Bielefeld. Seit Monaten gärt eine Idee im Bielefelder Westen: ein Brunnen oder ein Wasserspiel auf dem Siegfriedplatz. Der Verein "Rund um den Siggi", die Werbegemeinschaft der Kaufleute im Viertel, kümmert sich darum.
2013 soll es so weit sein. Bis dahin müssen aber noch einige Hürden genommen werden. Das Geld muss zusammenkommen, die politische Unterstützung muss stehen und die Verwaltung muss mitmachen. Außerdem gibt es neben überwiegender Zustimmung im Quartier auch Kritik an dem Projekt.
Landschaftsarchitekten haben bereits geprüft
Der Verein "Rund um den Siggi" hat bereits Landschaftsarchitekten die Lage vor Ort prüfen lassen. Es gibt konkrete Vorstellungen, wie ein Wasserspiel aussehen könnte und was es kosten würde. "130.000 Euro müssen zusammenkommen", sagt Peter Schmidt, Vorsitzender der Werbegemeinschaft.
Die Kosten entstehen vor allem dadurch, dass das Wasser Trinkqualität haben muss. "Dadurch brauchen wir eine Umwälzanlage und große Becken im Keller der Bürgerwache", berichtet Schmidt. Ein beschwerlicher Weg steht dem Verein demnach bevor, bis er flüssig ist – und es flüssig wird auf dem Siggi.
Anlage muss verkehrssicher sein
Außerdem muss die Wasser-Anlage laut Hans Martin vom Amt für Verkehr der Stadt verkehrssicher sein. Niemand dürfe durch sie zu Schaden kommen. Sein Amt ist zuständig für derartige Bauten auf öffentlichen Flächen.
Der Verein hat laut Schmidt bisher aber nur eine Voranfrage gestellt zu dem Projekt. Jetzt stehen Gespräche mit Politikern an. In wenigen Tagen trifft sich der Vorsitzende mit Mittes Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Franz (SPD). Die Grünen hätten auch schon Zustimmung signalisiert. "Und unser Oberbürgermeister findet die Idee auch toll", sagt Schmidt. Pit Clausen (SPD) nutze oft den Platz. Überhaupt stehe die Bevölkerung der Idee überwiegend positiv gegenüber. Das dokumentierten viele Zuschriften.
Kritik gibt jedoch auch. Im "Viertel", der Zeitung für Stadtteilkultur aus der Bürgerwache, schreibt Redakteur Bernd Kegel, wohnhaft im Osten der Stadt, tendenziell ablehnend darüber: "Das Verbrauchen von Plätzen hat weltweit Tradition. Wo nichts ist, muss was hin."
Noch steche der Siggi – positiv – heraus, weil er nicht verbaut sei. "Das Zubauen von Plätzen ist Angewohnheit derer, die meinen, höher gestellt zu sein und darum besser zu wissen, was die Leute eigentlich wollen, was gut für sie ist", so seine bissige Anmerkung.
Kritik: Qualität des Platzes schwindet
Den Drang nach einem Brunnen auf dem Siggi verbucht er unter der allgemeinen "Angst vor der Leere". Kegel fürchtet, dass die Qualität des Platzes schwindet, wenn kein Platz bleibe, um sich einfach zu setzen, nichts zu machen, herumzulungern. "Was wir brauchen, ist Platz. Den Siegfriedplatz. Ohne Schnick-Schnack. Wie er ist. Ganz einfach. Platz", so sein Plädoyer.
Peter Schmidt kennt Kritik und Kritiker gut. Er sagt: "Die Diskussion ist breit angelegt, wir wollen niemandem etwas auf’s Auge drücken." Auch weiterhin solle der Platz so genutzt werden können wie bisher, durch das Wasser aber an Qualität gewinnen. Die Fontänen könnten abgestellt werden, wenn dort Markt sei. "Es wird dadurch wenig in den Platz eingegriffen. Das Wasserspiel kann entstehen ohne große Beeinträchtigung", sagt er, vom Projekt überzeugt.
"Finanzielle Unterstützung wird groß sein"
Der Verein "Rund um den Siggi" ist zuversichtlich, dass die finanzielle Unterstützung groß sein wird für das Projekt. Die Rückmeldungen ließen darauf schließen. Nun werden bald konkret Spender gesucht. Mit Bausteinen im Wert von 100 Euro soll eine Sammelaktion im Frühjahr 2012 starten. Die Bausteine kann jeder erwerben, für 20 Euro extra sogar seinen Namen in den Stein gravieren lassen.
Erste Interessenten für die Bausteine gibt es – zum Beispiel die Theaterschauspielerin Carmen Priego. "Ich will mit Freunden Bausteine kaufen, damit dieses Projekt realisiert werden kann", kündigt sie im Magazin der Werbegemeinschaft an.
