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10.02.2012
BIELEFELD
Ungeklärte Finanz-Politik bei der Bielefelder Tafel
Warum kaufte der Verein eine Immobilie für 299.000 Euro? / Lieferanten springen ab
VON ANSGAR MÖNTER

Unter Beschuss

Bielefeld. Der Stress um die Bielefelder Tafel geht weiter: Eine friedliche Beilegung des Konflikts um Tafel-Leiterin Rosetraut Kirse ist nach dem Mediationsgespräch unter Leitung von Sozialpfarrer Matthias Blomeier nicht in Sicht. "Es wurde kontrovers diskutiert, aber es ist nicht viel Neues herausgekommen", berichtet Blomeier.

Sauer stößt nach wie vor auf, dass Kirse ihre Kritiker, die vom verletzenden und verachtenden Ton ihrerseits sowie von verdorbener Ware und regelwidrigem Verkauf von Spenden berichten, als Lügner bezichtigt, "obwohl das hunderte von Kunden bestätigen", wie Barbara Beckmann, Landesbeauftragte der Tafeln, empört anmerkt. Beckmann will grundlegende Veränderungen. Mit der Vorsitzenden sei das nicht mehr möglich. Sollten sich die zahlreichen Vorwürfe als "justiziabel" herausstellen, werde der Tafel-Status aberkannt.

Das könnte zu großen Problemen bei dem Verein führen, der nach Recherchen der Lokalredaktion seit dem 12. März 2009 Besitzer der Immobilie Rabenhof 22 ist. Für das fast 2.500 Quadratmeter große ehemalige Fabrikgelände wurden 299.000 Euro fällig. Die Eigentumsvormerkung datiert auf den 11. Juni 2008. Wenige Monate zuvor war die Vereinsatzung geändert worden. Der Vorstand erhielt praktisch absolute Macht. Er bestand aus Rosetraut Kirse und Heinz-Dieter Kirse, Ehemann der Vorsitzenden und Schatzmeister der Tafel, sowie einer dritten Person, die danach aus dem Vorstand ausschied.

Vorsitzende will sich nicht mehr äußern

Von der Kaufsumme wurden 119.000 Euro bezahlt, der Rest finanziert. Monatlich muss der gemeinnützige Verein angeblich 10.000 Euro an Verbindlichkeiten bedienen. Warum die Bielefelder Tafel die Immobilie gekauft hat, bleibt ungeklärt. "Die, die Eigentum haben von den über 880 Tafeln in Deutschland, haben sie gespendet oder gestiftet bekommen", sagt Beckmann verwundert. Für Aufklärung kann oder will der zweite Vorsitzende Bernd Seidner nicht sorgen. Er sagt nur: "50.000 Euro der Summe gab es als Spende aus dem Steuerhinterziehungsprozess gegen Zumwinkel." Und: "Es gibt doch die Möglichkeit, Eigentum zu erwerben." Die Vorsitzende Kirse sagt, sie sage gar nichts mehr.

Ein gemeinnütziger Verein darf nur Geld erwirtschaften, wenn eigens dafür ein Zweckbetrieb gegründet wird. "Das kann unter dem Dach des Vereins geschehen", erklärt Notar Hans Bubenzer, Experte für Vereinsrecht. Werden die Bücher nicht getrennt geführt, sei keine Gemeinnützigkeit gegeben. Das ist bei der Tafel wohl nicht geschehen. Denn Seidner sagt: "Das stimmt nicht."

Weil laut Tafel-Grundsätzen der Verkauf von Gespendetem für Gewinne verboten ist, gerät der Bielefelder Verein unter Druck. Hinzu kommt, dass wegen der Querelen mehrere Handelsketten als Lieferanten abgesprungen sein sollen, Seidner bestätigt nur REWE. Der zweite Vorsitzende kündigt an, dass die Mitgliederversammlung der Tafel, am 22. Februar angesetzt, um eine Woche verschoben wird. Bis dahin soll Ruhe herrschen – und dann werde sich was verändern.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Hallo, durch Infos die ich am Samstag beim warten bei der tafel in Jöllenbeck bekommen habe, hab ich mir mal die berichte der Vergangenheit hier durchgelesen und ich bin etwas erschrocken wie die tafel in Verruf gebracht wird, weil im entefekt die bedürftigen die leidtragenden sind, wenn die Sponsoren durch solche Sachen abspringen.

Klar finde ich auch einige Sachen verbesserungswürdig, was die Sache mit gammeligen Lebensmitteln angeht und der verkauf von bestimmten Sachen wie Süßigkeiten, Mineralwasser und Kaffee, was aber nur am Rabenhof zu bekommen ist und in den anderen Verteilerstellen davon nichts ankommt. Ich selber war am Rabenhof und habe dort die Hilfe in Anspruch genommen, bis ich umgezogen bin und die Hälfte was in den Tüten war konnte ich weg schmeißen, weil ich es meinem Kind nicht zumuten wollte schlechte Sachen zum essen anzubieten. In Jöllenbeck hingegen werden schlechte Sachen erst gar nicht eingepackt, sondern vor dem verteilen schon aussortiert. Ich bin auch den Helfern und Helferinnen sowie den Sponsoren der tafel sehr dankbar für ihren Einsatz, aber bevor noch mehr Sponsoren abspringen, sollte der Vorstand seine Konsequenzen daraus ziehen und wenn dies bedeutet das jemand gehen muss, auch dieses dann umzusetzen aber bitte denkt ein bisschen an diejenigen die auf die Hilfe der tafel angewiesen sind und nicht immer nur bestimmte Vorteile für einzelne Personen.

Sabine, wie schön Du das wieder geschrieben hast, einfach bewundernswert

@Bielefelder: So einfach darf man es sich nicht machen. Es kann sein, dass sich in heutigen Zeiten kein anderer Kassenführer finden konnte und die anderen Vorstandsmitglieder nicht bereit waren, sich regelmäßig in Entscheidungen einbeziehen zu lassen. Viele Vereine leiden darunter, dass zwar alle alles besser wissen, auf übelstem Niveau rummeckern und anprangern, aber nicht mithelfen und schon gar keine Ämter übernehmen.

Nur die Zahlen sind aussagekräftig. Sollte es hier halbwegs seriös zugehen, hätte der Verein kein Problem, Transparenz bei den Zahlen zu zeigen. Er könnte zudem mit anderen Tafeln verglichen werden. Darauf sollte sich die Diskussion beschränken.

Empfehlenswert wäre eine Anfrage, ob Gäste bei der nächsten Vorstandssitzung, bei der neu gewählt werden soll, zugelassen werden. Vielleicht findet sich sogar noch jemand, der sich als Außenstehender für das Amt der Kassenführung zur Verfügung stellt.

Auch lohnt sich die Anfrage bei allen Tafeln, ob ein verständiger Gast (Buchhalter, Steuerberater, Betriebswirt) die Zahlen einsehen darf.

Der Vorstand erhielt (hat) praktisch absolute Macht. Er bestand (besteht) aus Rosetraut Kirse und Heinz-Dieter Kirse, Ehemann der Vorsitzenden und Schatzmeister der Tafel!
Da erübrigt sich eigentlich der Rest!

Sabine, ich danke Dir für Deine Initiative und verbleibe mit Ehrfurcht und Bewunderung



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