Von Morden und der 13. Reihe im Bus
Mitte (rr). "Was uns vereint, ist die Liebe zur gepflegten Kurzhaarfrisur", scherzte Volker Backes in der Bürgerwache. Gemeint war damit das einzige Merkmal – die Glatze –, das die drei lesenden Autoren teilten. Denn die Genres ihrer Geschichten zum Thema "Tatort OWL" unterschieden sich stark.
Bernd Schlipköther hatte sich für seinen Text "Das Malum" einen historisch verbürgten Fall in Minden vorgenommen. Darin schilderte er, wie sich Brüning von Engelingborstel im Jahr 1324 durch Fälschung einer päpstlichen Bulle das Amt des Domprobstes erschlich. Dieses Amt wäre dem Schwindler vorher nicht erreichbar gewesen, da er wegen eines früher begangenen Mordes exkommuniziert war.
Der Bielefelder Historiker Hans-Jörg Kühne füllte die Pausen mit seinem Saxophonspiel auf musikalische Weise, bevor er selbst einen Text vorlas. Aus seinem neu erschienen Band "Schöner Morden in Ostwestfalen" trug er die Geschichte "Essen wie Gott in Bünde" vor. Darin begibt sich Hauptkomissar Thomas Kuss auf die Suche nach einem verschwundenen Kollegen, der in Bünde wohnhaft ist. Statt diesen zu finden, trifft er auf eine alte Klassenkameradin, verabredet sich mit ihr zum Essen und muss feststellen, dass das abendlich genossene Fleisch eine besondere Geschmacksnote enthält.
Volker Backes erzählte die Geschichte von Dominik, der seinen Weg vom Elternhaus in Ehlenbruch zur Schule bestreitet. Dieser Weg muss von Dominik perfekt und nach Plan eingehalten werden. Kann er nicht in der 13. Sitzreihe des Busses sitzen, muss dies mit "Strafrunden" ausgeglichen werden, sonst passiert etwas Schlimmes. Doch ihm gelingt nichts: Heute fahren keine sieben schwarzen Autos an ihm vorbei, er kann keine drei Tischtennisbälle durch die Astgabel schießen. Sein zwanghafter Plan geht nicht auf. Später erfährt er, dass an genau diesem Tag das World Trade Center in New York wegen eines Terroranschlags eingestürzt ist. Backes’ Geschichte endet mit dem Satz: "Da wusste Dominik, was er angerichtet hatte."
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