Bielefeld. Die Nachricht über die mögliche Nachfolgerin des scheidenden Polizeipräsidenten Erwin Südfeld sorgte gestern für viel Diskussionsstoff in Bielefeld - und in Recklinghausen. Denn aus der Ruhrgebietsstadt soll die dort amtierende Polizeipräsidentin, Dr. Katharina Giere (54), zum 1. April ins Bielefelder Polizeipräsidium wechseln.
Offiziell bestätigen wollte die wichtige Personalie gestern niemand. Denn erst am Dienstag soll das Landeskabinett in Düsseldorf beschließen, dass die in Bielefeld 1986 promovierte Juristin und ehemalige Abteilungsleiterin Gefahrenabwehr in der Bezirksregierung Arnsberg, ihren Posten wechselt. Dass die Ehefrau des früheren Oberkreisdirektoren des Kreises Minden-Lübbecke, Alfred Giere (SPD), Recklinghausen verlässt, ist aber nach Informationen aus dem Düsseldorfer Landtag beschlossene Sache.
Doch warum verlässt die Chefin der zweitgrößten Polizeibehörde in NRW (knapp 1.600 Beamte für Stadt und Kreis) ihren Posten? Einer der Gründe könnte ein heftiger politischer Streit im Anschluss an die vom Innenministerium initiierte Strukturreform der NRW-Polizeibehörden gewesen sein: Giere hatte nach empfindlichen Personalstreichungen in Recklinghausen das Ziel verfolgt, mehr Polizeibeamte auf die Straße - also in die Streifenwagen - zu bekommen.
Dafür seien 2010 einige Wachen im Kreis vom 24-Stunden-Betrieb auf Tagesbetrieb umgestellt worden, teilweise wurden die Öffnungszeiten reduziert. Mit der Maßnahme löste Giere offensichtlich Angst bei den Bürgern aus, in den betroffenen Bereichen nicht mehr sicher zu sein. Die Polizeigewerkschaften sprachen vom Verlust der Bürgernähe.
Die Recklinghäuser Zeitung berichtete, dass der Kamenerin aber vor allem angelastet wurde, dass sie diese Entscheidungen getroffen hatte, ohne die Politik mit einzubeziehen. Aufforderungen zum Gespräch beantwortete sie per Post: "Eine Begleitung der polizeilichen Arbeit durch die kommunalen politischen Gremien ist nicht vorgesehen."
Es hagelte Protestbriefe - sogar von Bürgermeistern aus dem Kreis. Selbst in der SPD, der Giere angehören soll, wurde vehement ihre Versetzung gefordert. Von einem "harschen Ton" und der "Politik der kalten Schulter" im Umgang mit der Lokalpolitik war zu lesen.
In der Lokalredaktion der Recklinghäuser Zeitung sprach man gestern von einer sehr verschlossenen Polizeipräsidentin, die wenig umgänglich sei.
Doch zuletzt hatten sich die Wogen um Giere geglättet. Der damalige Innenminister Fritz Behrens (SPD) beschrieb sie 2005 zum Amtsantritt in Recklinghausen als "zupackend und äußerst fachkundig". Sie sei zielstrebig und bringe hohe soziale Kompetenz mit.