Pit Clausen fordert ein Verbot der NPD / Hämischer Abschiedsgruß am Regionalexpress: "Ihr könnt nach Hause fahrn"
Bielefeld. "Wir stellen uns heute angemessen quer." Dieser Ankündigung von Pit Clausen sollten bis zum Nachmittag noch etliche überzeugende Beispiele folgen. Der Oberbürgermeister sprach während der vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) organisierten Versammlung an der Bleichstraße, Ecke Am Stadtholz.
Während sich die Demonstranten aus allen Richtungen im strömenden Regen der Kundgebung näherten, kreiste ein Hubschrauber der Polizei über dem Osten der Stadt.
"Das ist Nachbarschaft." So drückte Clausen seine Freude über die Teilnahme seiner Kollegen aus den Nachbarkommunen aus. Gekommen waren die Sozialdemokraten Thorsten Klute (Versmold), Maria Unger (Gütersloh), Bruno Wollbrink (Herford) und Marion Weike (Werther).
Auch Rainer Wend war gekommen
Auch der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Rainer Wend war zur Kundgebung gekommen, Britta Haßelmann (Grünen-MdB), ebenso Mitglieder verschiedener Bielefelder Parteien wie Harald Buschmann (FDP), Rainer Lux, Detlef Werner, Bürgermeister Detlef Helling, Andreas Rüther, Altoberbürgermeister Eberhard David (alle CDU) sowie die Grünen Klaus Rees und Bernd Ackehurst.
Zu den Demonstranten gehörten auch Zahnärzte, für Clausen ebenfalls erwähnenswert: "So etwas haben die wohl noch nie gemacht."
Unter dem Beifall seiner Zuhörer sprach der Oberbürgermeister sich schließlich für ein Verbot der NPD aus. "Wir sind Bielefeld. Wir wollen keine Nazis in unserer Stadt, in der 150 Nationen in Frieden leben", rief er in die Menge der dicht aneinandergedrängten Zuhörer.
Neonazis eine Absage erteilt
Voraussetzung dafür sei allerdings, dass der gesellschaftliche Grundkonsens beachtet werde. "Wer dagegen mit nationalen Parolen verstößt, der ist nicht willkommen", erteilte er den zu diesem Zeitpunkt noch anreisenden Neonazis eine Absage.
Der anhaltende Regen konnte auch eine weitere Gruppe Bielefelder nicht davon abhalten, gegen den Auftritt von Sven Skoda und seinen Gefolgsleuten ihren Unmut zu äußern - auf eine ganz andere Art und Weise.
Vor der Sporthalle des TuS Ost an der Bleichstraße kickten junge Fußballer in ihren wetterfesten Kapuzenjacken. Ein paar Meter von ihnen entfernt zeigte eine tanzbegeisterte Gruppe zu rhythmischer Musik, wie konditionsteigernd Zumba sein kann.
Aufwärmung für fröstelnde Demonstranten
Zur Aufwärmung der fröstelnden Demonstranten hatte die Freie Scholle vorgesorgt. An ihrem Stand Auf dem Langen Kampe schenkte sie nahe einer Straßensperre der Polizei alkoholfreien Punsch aus.
Von hier aus war der Blick frei auf den Umzug der knapp 70 ungebetenen Gäste, der sich vom Ostbahnhof aus über den Trachtenweg zur Heeper Straße und später zurück über die Hanfstraße bewegte. Zeitweise warfen die Demonstranten Obst und Bananenschalen in Richtung der schwarze Fahnen schwenkenden Neonazis. Doch die Geschosse erreichten ihr Ziel nicht.
Vielmehr drangen die "Nazi raus"-Parolen aus unterschiedlichen Richtungen in die Ohren der Rechten. Phasenweise von schrillen Trillerpfeifen übertönt, hieß es von Seiten der Gegendemonstranten: "Wir wollen keine Nazi-Schweine", "Nazis raus", "Haut ab, haut ab". Am lautesten erschollen die Rufe vom AJZ her.
Fast schon erleichtert klang dann der Abschiedsgruß der Menge, als der Regionalexpress den Ostbahnhof verließ: "Ihr könnt nach Hause fahrn . . ."