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24.12.2011
BIELEFELD
6.500 Bielefelder demonstrieren gegen Neonazi-Aufmarsch
Gegendemonstranten werfen Steine - keine Verletzten

"Wir wollen bunt"
| FOTO: OLIVER KRATO

Bielefeld (nw). Der Aufmarsch der Rechten am Heiligabend und die Aktionen des "Bündnis gegen rechts" ist beendet. Auf den Straßen rund um den Ostbahnhof sowie am Hauptbahnhof hatten sich 6.500 Menschen versammelt, um ein Zeichen gegen die Demonstration von etwa 70 Neonazis zu setzen. Aufgerufen dazu hatte ein breit gefächertes Bündnis, an dem sich auch Kirchen und Gewerkschaften beteiligten.

Die Gegendemonstrationen verliefen laut Polizei weitgehend ruhig. Einen zunächst sehr gefährlichen Zwischenfall hatte es gegeben, als von einer Eisenbahnbrücke an der Heeper Straße Steine auf die darunter marschierenden Neonazis flogen. Verletzt wurde dabei jedoch niemand, vier Personen wurden vorläufig festgenommen.

Außerdem hätten 30 Vermummte aus dem linken Lager versucht, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen, seien aber von der Polizei durch Einsatz von Schlagstöcken und Reizgas zurückgedrängt worden, erklärte die Polizei.

Video

Die Neue Westfälische war mit mehreren Redakteuren, Fotografen und einem Kamerateam in Bielefeld unterwegs, um aktuell über die Lage zu berichten. Es folgt der chronologische Bericht:

Am AJZ hatten sich gegen 11 Uhr schon mehr als 100 Linke in Position gebracht. Mit der Demonstration wollten die Neonazis die Schließung des linksgerichteten Jugendzentrums an der Heeper Straße erreichen. Rund um den Ostbahnhof, wo um 12.18 Uhr die Neonazis mit der Eurobahn ankommen sollten, sperrte die Polizei massiv ab, um eine gewaltsame Begegnung zwischen Neonazis und Gegendemonstranten zu vermeiden.

Am Hauptbahnhof hatten sich bereits um 11.40 Uhr zwischen 300 und 400 Menschen versammelt. Der Regen hatte aufgehört, die Stimmung war gut. Es bot sich ein buntes Bild gegen rechts. Mehrere Posaunenchöre waren vor Ort, eine Bühne war aufgebaut, auf der um 11.55 Uhr die interreligiöse Mahnwache begann.

Um 12.05 Uhr hatten sich laut ersten Schätzungen der Polizei am Versammlungsort des DGB 1.000 Gegendemonstranten eingefunden, beim TuS Ost und der Freien Scholle insgesamt 200, am AJZ mittlerweile 400, darunter rund 50 Antifa, und auch der Bahnhofsvorplatz füllte sich weiter.

Fotostrecke
 
Klicken Sie auf ein Foto, um die Fotostrecke zu starten (125 Fotos).

12.10 Uhr: Die Neonazis erreichten den Bielefelder Hauptbahnhof. Aus dem Zug aus Hamm stiegen laut Polizei 68 Rechtsextreme aus, die Erwartungen der Polizei (die NW berichtete), sind damit überschritten. Die Lage blieb ruhig, die Rechtsextremen hatten sich teilweise vermummt und mit Sonnenbrillen bekleidet, einige von ihnen trugen Nikolausmützen, berichtete der NW-Kollege vor Ort. Der Zugverkehr wurde nicht eingeschränkt, da die Bundespolizei einen Korridor für die Reisenden freihielt.12.40 Uhr: Zwischenstand vom Ostbahnhof: Die rund 70 Neonazis trafen ein und wurden von etwa 200 Gegendemonstranten auf dem Vorplatz in Empfang genommen. Der NW-Kollege vor Ort berichtete von massiven Buh- und "Nazis raus"-Rufen. Ein paar Demonstranten versuchten, näher an die Rechten heranzukommen, wurden aber von der Polizei abgefangen und zurückgedrängt. Die Polizei sicherte auch den Bahndamm, um auch dort zu verhindern, dass beide Gruppen aufeinander stoßen.

12.55 Uhr: Der Demonstrationszug der Rechten setzte sich mit den üblichen Parolen in Bewegung. Derweil sollen 30 bis 40 Gegendemonstranten am AJZ versucht haben, durch die Polizeiabsperrungen zu gelangen. Es gab außerdem Berichte darüber, dass mit Leuchtraketen geschossen worden sein soll.

13.00 Uhr: Am Versammlungsort des DBG sprach sich Oberbürgermeister Pit Clausen für ein Verbot der NPD aus. Bielefeld sei eine weltoffene Stadt, sagte er in seiner Rede vor mehr als 1.000 Demonstranten.

13.06 Uhr: Erste Handgreiflichkeiten zwischen Neonazis und Gegendemonstranten. Am Trachtenweg/Heeper Straße trafen beide Gruppierungen aufeinander. Der Antifa war es offenbar gelungen, über die Schienen zu gelangen. Aus dem Gleisbett nahmen sie Steine mit, mit denen sie die Neonazis bewarfen. Es kam zu einer kurzzeitigen Randale und einer sehr gefährlichen Situation, die die Polizei jedoch schnell unterband. Über Verletzte gab es zunächst keine Erkenntnisse.