Mit welchem Sinn hat man eigentlich die kleine mediale Kettenreaktion produziert, die hier zu so einer abstrusen Projektionsfläche für einfach alles wird . Was bitte haben diese schwarzen Phantasien mit dem realen Siegfriedplatz , mit der realen Werbegemeinschaft "Rund um den Siggi" und dem realen Wasser-Projekt zu tun. Ein Blick auf Link unterdrückt zeigt, dass der Verein nicht aus irgendwelchen reichen "Kaufleuten" besteht und auch nicht aus größenwahnsinnigen Visionären , sondern aus den Inhaber/innen ganz normaler kleiner Geschäfte und Betrieben von überschaubarer Größe - sowie diversen sozialen Institutionen.
Die Vereinsgründung geht zurück auf die gemeinsame Organisation von Bielefelds individuellstem Weihnachtsmarkt, der auch in diesem Jahr wieder tausende Besucher/innen angezogen hat. Die Eigenart einer Werbegemeinschaft besteht in dem Interesse, gemeinsam für die Angebote der Mitglieder zu werben - ansich ja wohl nichts Verwerfliches. Hier kommt aber auch noch eine große Identifizierung mit dem Stadtteil und der Spaß am gemeinsamen Engagement der Beteiligten dazu. Projekte wie der jährliche Weihnachtsmarkt, die Herausgabe des Siggi-Magazins, Engagement für soziale Zwecke, Aufstellen eines Weihnachtsbaumes oder jetzt die Wasseridee werden von den Mitgliedern neben ihrer normalen Arbeit ehrenamtlich und mit Leidenschaft betrieben. Außer einer denkbaren Werbewirkung kommt dabei wohl kaum geschäftlich etwas herum, und schon gar nicht durch ein Wasserspiel – was für eine absurde Vorstellung.
Es ist einfach nur eine schöne Sache, wenn sich eine Gruppe von Menschen aus ganz verschiedenen Gewerben und drei Generationen gut versteht und gemeinsam etwas auf die Beine stellt – ohne Leithammel und Wichtigtuerei, sondern ganz einfach nur so. Bei der jetzt inszenierten Räsoniererei beschleicht einen das Gefühl, dass auf ideologisch gepolte Leute ein Entzugsproblem haben und krampfhaft nach dem Haar in der Suppe suchen. Der Verein will ganz bestimmt nicht die Bevölkerung gegen ihren Willen beglücken. Warum sollte man sich das auch antun, so viel Zeit und Geld zu investieren für etwas, das keiner will?
Darum wurden in 10.000 Auflage bereits drei Ausgaben des Siggi-Magazins dem Projekt gewidmet und immer wieder breit zu Meinungsäußerungen aufgefordert. Die Ausgaben sind übrigens alle auf der Internetseite zu finden und es war insofern wirklich nicht schwer, sich detailliert zu informieren. Der offensiven Bitte um Meinungen sind sehr viele nachgekommen - und genau deshalb ist die Idee inzwischen so weit entwickelt wie vorgestellt. Die sachlichen Aspekte, die auch hier in Beiträgen auftauchen, sind intensiv berücksichtigt worden. Das hätte auch jeder Redakteur wissen können.
Und damit zurück zur Anfangsfrage. Seit dem ersten Erscheinen des "Siggi-Magazins" vor zwei Jahren wollte die NW dieses nicht erwähnen, da man grundsätzlich nicht über andere Medien berichte. Von dieser Hochachtung fühlte sich die Siggi-Redaktion überaus geehrt. Umso erstaunlicher, dass die Neue Westfälische einen Besinnungsaufsatz im VIERTEL zum Anlass für eine Titelgeschichte auf ihren Stadtteilseiten nimmt. Das "Viertel" ist eine Zeitung mit immer wieder interessanten Beiträgen. Sie hat laut Auskunft der Anzeigenakquisiteure die Auflagenstärke von einem Zehntel des Siggi-Magazins. Ihr Druck wird übrigens u. a. finanziert mit der freundlich gemeinten Anzeigenunterstützung einer Handvoll genau der "Kaufleute" aus dem Viertel, die persönlich für das Wasserprojekt stehen.
Das Titel-Feuilleton war einfach nur zum Schmunzeln und Kopfschütteln, und wenigstens die Fotomontage mit der Ente auch originell. Aber erst die NW –Lektüre erweckte den Eindruck eines irgendwie brodelnden Streites um das Wasserprojekt. Breit gefühlt existiert dieser jedoch überhaupt nicht; es gab reichlich Gelegenheit, das zu prüfen. Womit keinesfalls in Abrede gestellt werden soll, dass man natürlich auch mit Fug und Recht gegen die Idee eines Wasserspiels sein kann. Aber soll das jetzt – angesichts dessen, was real geplant ist - allen Ernstes ein Kampfthema auf dieser Welt sein???