Bielefeld. "Am 17. November steht der Stadtbahn- und Busbetrieb zwischen 8 und 11 Uhr still. Bitte richten Sie sich auf diese außergewöhnliche Situation ein." Diese Sätze tönen derzeit regelmäßig aus den Lautsprechern an Bielefelds Bahnhaltestellen. Wegen einer Betriebsversammlung der Stadtwerke-Gruppe, zu der alle 2.200 Beschäftigten eingeladen sind, müssen Bahn- und Busnutzer morgen auf andere Verkehrsmittel setzen – oder ganz zu Hause bleiben. Und das kommt nicht überall gut an.
Von einem "Eingriff in das öffentliche Leben" spricht Dorothea Bratvogel, Schulleiterin des Ceciliengymnasiums. "Ganz viele unserer Schüler kommen mit der Bahn, oft ein Drittel einer Klasse", sagt sie. Da sicher nicht alle mit dem Auto zum Unterricht gebracht werden könnten, müssten möglicherweise sogar geplante Klausuren ausfallen. Eine Ermahnung für die Schüler, die am Donnerstag zu spät kommen könnten, solle es nicht geben. "Die Schüler können nicht die Leidtragenden sein, das ist klar", sagt Bratvogel.
Für die Oberstufenschüler des Max-Planck-Gymnasiums gibt es keine Entschuldigung für Verspätungen durch den Ausfall von Bus und Bahn. "Genau wie jeder Arbeitnehmer auch müssen sie dafür sorgen, dass sie pünktlich da sind", sagt Schulleiterin Gisela von Alven, die die Schüler noch einmal gezielt über die Situation informieren will. "Zur Not müssen sie eine der früheren Bahnen nehmen und sich in der Schule aufhalten, bis der Unterricht beginnt."
"Natürlich ist es unangenehm"
Bei Georg Stammler, dem Vorsitzenden der Stadtelternschaft, sind Beschwerden von Müttern und Vätern bislang ausgeblieben. Die Öffentlichkeit sei rechtzeitig über die Versammlung informiert worden, es bleibe genug Zeit zu reagieren. "Aber natürlich ist es unangenehm, wenn Eltern zum Beispiel ihre Arbeitszeiten verlegen müssen, damit sie ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren können", sagt Stammler.
Einen weiten Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln legt Staplerfahrer Stephan Sinen jeden Morgen zurück. Erst nimmt er die Bahn von Brackwede nach Schildesche, danach geht es noch einige Minuten mit dem Bus weiter. Um 10 Uhr ist für ihn am Donnerstag Arbeitsbeginn. Genau dann also, wenn weder Bus noch Bahn fahren. "Ich werde mit meinem Chef reden, ob es möglich ist, die Schicht zu tauschen", sagt Sinen. Falls das nicht klappen sollte, weiß er noch nicht, wie er pünktlich zur Arbeit kommen soll.
"Das könnte Probleme geben", sagt die Referatsleiterin Recht der IHK Bielefeld, Katharina Buddenberg. "Jeder Arbeitnehmer muss selber dafür sorgen, dass er pünktlich zur Arbeit kommt." Sonst könne es Ärger mit dem Chef geben – zumal die Pause im öffentlichen Nahverkehr rechtzeitig angekündigt worden sei.
Verdienstausfall der Partnerin
Für Günter Heinen aus Stieghorst sind das keine Argumente. Der 64-Jährige ist sauer und hat sich gestern per Brief bei MoBiel, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke, beschwert. "Weil weder Bus noch Bahn fahren, kann meine Partnerin Donnerstag nicht arbeiten gehen, hat einen Verdienstausfall", sagt er. MoBiel verletze die Sorgfaltspflicht und provoziere bewusst.
Ob bewusst oder unbewusst: Morgen stehen Busse und Bahnen für etwa drei Stunden still. Erst ab 12.30 Uhr sollen alle Linien wieder planmäßig fahren. Grund für die außerordentliche Betriebsversammlung der Stadtwerke ist die unklare Lage zum Rückkauf von Anteilen, die den Stadtwerken Bremen seit ungefähr zehn Jahren gehören.
"Die Fahrgäste sollten Verständnis haben", sagt ein Angestellter von MoBiel. Denn schließlich könne ein Scheitern des Anteile-Rückkaufs auch den Nutzern der öffentlichen Verkehrsmittel schaden. "Dann kann es zum Beispiel passieren, dass die Bahn nicht mehr wie gewohnt im Zehn-Minuten-Takt fährt."
Deine Haltung ist gelebte ostwestfälische Mentalität, nach mir die Sinnflut...
Der städtische Verkehrsbetrieb, moBiel, ist nicht mit irgendeinem x-beliebigem Unternehmen zu vergleichen, sondern in seinem Bereich ein für die Bevölkerung unersetzliches und dringend benötigtes Instrument, um den Arbeitsplatz zu erreichen, die Schule o.ä. Für die Älteren oft die einzigste Option um den Arzt zu erreichen usw. Das kann man natürlich lächerlich machen und wie einige Vorredner zuvor auf Mitfahrgelegenheiten u.ä. verweisen. Das klappt ja super, wenn man selbst solch gute Aktionen(Mitfahrgelegenheit NW) durch den Dreck zieht und sagt was alles nicht geht. Sich aber dann hinzustellen und solche Ausfallzeiten im ÖPNV lapidar abzuschütteln, ist schon ein wenig dreist. Die meisten Menschen fahren sicherlich nicht aufgrund von Bequemlichkeit oder tollem Ambiente mit dem ÖPNV sondern sind auf dieses Angebot dringend angewiesen, trotz teilweise abenteuerlichen Verspätungen, schlechtem Service usw.
Um es ostwestfälisch auszudrücken, wenn morgen die städtischen Krankenanstalten Ihre Arbeit über Stunden niederlegen interessiert mich das auch nicht, bin ja nicht direkt betroffen... Nach mir die Sinnflut... Typisch OWL !
Keinem wird verboten nach dem Betriebsverfassungsgesetz Infoveranstaltungen für die Arbeitnehmer durchzuführen, dass ist auch gar nicht das Thema. Hier geht es um die Unverhältnismäßigkeit dieser Betriebsversammlung ! Kompletter Stillstand des öffentlichen Lebens, über Stunden, siehe Auslastung des ÖPNV zu dieser Zeit. Das ist eher ein Skandal, dass völlig realitätsferne Betriebsräte aufgrund politischer Instrumentalisierung solche Entscheidungen durchboxen dürfen, koste es was es wolle. Das würde es in keiner anderen Großstadt geben !! Man hätte diese reine Infoveranstaltung(ohne feststehende, politische Entscheidungen über den Rückkauf der Stadtwerkeanteile) auch staffeln und aufgrund der öffentlichen Priorität des Stadtwerkekonzerns auf mehrere Tage verteilen können. In der heutigen Form ist diese Infoveranstaltung mit einem Beigeschmack behaftet, der eher auf irgendwelchen Scharmützeln der Betriebsratsebene(politisch motiviert ?) basiert. Von Augenmaß und der eigentlichen Bedeutung(arbeiten am Kunden) des Stadtwerkekonzerns hat sich diese Entscheidungsebene offenbar verabschiedet.