"Es gab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus aus ging, dass alle Welt geschätzt wurde," zitierte der Landtagsabgeordnete Matthi Bolte aus der Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums. Und damit war er nicht nur jahreszeitlich gesehen gleich beim Thema des Infoabends in der Bürgerwache. Zirka 20 Personen waren der Einladung nachgekommen, um mehr über die anstehende Volkszählung zu erfahren.
Josef Schäfer vom IT.NRW (Information und Technik Nordrhein-Westfalen, ehemals Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik) war als einer der beiden Landes-Projektleiter für diesen Abend aus Düsseldorf angereist. Ebenso hatte sich Michael Ebeling vom "Arbeitskreis Zensus11" (
Link) aus Berlin nach Bielefeld bemüht, um Rede und Antwort zu stehen.
Doch was ist überhaupt so schlimm daran, Leute zu zählen?
Vielleicht die Tatsache, dass nur wenige Menschen etwas davon mitbekommen. Nur annähernd zehn Prozent aller Einwohner Deutschlands erhalten einen Fragebogen. Die meisten Daten werden mit den Datensammlungen der Behörden wie Meldeämtern und der Bundesagentur für Arbeit zusammengeführt. Alle sind davon betroffen. "Das schmeckt man nicht, das riecht man nicht," kommentierte Ebeling diese Vorgehensweise. Und diese Abfragen würden teilweise heute schon geschehen, wenn auch anonymisiert, aber mit vereinheitlichter Ordnungsnummer.
Ein echtes Streitgespräch konnte nicht aufkommen, da mit Schäfer ein ausführender Beamter anwesend war und kein Verantwortlicher aus der Politik. Immerhin brachte er die Gründe für die Zählung nahe: "Die amtliche Einwohnerzahl beruht auf den Daten der letzten Zählung im Jahr 1987. Seitdem gab es Fortschreibungsfehler, versehentliche Doppelerfassungen, nicht gemeldete Auswanderungen und vieles mehr." Ob in Deutschland tatsächlich 82 Millionen Menschen lebten, sei anzuzweifeln. Aber von den Zahlen hingen auch Zuweisungen zu den Gemeinden ab. Aktuellere Daten würden hier Gerechtigkeit schaffen.
Neben der Stichprobe bekommen ausnahmslos alle Eigentümer von Wohnraum einen Fragebogen. Darin sollen sie angeben, wieviele Wohnungen sie besitzen und wieviele Personen darin wohnen. Außerdem sollen sie bis zu zwei Personen, die bei ihnen wohnen, namentlich nennen. Damit sollen die Register für Angaben der Haushaltsangehörigen verbessert werden. Was für reichlich Unmut bei den Zuhörenden sorgt.
"Was ist, wenn Organisationen wie WikiLeaks an diese Daten kämen und sie veröffentlichen?" fragte jemand aus dem Publikum aufgrund der derzeit heißdiskutierten Debatte um die Whistleblower-Organistaion. Schäfer war überzeugt, dass solche Datenlecks beim Zensus11 nicht geschehen könnten, da so etwas bei den letzten Erhebungen nie vorgekommen sei.
Sollte jemand unter den zehn Prozent derjenigen gehören, die einen Fragebogen erhalten, herrscht Auskunftspflicht. Verweigern gelte nicht. Dann drohe höchstwahrscheinlich ein Zwangsgeld.
Das Fazit des Abends war: Niemand schien etwas dagegen zu haben, gezählt zu werden. Nur die Verknüpfung mit anderen Registern bereitete vielen Leuten Kopfschmerzen.
Link:
Statistisches Bundesamt - Alle Infos zum Zensus11Arbeitskreis Zenus11
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