Bielefeld. An mehreren Grundschulen im Kreis Höxter ist die Ganztagsbetreuung der Schüler gefährdet. Grund ist die angekündigte Insolvenz des Trägers des Betreuungsangebots. Schul-und Sozialexperten weisen darauf hin, dass die so genannte Offenen Ganztagsschule (OGS) vielerorts unterfinanziert sei.
Die Zahl der Grundschüler, die das Angebot der OGS nutzen, steigt stetig. In OWL waren im vergangenen Schuljahr 22.347 Schüler im offenen Ganztag angemeldet. 1.821 Schüler mehr sind es im laufenden Schuljahr. Für die 24.168 Ganztagsschüler im Primarbereich überweist die Landeskasse 27 Millionen Euro.
Mit 935 Euro im Jahr fördert das Land die OGS. Die Kommunen sind verpflichtet, weitere 410 Euro pro Schüler zu bezahlen; dies kann durch den Elternbeitrag refinanziert werden oder zusätzlich sein. Elternbeiträge dürfen eine Höchstgrenze von 150 Euro nicht überschreiten.
Zahlen zum Ganztag- Seit 2003 gibt es in NRW Ganztagsangebote für Grundschüler.
- Der Förderbetrag des Landes beträgt seit 2011 im Regelfall 935 Euro pro Schüler. An Förderschulen werden bis zu 1.890 Euro pro Schüler und Jahr ausgezahlt.
- Zusätzlich erhalten die Schulen zwischen 0,1 und 0,2 Lehrerstellen für die pädagogische Arbeit. Diese können auch kapitalisiert werden.168 solcher Stellen gibt es derzeit in OWL.
- Während die Eltern an den Grundschulen einen Beitrag zahlen müssen, ist der Ganztag an den weiterführenden Schulen beitragsfrei.
"Große Sprünge kann man damit wahrhaftig nicht machen"
"Große Sprünge kann man damit wahrhaftig nicht machen", sagt ein Schulamtsleiter in der Region. Da seine Stadt klamm ist und nur knapp einen Nothaushalt vermeiden konnte, fällt der kommunale Eigenanteil geringer als vorgesehen aus. "Wenn man die hehren Ansprüche in den Erlassen mit der Wirklichkeit in den Offenen Ganztagsschulen vergleicht, kann einem Angst und Bange werden", ergänzt der Beamte.
Konkrete Zahlen nennt der Kreisgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Herford. "Die Förderung schwankt drastisch zwischen den Kommunen. Zahlt die eine Kommune 1.345 Euro pro Kopf und Jahr, sind es in einer anderen 2.400 Euro", sagt Günter Busse. Entsprechend unterschiedlich seien die Betreuungs- und Lernangebote in den OGS. "Das ist extrem ungerecht", meint Busse.
Vorbildliches leistet die Stadt Detmold. Jede OGS-Gruppe werde mit 55.000 Euro gefördert,sagt Trudi Knoll vom städtischen Jugendamt. "Dafür erwarten wir vom Träger, dass er mindestens eine Fachkraft beschäftigt." Eine gerade durchgeführte Befragung habe hohe Zufriedenheit bei Eltern, Lehrern und Mitarbeitern mit dem Detmolder Weg gezeigt. Die Schülermeinung werde noch ausgewertet.
"Gegessen wird im Drei-Schicht-Betrieb. Das dauert zweieinhalb Stunden"
Busse weist auf ein weiteres Problem hin. Beim Start der OGS im Jahr 2003 sei man von einer Beteiligungsquote von 25 Prozent ausgegangen. Vielerorts läge man heute bei 60 Prozent und mehr. Der Platz in den Mensen reiche längst nicht mehr. "Gegessen wird im Drei-Schicht-Betrieb. Das dauert 21/2 Stunden", sagt Busse.
Seine Aussagen decken sich mit den Ergebnissen des jüngsten "Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann-Stiftung. In NRW bestehe nicht nur erheblicher Ausbaubedarf; "vor allem die qualitativen Bedingungen für die Begleitung der Kinder ,außerhalb des Unterrichts’ müssen deutlich verbessert werden", heißt es in der Studie. bereits bei der Einführung der OGS im Jahr 2003 habe das Land die Standards der Jugendhilfe heruntergeschraubt um das Angebot zu "verbilligen".
Das erklärt auch die Schwankungsbreite bei der Förderung. Kommunen, die vor der Einführung der OGS Horte unterhielten, versuchen so weit möglich deren Standards zu erhalten. "Wir wollen, dass die Schüler nicht nur verwahrt werden, sondern pädagogisch und sozial betreut werden", sagt Knoll.
Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist die Insolvenz eines Trägers keine Überraschung.
Aus ihrer Sicht ist die OGS ein Sparmodell. Verglichen mit den früheren Hortgruppen wurden weit über die Hälfte der Kosten eingespart. "Das führt", so die Vorsitzende der GEW-OWL Sabine Unger, "zu nicht erfüllbaren Qualitätsansprüchen und vielen ungeregelten und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen."
Meine Hochachtung haben Du und Deine Kollegen. Ihr macht einen Super Job und wenn ich meinen Sohn sehe, hat sich die Zeit in der OGS mehr als gelohnt.
Nicht aufgeben, die Kids brauchen euch und naja, sei ehrlich, in strahlende Kinderaugen sehen, ist doch etwas schönes.
Also bitte weiter machen :)