Pizza, Schnitzel, Cappuccino: So viel zahlen Gastronomie-Kunden zu Hause und in der Nachbarschaft
Bielefeld. Schnitzel in Bielefeld, Cocktail in Münster: Die Neue Westfälische hat die Gastronomie-Preise in Bielefeld genauer unter die Lupe genommen und mit den Nachbarstädten Paderborn, Osnabrück und Münster verglichen. Das Ergebnis wundert Dehoga-Geschäftsführer Thomas Keitel nicht.
Fünf Kategorien, vier Städte, ein Vergleich: Für den großen NW-Gastronomie-Test suchten wir vor Ort und im Internet nach Lokalen derselben Kategorie. Ein Riesen-Aufwand: Wir haben Speisekarten durchforstet und mit Gastronomen gesprochen. Wir haben in allen vier Städten Korrespondenten los geschickt, sie haben für uns getrunken, gegessen und gemeinsam mit der Neuen Westfälischen die Test-Lokale ausgewählt.
Finden Sie die Preise in der Bielefelder Gastronomie in Ordnung?
Einen Test-Sieger gibt’s nicht, dafür Preisunterschiede von bis zu drei Euro bei einer Pizza.
2,40 Euro kostet ein kleiner Cappuccino im Münsteraner Café "Pain et gâteau", in bester Lage. Im nur 50 Kilometer entfernten Osnabrück zahlt der Gast im "Leysieffer" – ebenfalls bestes Café am Platz – einen Euro mehr. Ein saftiger Preisunterschied. Keitel überrascht der Niedrig-Preis in der Studenten-Hochburg Münster nicht. "Das Angebot ist groß, und die Studenten können nicht viel zahlen, deshalb der Preis." Aber auch in Bielefeld muss man für den kleinen Cappuccino nicht so tief in die Tasche greifen. Der gleiche Preis wie in Münster: 2,40 Euro zahlt der Gast bei Knigge.
Wie viel letztendlich übrig bleibt, mag Keitel nicht beziffern. "Es gibt Städte wie Gelsenkirchen, da ist der Preis noch niedriger. Irgendwann müssen solche Läden schließen." Das Publikum sei in solchen Städten aber auch ein anderes als in Bielefeld.
Den absoluten Dumping-Preis haben wir bei der Pizza ausgemacht.
4 Euro verlangt die Pizzeria "La Mama" in Paderborn für die Standard-Pizza Margherita. Keitel: "Für so einen Preis erhält man oft nichts Gescheites." "La Mama"-Mitarbeiterin Alexa Wendt sieht das anders: "Die Gäste kommen wegen der Preise, dafür sind wir in Paderborn bekannt."
Bielefeld liegt insgesamt im Mittelfeld, teurer als in den Vergleichs-Städten ist in der Leineweberstadt nur die Pizza (7 Euro) und das Bier (3,50 Euro). Schon beim Bier-Vergleich, den die Neue Westfälische im Dezember in den Bundesliga-Stadien der Republik machte, fiel Bielefeld mit hohen Preisen für den Gerstensaft auf.
8,75 Euro müssen die Fans pro Liter in der Schüco-Arena zahlen – in der Allianz-Arena in München waren es mit 8 Euro 75 Cent weniger, in Dortmund, Bremen, Leverkusen und Schalke können die Fans ebenfalls für weniger Geld trinken. Paderborn lag mit 7,50 Euro deutlich unter Bielefeld.
Auch bei unserem Kneipen-Vergleich war das Bier in Paderborn um 70 Cent günstiger als in Bielefeld. Keitel: "Wir sind das Oberzentrum in OWL, die Gastronomie-Szene ist beliebt." Er spricht von einer kaufkräftigen Mittelschicht, die in Bielefeld ausgeht.
In unserem Test war das Bier in Münster sogar um 60 Cent günstiger. Keitel: "Gerade beim Bier drücken die Studenten in Münster den Preis." Er erinnert sich noch an seine Studienzeit in Kiel. "Das Preisniveau lag dort 20 Prozent unter Bielefeld."
Niedrig ist auch der Cocktail-Preis in der Studentenstadt Münster: 5,20 Euro kostet ein Caipirinha im "Cuba Nova", in Paderborn sind es im Lokal "Café & Bar Celona" 7,90 Euro. "Dafür zahlen die Gäste bei uns ab 22.22 Uhr nur den halben Preis", sagt Inhaberin Rebecca John. Bei den Paderborner Studenten komme das an. "Die gehen dann später raus." Auch in Osnabrück gibt es im "PollyEsther’s" ein ähnliches Angebot. 4,50 statt 6,90 Euro kostet der "Caipi" zwischen 18 und 23 Uhr, sagt Inhaber Mesut Ayvaz. Im "Bernstein" in Bielefeld gibt’s keine Happy Hour. Restaurantleiter Marc Micheel: "Der Preis von 6,90 Euro gilt den ganzen Tag über."
Beim Schnitzel-Preis allerdings hat Bielefeld die Nase vorn: Für 7,90 Euro gibt’s im "Alt Bielefeld" ein Schnitzel in Pilzrahmsauce mit Kroketten und Salat – in vergleichbaren Gaststätten in anderen Städten muss der Gast deutlich tiefer in die Tasche greifen.
"Alt-Bielefeld"-Chef Detlef Burkhard weiß: "Wir sind eigentlich zu günstig, aber die Konkurrenz ist groß, gerade mittags." Für ihn bleibe immer noch etwas übrig, an der Qualität werde nicht gespart.