13.15 Uhr: Eine Anwohnerin meldete sich bei der NW: Sie war mit 60 bis 70 Gegendemonstranten von der Polizei eingekesselt. Sie berichtete, dass sie am Ostbahnhof zur Demo gegangen sei und nach dem Abzug der Rechten wieder nach Hause wollte, doch die Polizei bestand darauf, die Sperrung aufrecht zu erhalten.

13.20 Uhr: Bei den ersten Ausschreitungen sei niemand verletzt worden, teilte die Polizei mit. Festnahmen habe es ebenfalls nicht gegeben, aber es wurde Reizgas gegen die Steinewerfer eingesetzt. Mittlerweile war es wieder relativ ruhig geworden. Die Rechten standen jetzt vor dem AJZ den Gegendemonstranten gegenüber, in gebührlichem Abstand. Insgesamt sprach die Polizei in vorsichtigen Schätzungen nun von rund 6.000 Gegendemonstranten an allen Versammlungsorten.

13.50 Uhr: Die Neonazis beendeten ihre Kundgebung vor dem AJZ. Währenddessen blieb es ruhig, abgesehen von den Parolen der Rechtsextremisten. Die Gegendemonstranten standen rund 150 Meter von der Kundgebung entfernt, Übergriffe gab es nicht mehr.

14.35 Uhr: Die Neonazis bestiegen den Zug vom Ostbahnhof zum Hauptbahnhof. Die Gegendemonstranten zogen derweil über die Huberstraße und Bleichstraße zum Ostbahnhof, um dort noch einmal zu demonstrieren.

15.04 Uhr: Die Neonazis stiegen, gesichert von der Bundespolizei, an Gleis 5 des Hauptbahnhofs in ihren Zug und machten sich auf den Heimweg. Bis dahin gab es noch vereinzelte "Haut ab"-Rufe von Gegendemonstranten, ansonsten aber blieb es ruhig. Damit war der Aufmarsch der Rechtsextremen in Bielefeld an diesem Heiligabend beendet.

15.16 Uhr: Die Polizei gab folgende Abschlussbilanz ab: Insgesamt 6.500 Gegendemonstranten setzten ein Zeichen gegen rechts. Davon waren 4.000 Teilnehmer vor dem AJZ, 1.000 Personen vor dem Hauptbahnhof und 1.500 Menschen entlang der Marschstrecke. Bei dem Zwischenfall auf dem Weg zum AJZ, als Steine auf die Rechtsextremisten flogen, seien vier Demonstranten vorläufig festgenommen worden. Verletzte habe es aber nicht gegeben.

In eigener Sache: Wir werden die Fotostrecke um weitere Fotos unserer Fotografen aufstocken. Außerdem wird noch ein Videobeitrag geschnitten und auf nw-news.de zur Verfügung gestellt.

nw-news.de wünscht den Leserinnen und Lesern nun Frohe Weihnachten!

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Die heute veröffentlichte Zuschrift der Frau Tappmeier macht mich fassungslos. Sie schämt sich dafür, dass auf einer vor allem von den Kirchen getragenen Veranstaltung am Heiligabend ein Weihnachtslied gesungen wird. Es ist gegen Nazischweine demonstriert worden, die Jesus Christus als "Judenbengel" diffamieren. Frau Tappmeier sind die Maßstäbe abhanden gekommen. Sie sollte sich schämen, dass in Deutschland immer noch viel zu viele die Meinung der Nazis teielen.

@ Rolf Flöter

Wenn DAS Ihr "Kenntnisstand" ist, dann wissen sie nicht viel.

Ich habe eher den Eindruck, dass Ihnen mit zunehemender Dauer Ihrer Propagandaschlacht die zusammen kopierten Textbausteine durcheinander geraten, was zu immer drolligeren (trolligeren?) Ergebnissen führt.

Hier hat bislang noch keiner der rechten Saubermänner erklären können, wie er die mindestens 100 (offizielle Zahl) durch Neonazies in den letzten Jahren ermordeten Menschen mit seiner ach so friedlichen und ordentlichen Gesinnung in Einklang bringt.

Selbst wenn man "nur" die offiziellen Opferzahlen zu Grunde legt, drängt sich die Annahme auf, dass die meisten Nazidemos wohl auf Gefängnisshöfen stattfinden würden, wenn Mord, Totschlag und schwerste Körperverletzungen von rechts konsequenter verfolgt und gesühnt werden würden.

Da kommen wir auch schon zu dem Punkt, der diese scheinbare - ich scheue mich fast es so zu nennen - Diskussion als Nazi-Kampagne entlarvt: Otto Normalverbraucher will nicht, dass Mörder und Gewaltverbrecher frei herum laufen, und er will ganz sicher kein viertes Reich, keine SA-Schläger, oder Typen, die sich mit SS-Runen, Hakenkreuze, Führerbildchen schmücken und paramimitärisch auftreten. Solche Typen wünscht sich die überwältigende Mehrheit (in den alten Bundesländern) ganz weit weg.

