Bielefeld (nw). Der Aufmarsch der Rechten am Heiligabend und die Aktionen des "Bündnis gegen rechts" ist beendet. Auf den Straßen rund um den Ostbahnhof sowie am Hauptbahnhof hatten sich 6.500 Menschen versammelt, um ein Zeichen gegen die Demonstration von etwa 70 Neonazis zu setzen. Aufgerufen dazu hatte ein breit gefächertes Bündnis, an dem sich auch Kirchen und Gewerkschaften beteiligten.
Die Gegendemonstrationen verliefen laut Polizei weitgehend ruhig. Einen zunächst sehr gefährlichen Zwischenfall hatte es gegeben, als von einer Eisenbahnbrücke an der Heeper Straße Steine auf die darunter marschierenden Neonazis flogen. Verletzt wurde dabei jedoch niemand, vier Personen wurden vorläufig festgenommen.
Außerdem hätten 30 Vermummte aus dem linken Lager versucht, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen, seien aber von der Polizei durch Einsatz von Schlagstöcken und Reizgas zurückgedrängt worden, erklärte die Polizei.
Die Neue Westfälische war mit mehreren Redakteuren, Fotografen und einem Kamerateam in Bielefeld unterwegs, um aktuell über die Lage zu berichten. Es folgt der chronologische Bericht:
Am AJZ hatten sich
gegen 11 Uhr schon mehr als 100 Linke in Position gebracht. Mit der Demonstration wollten die Neonazis die Schließung des linksgerichteten Jugendzentrums an der Heeper Straße erreichen. Rund um den Ostbahnhof, wo um 12.18 Uhr die Neonazis mit der Eurobahn ankommen sollten, sperrte die Polizei massiv ab, um eine gewaltsame Begegnung zwischen Neonazis und Gegendemonstranten zu vermeiden.
Am Hauptbahnhof hatten sich bereits um
11.40 Uhr zwischen 300 und 400 Menschen versammelt. Der Regen hatte aufgehört, die Stimmung war gut. Es bot sich ein buntes Bild gegen rechts. Mehrere Posaunenchöre waren vor Ort, eine Bühne war aufgebaut, auf der um 11.55 Uhr die interreligiöse Mahnwache begann.
Um
12.05 Uhr hatten sich laut ersten Schätzungen der Polizei am Versammlungsort des DGB 1.000 Gegendemonstranten eingefunden, beim TuS Ost und der Freien Scholle insgesamt 200, am AJZ mittlerweile 400, darunter rund 50 Antifa, und auch der Bahnhofsvorplatz füllte sich weiter.
12.10 Uhr: Die Neonazis erreichten den Bielefelder Hauptbahnhof. Aus dem Zug aus Hamm stiegen laut Polizei 68 Rechtsextreme aus, die Erwartungen der Polizei (die NW berichtete), sind damit überschritten. Die Lage blieb ruhig, die Rechtsextremen hatten sich teilweise vermummt und mit Sonnenbrillen bekleidet, einige von ihnen trugen Nikolausmützen, berichtete der NW-Kollege vor Ort. Der Zugverkehr wurde nicht eingeschränkt, da die Bundespolizei einen Korridor für die Reisenden freihielt.
12.40 Uhr: Zwischenstand vom Ostbahnhof: Die rund 70 Neonazis trafen ein und wurden von etwa 200 Gegendemonstranten auf dem Vorplatz in Empfang genommen. Der NW-Kollege vor Ort berichtete von massiven Buh- und "Nazis raus"-Rufen. Ein paar Demonstranten versuchten, näher an die Rechten heranzukommen, wurden aber von der Polizei abgefangen und zurückgedrängt. Die Polizei sicherte auch den Bahndamm, um auch dort zu verhindern, dass beide Gruppen aufeinander stoßen.
