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26.01.2012
OWL
Ganztagsbetreuung in Schulen gefährdet
Träger und Schulen beklagen Unterfinanzierung
VON BERNHARD HÄNEL

Eine typische Szene: Erstklässler holen sich in der Mensa ihr Mittagessen ab. | FOTO: DPA

Bielefeld. An mehreren Grundschulen im Kreis Höxter ist die Ganztagsbetreuung der Schüler gefährdet. Grund ist die angekündigte Insolvenz des Trägers des Betreuungsangebots. Schul-und Sozialexperten weisen darauf hin, dass die so genannte Offenen Ganztagsschule (OGS) vielerorts unterfinanziert sei.

Die Zahl der Grundschüler, die das Angebot der OGS nutzen, steigt stetig. In OWL waren im vergangenen Schuljahr 22.347 Schüler im offenen Ganztag angemeldet. 1.821 Schüler mehr sind es im laufenden Schuljahr. Für die 24.168 Ganztagsschüler im Primarbereich überweist die Landeskasse 27 Millionen Euro.

Mit 935 Euro im Jahr fördert das Land die OGS. Die Kommunen sind verpflichtet, weitere 410 Euro pro Schüler zu bezahlen; dies kann durch den Elternbeitrag refinanziert werden oder zusätzlich sein. Elternbeiträge dürfen eine Höchstgrenze von 150 Euro nicht überschreiten.
Info
Zahlen zum Ganztag
  • Seit 2003 gibt es in NRW Ganztagsangebote für Grundschüler.
  • Der Förderbetrag des Landes beträgt seit 2011 im Regelfall 935 Euro pro Schüler. An Förderschulen werden bis zu 1.890 Euro pro Schüler und Jahr ausgezahlt.
  • Zusätzlich erhalten die Schulen zwischen 0,1 und 0,2 Lehrerstellen für die pädagogische Arbeit. Diese können auch kapitalisiert werden.168 solcher Stellen gibt es derzeit in OWL. 
  • Während die Eltern an den Grundschulen einen Beitrag zahlen müssen, ist der Ganztag an den weiterführenden Schulen beitragsfrei.


"Große Sprünge kann man damit wahrhaftig nicht machen"

"Große Sprünge kann man damit wahrhaftig nicht machen", sagt ein Schulamtsleiter in der Region. Da seine Stadt klamm ist und nur knapp einen Nothaushalt vermeiden konnte, fällt der kommunale Eigenanteil geringer als vorgesehen aus. "Wenn man die hehren Ansprüche in den Erlassen mit der Wirklichkeit in den Offenen Ganztagsschulen vergleicht, kann einem Angst und Bange werden", ergänzt der Beamte.

Konkrete Zahlen nennt der Kreisgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Herford. "Die Förderung schwankt drastisch zwischen den Kommunen. Zahlt die eine Kommune 1.345 Euro pro Kopf und Jahr, sind es in einer anderen 2.400 Euro", sagt Günter Busse. Entsprechend unterschiedlich seien die Betreuungs- und Lernangebote in den OGS. "Das ist extrem ungerecht", meint Busse.

Vorbildliches leistet die Stadt Detmold. Jede OGS-Gruppe werde mit 55.000 Euro gefördert,sagt Trudi Knoll vom städtischen Jugendamt. "Dafür erwarten wir vom Träger, dass er mindestens eine Fachkraft beschäftigt." Eine gerade durchgeführte Befragung habe hohe Zufriedenheit bei Eltern, Lehrern und Mitarbeitern mit dem Detmolder Weg gezeigt. Die Schülermeinung werde noch ausgewertet.

"Gegessen wird im Drei-Schicht-Betrieb. Das dauert zweieinhalb Stunden"

Busse weist auf ein weiteres Problem hin. Beim Start der OGS im Jahr 2003 sei man von einer Beteiligungsquote von 25 Prozent ausgegangen. Vielerorts läge man heute bei 60 Prozent und mehr. Der Platz in den Mensen reiche längst nicht mehr. "Gegessen wird im Drei-Schicht-Betrieb. Das dauert 21/2 Stunden", sagt Busse.
Seine Aussagen decken sich mit den Ergebnissen des jüngsten "Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann-Stiftung. In NRW bestehe nicht nur erheblicher Ausbaubedarf; "vor allem die qualitativen Bedingungen für die Begleitung der Kinder ,außerhalb des Unterrichts’ müssen deutlich verbessert werden", heißt es in der Studie. bereits bei der Einführung der OGS im Jahr 2003 habe das Land die Standards der Jugendhilfe heruntergeschraubt um das Angebot zu "verbilligen".

