Bielefeld. Jahrelang wurde um den Bau gestritten - emotional, unerbittlich, gerichtlich. Das Minarett der Vatan-Moschee war - und ist - ein Aufreger. Nun ist es fast fertig. Der Ärger darüber ist aber nicht abgeklungen. Bei einem Teil der Nachbarschaft ist Unmut und Unbehagen geblieben. Und sogar die muslimischen Gemeindemitglieder sind nur mäßig zufrieden. Sie hätten sich eher eine anderen Turm gewünscht.
16,22 Meter hoch ist das Minarett, mit einem Durchmesser von 1,58 Meter. Für die Beführworter ist es Zeichen der Religiosität, für die Kritiker Symbol des islamischen Machtstrebens. Dem Minarett in Brackwede - das erste seiner Art in Bielefeld - fehlt jetzt nur noch die Spitze mit Halbmond obendrauf sowie die Treppe innendrin.
Eigentlich wünschte sich der Moschee-Verein, Teil der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet, ein 19 Meter hohes Minarett. "Es fehlen zwei Meter", sagt dessen Sprecher Mehmet Sabanci. 2007 wurde der Bauantrag gestellt. Protest regte sich daraufhin. 1.600 Unterschriften wurden gesammelt gegen das Minarett; Diskussionen veranstaltet; Befriedungen versucht. Am Ende entschied das Bauamt: 16,22 Meter sind okay. Mehr nicht. Bald wird das Gerüst abgebaut.
Rund 50.000 Euro kostet das Minarett
"Offiziell werden wir das Minarett im Frühjahr eröffnen, wenn es heller und wärmer wird", sagt Sabanci. Das Bauamt werde eingeladen. Der Moschee-Sprecher will dann kritische Worte sagen. "Wir haben uns viel Mühe gegeben, waren in derTürkei und haben Minarette fotografiert. Aber so, wie wir wollten, durften wir es nicht gestalten", moniert er. Im Bauamt wird das dementiert. "Darauf haben wir keinen Einfluss genommen", sagt Abteilungsleiter Dieter Ellermann. Nur die Ausmaße seien festgelegt worden.
Rund 50.000 Euro kostet das Minarett. 300 Mitglieder hat die Gemeinde. Das Geld stammt aus Spenden, "manches haben wir uns geliehen", sagt Sabanci. Zuschüsse vom türkischen Staat habe es nicht gegeben.
Für die Kritiker in der Nachbarschaft ist das Minarett Grund für Frust und Sorge. "Wir sind enttäuscht von der Politik", sagt Carola Bönker, eine der Initiatoren der Unterschriftenaktion gegen den Bau. Sie und ihre Mitstreiter nennen ein ästhetisches und ein gesellschaftliches Argument. "Schon die Moschee im Zuckerbäckerstil passt hier nicht hin", sagt Bönker. Das Minarett erst recht nicht. "Und es gibt keinen Austausch, und die Integration wird dadurch überhaupt nicht gefördert."
200 Nachbarn per Brief eingeladen
Es fehle an Kommunikation und Vertrauen zwischen türkischen und deutschen Nachbarn. Das bestätigt Sabanci. "Wir haben 200 Nachbarn per Brief eingeladen. Gekommen sind nur vier oder fünf." Bönker erklärt das mangelnde Vertrauen mit der "Salamitaktik" der Moschee: "Beim Bau wurde versichert, dass nie ein Minarett gebaut wird. Jetzt steht es. Und wir sind sicher, dass irgendwann der Muezzin ruft." Dass das - genauso wie eine Lautsprecheranlage - laut Bauamt nicht zulässig ist, überzeugt die Kritiker nicht.
Während dem einen das Recht auf Entfaltung seiner Persönlichkeit penibel abgesprochen wird, wird hier dem Recht auf Religionsausübung mit 16 Meter Turm das O.K vom Bauamt gegeben? Der Verleich mit christ. Kirchen zieht nicht-die sind schon da und gewollt, bzw. als Neubau auch nicht überall durchzusetzen.Gibt es eigentlich noch Neubauten christlicher Kirchen? Oder hat der religiöse Budenzauber endlich seine schmerz-und leidbringende Macht verloren?