Sollte jedoch unser adeliger Plagiator im kommenden Jahr eine Partei rechts der CSU gründen, trauen ich ihm locker den Einzug in den nächstem Bundestag zu.

Das vorgeschobene Thema der Demo war übrigenz auch eher ungeschickt gewählt. für das AJZ interessiert in Bielefeld kaum noch jemand. Seit dem Ende der Chaostage findet es in der öffentlichen Meinung der Bielefelder eigentlich nicht mehr statt, weil dort nichts mehr passiert.

Mann geht dort vorbei und denkt sich : "Gott, sieht das sch... aus" oder "Was steht dort wieder für ein Mist auf dem Transparent". Das war es dann auch.

Durchschnittsbielefelder machen sich eher Sorgen um die Sicherheit in der Innenstadt, speziell auf dem Jahnplatz und rund um den Bahnhof. Aber woher soll der Herr Skoda aus Düsseldorf das auch wissen. Er, der sich mit seinen wackeren Getreuen aufgemacht hat, an einem unserer wichtigsten Feiertage auf die Nähe der geliebten Familie verzichtend, und das alles nur um uns Bielefelder vor der permaneten Bedrohung durch links außen zu beschützen ...

Naja, egal, wie in verschiedenen rechten Foren zu lesen ist, wollte man ja eh nur der Polizei den heiligen Abend versauen.

So, jetzt wird sich sicher wieder ein Troll finden der unter dem Namen "Durchschnittsbielefelder" seine Phrasen neu zusammenbastelt und von der enormen Bedrohung durch linke Gewalt schreibt, ohne ein Wort über die horrende Anzahl von Opfern rechter Gewalt zu verlieren. Ob auch das Wörtchen "Gutmensch" wieder auftaucht?

Nach meinem Kenntnisstand treten Linksradikale überhaupt nicht öffentlich auf und wenn dann nur bei gewalttätigen Aktionen, sie verstecken sich mittlerweile hinter einer Maskerade der Normalität. Wie will man die von ihrer Falschheit überzeugen ? Es geht ebenso wenig wie bei den Braunen. Durch einige Reaktionstestkommentare hier konnte man auch sehen, wie diese Kreise auf LEICHTE Andeutungen in diese Richtung reagieren, wirklich schön selbstentlarvend.
Passend auch die Verharmlosung von linker Gewalt, die ja nur gegen Sachen gerichtet ist... ich kann ja nicht mehr, peinlich. Die Steine am SA waren natürlich nur gegen die Aufnäher auf den Jacken der Braunen geworfen worden, vielleicht hatte einer ja einen goldenen Ohrring den man nur aus der Ferne durch einen gezielten Wurf entfernen konnte...linker Terror richtet sich ebenso gegen Menschen UND zusätzlich noch gegen ihre marteriellen Eigentümer...jetzt fahren Autonome schon nach Polen um Terror zu verbreiten, sie verprügeln natürlich auch Andersdenkende und Übergriffe auf Homos gab es auch schon. Und Stefan : "Wer hier eine Heimat haben möchte, der soll sich (gast)freundlich und tolerant gegenüber anderen verhalten."--- Gilt das nicht für jeden hier, hmm Stefan ? Was man von einigen Ausländern hier ertragen muss und was sie ihren Kindern lehren, passt ebenso nicht, aber Dein Satz war ja wunderschön treffend formuliert , ein Grundlagengebot, mit dem viele Menschen Probleme haben.
Rechte Gewalt will ich hier nicht verharmlosen, liebe Leut, nur soll man wach in alle Richtungen sein und sich nicht blind irgendwelchen Pseudopolitologen an den Arm werfen...Tüßken

@ Kuriosum Biele dickes fel dumm : Ist schon schwer, was...hast Du die Aussage von Bielefeldum nicht verstanden ? Fühlst Du Dich in Deinem allmächtigen Kampf für Toleranz, Gleichberechtigung und den Durchbruch der Grundbetäubtheit durch den Kommentar eingeschränkt ? Helfen dann nur noch Beleidigungen ?

auf der suche nach alternativen, so ist mein eindruck, sind "die steinewerfer" wieder nicht fündig geworden. "und willst du nicht mein bruder sein, dann schlag ich dir den schädel ein!"
die deutsche geschichte liefert bereits eine vorlage dafür, dass gewaltloser widerstand "berge versetzen" kann. natürlich verlange ich von niemanden, der physisch angegriffen wird, dass er sich wehrlos seinem schicksal ergibt. es gab aber diesen notstand nicht!
und da haben wir also wieder den ewigen "salat": gewalt, produziert gegengewalt.

im übrigen, bin ich auch nicht der meinung, dass ignorieren besser gewesen wäre, als gegen die nazis zu demonstrieren. wer, gibt mir denn die garantie dafür, dass dies so auch funktioniert? Niemand (!), befürchte ich.



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