da lohnt es sich schon fast, eine zu kaufen."
Kräftig geschnürt wurde vor der Super-Sause bei den Frauen: Kaum eine traute sich ohne Dirndl zum bajuwarischen Fest – alle ließen tief blicken. Erzieherin Petra Willeke hat sich das fesche Kleid extra für ihren 40. Geburtstag im September gekauft – eine Bayern-Party. Jetzt der erste Auftritt damit beim Oktoberfest. "Ohne Dirndl wäre es nur halb so toll."
Marlen Stukenbrock (21) hat sich in diesem Jahr für ein knappes Leder-Höschen entschieden. "In den vergangenen Jahren hatte ich immer ein Dirndl an, jetzt wollte ich mal eine Hose", sagt sie. "Ist auch viel praktischer beim Tanzen auf den Bänken – da kann nämlich niemand drunter gucken."
In Schwung brachte die Bielefelder die Oktoberfestkapelle Otto Schwarzfischer. Gastronom Gustav-Adolf Werning hatte sie auf der Wiesn in München gesehen – und gleich für Bielefeld engagiert. An diesem Samstag geht die Gaudi weiter. Kipp: "Mit nochmal 3.500 Gästen."