Bielefeld. 2014 wird Bielefeld 800 Jahre alt – und soll ein Jahr lang feiern. Oberbürgermeister Pit Clausen und Marketing-Chef Hans-Rudolf Holtkamp haben für die Planung ein zwölfköpfiges Kuratorium ins Leben gerufen, die Politik gab diesem und einer Lenkungsgruppe im Hauptausschuss grünes Licht (Personen: siehe Info-Kasten). Mit Holtkamp sprach NW-Redakteur Kurt Ehmke.
Lassen Sie mich raten: Mit den zwölf Mitgliedern des Kuratoriums haben Sie altersmäßig versucht, die 800 Jahre zu treffen?HANS-RUDOLF HOLTKAMP: (lacht) Was? Na das ist ja mal eine tolle Schlussfolgerung, da bin noch nicht einmal ich bisher drauf gekommen. Nein, nein, wir haben Menschen gesucht und gefunden, die für Bielefeld eine besondere Rolle spielen, die herausragende Funktionen haben – sie bilden wichtige Institutionen ab.
Und diese gesetzte Gruppe soll Lust auf Bielefeld machen – ironisch passt da nur das Motto der Feier "Das gibt’s doch gar nicht" .HOLTKAMP: Sie unterschätzen diese Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Diakonie. Sie sind die Verantwortlichen, sie wählen am Ende die Projekte aus, die es geben soll. Sie alle sind gute Botschafter für Bielefeld.
Sie entscheiden, was läuft.HOLTKAMP: Ja, aber davor sitzt der Lenkungskreis, der Projekte bewertet und auswählt und dem Kuratorium vorschlägt.
Lenkungsgruppe? Klingt auch echt spannend, jung und dynamisch.HOLTKAMP: Wir wollen ein transparentes Beteiligungsverfahren, das geht nicht ohne Gremien – die Lenkungsgruppe sorgt dafür, dass der Laden läuft.
Aber das Kuratorium entscheidet.HOLTKAMP: Ja, es nimmt die letzte Entscheidung für sich in Anspruch. Wir haben ja 92 Projektanträge mit einem Volumen von 2,4 Millionen Euro vor uns liegen, aber nicht so viel Geld.
Ahhh, im Kuratorium sitzen also die Sparkommissare.HOLTKAMP: Nein, der Begriff passt nicht. Sagen wir mal: Das Kuratorium wirkt regelnd. Eine faire Verteilung der Finanzen gehört dazu.
Nichts gegen die einzelnen Personen, aber in Gänze wirkt das nicht wie Ihr Slogan der Feier "unglaublich kreativ, unglaublich natürlich, unglaublich schlau" – sondern eher wie "unglaublich dröge, gewöhnlich und etabliert".HOLTKAMP: Ich sehe das absolut nicht so – das sind alles Menschen mit besonderen Verdiensten, Menschen, die nach vorne gerichtet arbeiten, eben unglaublich engagiert sind. Wahrlich keine Altherrenriege – und auch keine Altdamenriege.
Bielefeld ist so jung, eine Stadt der Familien, der Hochschulen – wo sind denn all die jungen Leute bei Ihnen – wo ist der junge Spitzensportler, wo die junge Türkin, wo der abgefahrene junge Künstler?HOLTKAMP: Das, was Sie einfordern, wird sich in den Projekten ganz klar spiegeln. Genau diese Menschen waren in den Ideentreibhäusern und im Ideenlabor eingebunden. Sie haben ihre Ideen eingebracht. Wir wollen möglichst viele Bielefelder mitnehmen . . .
. . . klingt gut, aber passt nicht zum Kuratorium . . . HOLTKAMP: . . . wir wollen und werden das Profil dieser Stadt abbilden. Wir kaufen ja keine Top-Acts ein, sondern setzen auf kreative Bielefelder Akteure.
Machen Sie doch mal einer 17-Jährigen Lust auf das Jubiläum, dass Ihr Kuratorium da so plant.HOLTKAMP: Wir haben ein breites Spektrum, von den Shademakers über freie Theater bis zum Science Festival, von schrägen Kunstaktionen bis zum Multikultifest, von der Handspinngilde bis zum Campus – unsere Projekte zeigen Vielfalt, sind bunt. Aus allen Stadtbezirken ist was dabei, Details darf ich nicht verraten.
Also, ich bitte Sie.HOLTKAMP: Los, aber nur ohne Antragsteller . . .
Okay.HOLTKAMP: Wie wäre es mit einem satirischen Musikclipvideo bei dem Bielefelder Persönlichkeiten mitsingen . . .
Klingt gut.HOLTKAMP: . . . oder eine Großbuchskulptur . . .
Hmmm.HOLTKAMP: . . . oder rote Wolle, die Bielefeld zum Leben erweckt. Kurz: Auch für Sie wird etwas dabei sein, Herr Ehmke.
Na, dann freue ich mich ja heute schon auf 2014.