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04.02.2012
BIELEFELD-MITTE
Reife Leistung
FRANZISKUS-HOSPITAL: 81-Jährige und 79-Jährige engagieren sich als "Grüne Damen" im Klösterchen
VON SAMUEL ACKER

Zuhören und Kraft geben | FOTO: BARBARA FRANKE

Bielefeld. Minzgrün ist die Farbe der Kittel, die Magdalena Günzel und Margot Stratmann im Krankenhaus tragen. So frisch wie die Farbe treten die rüstigen Rentnerinnen auch selbst auf: Sie engagieren sich schon seit über 20 Jahren als "Grüne Damen" im Franziskus-Hospital. "Man muss dafür auch belastbar sein", sagen sie.

Günzel und Stratmann sind mit 22 und 20 Jahren Engagement die dienstältesten der 16 "Grünen Damen", die ehrenamtlich in der "Klösterchen" genannten Klinik Patienten betreuen. "Wir erledigen kleine Botengänge oder stützen Menschen beim Weg über den Flur", erzählt die 81-jährige Günzel. "Vor allem unterhalten wir uns viel mit den Patienten", ergänzt Stratmann, 79 Jahre alt. Die regulären Pflegekräfte hätten dafür oft zu viel zu tun. "Die Leute sind froh, jemandem zum Reden zu haben." Stratmann lächelt: "Das ist ein gutes Gefühl."

Einmal die Woche kommen die zwei Seniorinnen ins Hospital. "Wir profitieren nicht nur vom Engagement der Damen, sondern auch ihrer Lebenserfahrung", sagt Manfred Rydzynski, Pflegedienstleiter. "Viele der Krankenschwestern sind ja eher junge Dinger", sagt Günzel und nickt Stratmann neckisch zu.

Von Schlesien nach Bielefeld

Die zwei Damen kennen sich schon seit über 50 Jahren. Beide kamen 1946 aus Schlesien nach Bielefeld. "Kennengelernt haben wir uns dann im katholischen Frauenkreis in Brake", erzählt Günzel. Sie hat als Zuschneiderin gearbeitet, war über zehn Jahre Vorsitzende des Frauenkreises und zusätzlich als Küsterin tätig.

Über einen Artikel in einer Kirchenzeitung kam sie 1990 zu den "Grünen Damen". "Magdalena hat mir dann erzählt, wie toll es hier ist", erzählt Stratmann. Die Heeperin war fast 20 Jahre lang Kantinenleiterin in der Keksfabrik Stratmann und hat drei Kinder großgezogen. "Im Alter einfach nur rumsitzen, das wollte ich nie." Resolut setzt die fünffache Großmutter mit unzähligen Lachfältchen ihre Kaffeetasse ab.

Immer einfach sei die Arbeit nicht. "Als ich das erste Mal einen Sterbenden begleitet habe, war ich sehr unsicher", erinnert sich Günzel: "Man muss mitfühlen, ohne es ganz nah an sich ranzulassen." "Beim Füttern verschlucken sich Patienten manchmal, das ist schwierig", wirft Stratmann ein. "Ich war am Anfang sehr nervös, ob die Leute überhaupt Hilfe wollen. Aber die Reaktionen sind immer positiv."

Zur Unterstützung der "Grünen Damen" bietet das Klösterchen auch Schulungen im Umgang mit Patienten an.

Hemmschwelle vor der Arbeit im Krankenhaus

Die Frauen wünschen sich von mehr Senioren ein solches Engagement. "Aber gerade was Arbeit in Krankenhäusern angeht, gibt es eine Hemmschwelle bei älteren Menschen", sagt Pflegedienstleiter Rydzynski. "Natürlich wäre es auch toll, wenn mehr junge Leute helfen würden", ergänzt Stratmann. "Aber die haben ja so wenig Zeit."

Zeit nimmt sie sich neben dem Klösterchen auch für ihre Sportgruppe, das Schwimmen und das Kegeln. Bei schönem Wetter radelt sie die 40 Minuten von Heepen zum Krankenhaus. Günzel tritt krankheitsbedingt beim Sport kürzer. "Das Gehör lässt auch etwas nach", seufzt sie. Sie verbringt viel Zeit mit ihren zwei Söhnen und drei Enkelkindern.

"Die Gesellschaft wird immer älter, da brauchen wir das Engagement von Senioren", sagt Manfred Rydzynski. "So viel Elan und Ausdauer, wie die zwei Damen hier haben, nicht zu nutzen, wäre eine unglaubliche Verschwendung."

• Wer bei den "Grünen Damen" mitmachen möchte, kann sich an die Leiterin des Projekts, Ingrid Glastetter, wenden: Tel. (0 5206) 59 11. Auch Männer und junge Menschen seien herzlich willkommen.

Ursprünge in den USA

Das Konzept der "Grünen Damen" hat seine Ursprünge in den USA. Dort arbeiteten die ehrenamtlichen Seniorinnen allerdings in rosafarbenen Kitteln in den Krankenhäusern.

Die Ehefrau des ehemaligen Außenministers Gerhard Schröder – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ex-Bundeskanzler – brachte die Hilfsinitiative vor über 50 Jahren dann als "Grüne Damen" nach Deutschland. Am Franziskus-Hospital gibt es das Projekt seit 1979.



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