12.55 Uhr: Der Demonstrationszug der Rechten setzte sich mit den üblichen Parolen in Bewegung. Derweil sollen 30 bis 40 Gegendemonstranten am AJZ versucht haben, durch die Polizeiabsperrungen zu gelangen. Es gab außerdem Berichte darüber, dass mit Leuchtraketen geschossen worden sein soll.
13.00 Uhr: Am Versammlungsort des DBG sprach sich Oberbürgermeister Pit Clausen für ein Verbot der NPD aus. Bielefeld sei eine weltoffene Stadt, sagte er in seiner Rede vor mehr als 1.000 Demonstranten.
13.06 Uhr: Erste Handgreiflichkeiten zwischen Neonazis und Gegendemonstranten. Am Trachtenweg/Heeper Straße trafen beide Gruppierungen aufeinander. Der Antifa war es offenbar gelungen, über die Schienen zu gelangen. Aus dem Gleisbett nahmen sie Steine mit, mit denen sie die Neonazis bewarfen. Es kam zu einer kurzzeitigen Randale und einer sehr gefährlichen Situation, die die Polizei jedoch schnell unterband. Über Verletzte gab es zunächst keine Erkenntnisse.
13.15 Uhr: Eine Anwohnerin meldete sich bei der NW: Sie war mit 60 bis 70 Gegendemonstranten von der Polizei eingekesselt. Sie berichtete, dass sie am Ostbahnhof zur Demo gegangen sei und nach dem Abzug der Rechten wieder nach Hause wollte, doch die Polizei bestand darauf, die Sperrung aufrecht zu erhalten.
13.20 Uhr: Bei den ersten Ausschreitungen sei niemand verletzt worden, teilte die Polizei mit. Festnahmen habe es ebenfalls nicht gegeben, aber es wurde Reizgas gegen die Steinewerfer eingesetzt. Mittlerweile war es wieder relativ ruhig geworden. Die Rechten standen jetzt vor dem AJZ den Gegendemonstranten gegenüber, in gebührlichem Abstand. Insgesamt sprach die Polizei in vorsichtigen Schätzungen nun von rund 6.000 Gegendemonstranten an allen Versammlungsorten.
13.50 Uhr: Die Neonazis beendeten ihre Kundgebung vor dem AJZ. Währenddessen blieb es ruhig, abgesehen von den Parolen der Rechtsextremisten. Die Gegendemonstranten standen rund 150 Meter von der Kundgebung entfernt, Übergriffe gab es nicht mehr.
14.35 Uhr: Die Neonazis bestiegen den Zug vom Ostbahnhof zum Hauptbahnhof. Die Gegendemonstranten zogen derweil über die Huberstraße und Bleichstraße zum Ostbahnhof, um dort noch einmal zu demonstrieren.
15.04 Uhr: Die Neonazis stiegen, gesichert von der Bundespolizei, an Gleis 5 des Hauptbahnhofs in ihren Zug und machten sich auf den Heimweg. Bis dahin gab es noch vereinzelte "Haut ab"-Rufe von Gegendemonstranten, ansonsten aber blieb es ruhig. Damit war der Aufmarsch der Rechtsextremen in Bielefeld an diesem Heiligabend beendet.
15.16 Uhr: Die Polizei gab folgende Abschlussbilanz ab: Insgesamt 6.500 Gegendemonstranten setzten ein Zeichen gegen rechts. Davon waren 4.000 Teilnehmer vor dem AJZ, 1.000 Personen vor dem Hauptbahnhof und 1.500 Menschen entlang der Marschstrecke. Bei dem Zwischenfall auf dem Weg zum AJZ, als Steine auf die Rechtsextremisten flogen, seien vier Demonstranten vorläufig festgenommen worden. Verletzte habe es aber nicht gegeben.
In eigener Sache: Wir werden die Fotostrecke um weitere Fotos unserer Fotografen aufstocken. Außerdem wird noch ein Videobeitrag geschnitten und auf nw-news.de zur Verfügung gestellt.
nw-news.de wünscht den Leserinnen und Lesern nun Frohe Weihnachten!