Das erklärt auch die Schwankungsbreite bei der Förderung. Kommunen, die vor der Einführung der OGS Horte unterhielten, versuchen so weit möglich deren Standards zu erhalten. "Wir wollen, dass die Schüler nicht nur verwahrt werden, sondern pädagogisch und sozial betreut werden", sagt Knoll.
Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist die Insolvenz eines Trägers keine Überraschung.

Aus ihrer Sicht ist die OGS ein Sparmodell. Verglichen mit den früheren Hortgruppen wurden weit über die Hälfte der Kosten eingespart. "Das führt", so die Vorsitzende der GEW-OWL Sabine Unger, "zu nicht erfüllbaren Qualitätsansprüchen und vielen ungeregelten und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen."

Kommentare
@maieuk schrieb am 26.01.2012 18:49 Uhr

Meine Hochachtung haben Du und Deine Kollegen. Ihr macht einen Super Job und wenn ich meinen Sohn sehe, hat sich die Zeit in der OGS mehr als gelohnt.
Nicht aufgeben, die Kids brauchen euch und naja, sei ehrlich, in strahlende Kinderaugen sehen, ist doch etwas schönes.

Also bitte weiter machen :)

Leider fehlt in dem Bericht jede Information darüber, das – viele meiner Kollegen wie ich unter enormen Druck stehen, großer Lautstärke, keiner Ausweichmöglichkeiten (für Mitarbeiter und Kinder), schlechtem oder garkeinem Arbeitsmaterial, wenig Zeit für sinnvolle pädagogische Arbeit.
Unter der im Artikel beschriebenen finanziellen Lage leiden die OGS-Mitarbeiter am meisten, denn es ist nicht nur wenig Geld für Material vorhanden, sondern häufig zu große Gruppen in zu kleinen Räumen, Stress durch den 3-Schicht- Essensbetrieb, aber vor allem eine deutliche Unterbezahlung.
Viele Mitarbeiter bekommen weniger als ein Erziehergehalt, Überstunden werden nicht ausbezahlt und können selten "abgefeiert" werden, die Vorbereitungszeit fehlt oder muss unbezahlt in der Freizeit gemacht werden, Fortbildung oder Weiterbildung werden oft als Minusstunden gerechnet und müssen irgendwie nachgearbeitet werden.
Ja eine unerträgliche Lage.

@ Susanne: Als Politiker müsst ich doch mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um mich um fremde Panzen zu kümmern, geschweige denn mich für diese einzusetzen. Haben die Eltern dieser Kinder ein Ferienhaus in der Toscana oder auf Mallorca? Da setze ich mich doch lieber für die erfolgreichen Unternehmer und Bänker in unserem Staat ein. Das bringt Reputation und Ruhm.
Sie wissen doch auch, dass eine Hand die andere wäscht. Ich bin doch Politiker. Und noch was: Wenn Mängel in der Gesetzgebung sind die Unternehmen betreffen, was meinen Sie, was dann los ist? Da gibt es richtig Ärger und viel zu tun. Deshalb ist es gradezu eine Lapalie mit der OSG. Glauben Sie wirklich, da kräht in einer Woche noch ein Hahn nach? Wähler, hahaha, können doch nicht ihre Interessen vertreten. So jetzt will ich wieder Politik machen.

Es ist eine Schande, wie wenig Geld für die Versorgung von Kindern locker gemacht wird. Für alles mögliche andere ist Geld da, nur hier wird geknausert.

Lieber wieder mit Milliarden die Banken retten und Schuldensünder in der EU fördern, würde unser sprechender Hosenanzug sagen, die Hände in einer Raute vorn gefaltet. Ich kan gar nicht so viel essen, wie ich k... könnte. Überall reden sie von Rechtsradikalismus aber Kürzungun in allen wichtigen Bereichen bei den Kindern. Kultureinrichtungen schließen und das Geld lieber nach Süden transferieren. So kann man den braunen Häschern seine Kinder auch zuschanzen..
Gerade in der frühkindlichen Bildung, wo Sozialverhalten gelernt wird, muss selbstredend wieder gekürzt werden...
Nur gut, das wir nicht die Gutmenschen-Sozen an der Regierung haben, sonst würde noch mehr Geld in Strömen in defizitäre Länder gepumpt.

Hier verfallen die Schulen, die OGS sind gefährdet, Unterricht fällt aus, weil kein Geld da ist..

Hier hilft nur noch eines: Auswandern, ganz weg aus Europa, bevor uns der ganze Laden (Euro) um die Ohren fliegt.

Liebe Politiker, ich weiß, ihr seid nicht sehr gebildet aber euren verbliebenen Verstand bitte mal einschalten und an unsere Kinder denken..



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