"Bielefelder Tafel" pocht auf strikte Regeln - darüber sind manche "fürchterlich sauer"
Bielefeld. Rosetraut Kirse kann nur den Kopf schütteln. "Unerhört" findet die Vorsitzende der Bielefelder Tafel die Vorwürfe, die gespendeten Weihnachtspakete entweder ungerecht zu verteilen oder gar zu verkaufen. Solche Aussagen machten mehrere Menschen in den vergangenen Tagen gegenüber Medien in Bielefeld. Mit Namen genannt werden möchten sie öffentlich nicht.
Über 800 Pakete stapeln sich bei der Tafel am Rabenhof in Baumheide. Sie wurden gespendet. Sie enthalten Süßes, Herzhaftes oder Spielzeug. "Und wir bekommen noch mehr", sagt Kirse. Bedarf gäbe es genug zu Weihnachten. "Wir werden sie alle verteilen", sagt die Vorsitzende. Die Tafel habe mehrere Ausgabestationen in der Stadt. Die Unterstellung, dass die Tafel Pakete übrig behalte und später verkaufe, empfindet sie als unverschämte Falschbehauptung.
Dass sie allerdings von manchen Tafel-Kunden angefeindet werde, kann sie sich sogar vorstellen. "Wir haben klare Regeln", sagt sie. "Um die durchzusetzen, bevorzuge ich die direkte Ansprache und auch mal einen strengen Ton, sonst sind wir hier schnell auf verlorenem Posten."
Tatsächlich beschweren sich manche der rund 2.500 Tafel-Kunden über den Ton Kirses. Ob es Ausnahmen sind oder nicht, kann niemand sagen. Bei der Lebensmittel- und Paket- Ausgabe gestern war von Misstönen nichts zu hören. Im Gegenteil: Helfer und Abholer pflegten ein freundliches Miteinander.
Rückendeckung bekommt Kirse von Polizeihauptkommissar Georg Wilde. Er und seine Kollegen sind oft vor Ort, um Streit zu schlichten. "Manche benehmen sich daneben, es gibt immer wieder Streit und Schubsereien unter den Nationalitäten, da greifen wir ein", sagt der Polizist. Auch Platzverweise müssten hin und wieder erteilt werden. "Ein strenges Regiment ist hier nötig, sonst geht es nicht", sagt er. Rosetraut Kirse mache das sehr gut. "Es geht nicht besser", sagt Wilde. Er kann sich aber auch vorstellen, dass einige Kunden die strikte Regel-Umsetzung nicht so gut vertragen würden. "Manche sind fürchterlich sauer, wenn sie nicht das bekommen, was sie wollen."
Rosetraut Kirse sagt, dass sie Missbrauch verhindern will, vor allem jetzt vor dem Fest gebe es welche, die nur billig etwas abholen wollten. Sie kennt die Tafel-Kunden gut, merkt sich die Gesichter, checkt mitunter die Papiere der Leute. Andererseits kümmert sie sich laut Polizist Wilde geduldig und liebevoll um die, die Hilfe wirklich nötig hätten.
Die Vorsitzende verweist darauf, dass die Tafel keine städtische Einrichtung ist, sondern ein Zusatzangebot von Ehrenamtlichen. "Wir können keine Rundumversorgung bieten." Außerdem sei die Nutzung freiwillig. Es gebe keine Anspruchsrechte. Die Arbeit der Tafel sei sehr sinnvoll und gerecht.
Tatsächlich wollen auch die Unzufriedenen weiter kommen. "Nirgendwo bekommt man so viele Lebensmittel für so wenig Geld", sagt eine, die den Ton der Vorsitzenden geißelt, aber das Angebot nicht missen möchte.