Bielefeld. Ein Ehepaar aus Bielefeld ist aus einem langen und beharrlichen Rechtsstreit gegen die Deutsche Bank als Sieger hervorgegangen. Weil ein Prospekt fehlerhaft war, erhält das Ehepaar nun 30.000 Euro nebst fünf Prozent Zinsen zurück. Das Geld sollte ursprünglich in Riesenräder unter anderem in Berlin, Peking und Orlando investiert werden. Doch der Großteil versickerte in dunklen Kanälen.
Tausende weitere Kleinanleger könnten nun ebenfalls Klage gegen die Deutsche Bank erheben, hieß es in der Online-Ausgabe der Süddeutsche Zeitung. Nach Angaben des Hamburger Rechtsanwalts Tilman Langer hatten die Anleger insgesamt mehr als 200 Millionen Euro in einen Fonds investiert, der unter dem Namen "Global View" weltweit in "Aussichtsräder" investieren wollte. Der Fonds wurde von der Frankfurter DBM Invest GmbH initiiert und von der Deutschen Bank vertrieben.
Magere Zahlen
- Die Deutsche Bank legt heute ihre Zahlen für das dritte Quartal vor.
- Bank-Chef Josef Ackermann warnte schon davor, dass das einst so profitable Investmentbanking "deutlich unter Plan" abgeschnitten habe. ´Als Stütze dürfte sich das früher belächelte Geschäft mit den Privatkunden erweisen.
- Die Analysten rechnen damit, dass unterm Strich noch vergleichsweise magere 360 Millionen Euro Gewinn herauskommen.
- Die Ratingagentur Fitch warnte schon davor, sie könne die Kreditwürdigkeit der Bank herabstufen.
Auch das Bielefelder Ehepaar, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, erlag der Verlockung. "Ich war schon seit vielen Jahren Kunde bei der Deutschen Bank", erzählt Armin Berger (Name geändert). Im Herbst 2006 habe sein Berater ihm dann den "Global-View-Fonds" wärmstens empfohlen. "Das wird ein Selbstläufer", habe der Berater gesagt und so getan, als ob die Zeit nun wirklich drängt: Über den Fonds solle noch pünktlich zu den Olympischen Spielen in Peking ein Riesenrad gebaut werden, das als Attraktion für Touristen dienen könne. Ähnliche Projekte seien auch in Berlin und in Orlando im US-Bundesstaat Florida geplant. Armin Berger und seine Ehefrau zeichneten eine Einlage von 30.000 Euro. Doch ein Riesenrad wurde nirgendwo gebaut. "Es tat sich nichts", sagt Berger. Anstatt der versprochenen Jahres-Mindestrendite von zehn Prozent habe man "keinen Cent gesehen". Anfang letzten Jahres sei dann allen Investoren endgültig klar geworden, dass ihre Investition verloren seien. Die meisten Anleger akzeptierten daraufhin einen Vergleich: Sie erhielten 60 Prozent ihres eingesetzten Kapitals zurück.
Deutsche Bank lenkt ein
Berger war das zu wenig. Weil die Deutsche Bank sich "absolut stur gestellt" habe, schaltete er den Hamburger Anwalt Tilmann Langer ein. Ende Juni 2011 erzielte dieser vor dem Landgericht Frankfurt einen ersten Etappensieg. In einem Hinweisbeschluss stellte die Zivilkammer klar, dass Angaben im Riesenrad-Prospekt fehlerhaft waren – ergo die Anleger nicht alle für ihre Investitionsentscheidung relevanten Angaben erhalten hatten. Ende September lenkte die Deutsche Bank dann ein – alle vom Ehepaar Berger gemachten Klageansprüche wurden anerkannt.
Es sei "nicht ausgeschlossen, dass nun weitere Geschädigte die von ihnen geschlossenen Vergleiche anfechten", sagte Anwalt Langer. Die Deutsche Bank sieht jedoch kein Präjudiz. "Wir teilen die Einschätzung des Landgerichts Frankfurt nicht, wonach der Prospekt fehlerhaft gewesen sein soll", sagte eine Sprecherin. In dem Verfahren sei es auch um "individuelle Beratungsfehler gegangen". Wegen der "Umstände des Einzelfalles" habe man sich nun entschlossen, dem Bielefelder Anleger die volle Summe zurückzuzahlen.
Mit dem leidigen Thema Geldanlage muss man sich, ob man will oder nicht, selbst beschäftigen. Nur dann weiss man, worin man investiert ist. Wer dazu keine Lust hat oder das Wissen fehlt, sollte eine Honorarberatung in Anspruch nehmen. Grundsätzlich sollte man nie vergessen, dass die Banken im Eigeninteresse ihre Kunden beraten. Ebenso, wie andere Verkäufer das auch tun. Niemand würde erwarten, dass ein VW-Verkäufer den Kauf eines Opels empfiehlt. Aber gerade so ein Verhalten wird von Bankern erwartet und das funktioniert oftmals dann eben nicht. Schätze die Provision für die Riesenrad-Geschichte wird schon interessant für die Banker gewesen sein.