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15.12.2010
BIELEFELD-MITTE
Unterwegs mit "Kurz Um"
LEBEN IM WESTEN: Den Handwerkern unter die Arme greifen - oder von der Arbeit abhalten
VON ROUVEN RIDDER

Wer schon häufiger im Westen spazieren gegangen ist, dem sind bestimmt die Autos mit der Aufschrift "Kurz Um" aufgefallen. Die Handwerksbetriebe aus dem Viertel haben in der Friedrichstraße ihre Zentrale. Von dort bekommen alle Reperaturnotleidenden alles  Handwerkliche geboten, egal, ob in den Bereichen Heizung und Sanitär, Tischlerei, dem Malerbetrieb oder von den Umzugshelfern.

Das Besondere an diesem Betrieb ist: Es ist ein gemeinnütziger Verein. Von den zur Zeit 70 bis 80 Mitarbeitern sind die Hälfte Auszubildende, Teilnehmer von Maßnahmen der Arbeitsagentur oder frühere Langzeitarbeitslose. 1983 als reine Umzugshilfe gestartet, hat "Kurz Um" mit seinen inzwischen weiteren Bereichen gute Kontakte zur Wirtschaft geknüpft. So können fast alle Lehrlinge im Anschluss an ihre Ausbildung weitervermittelt werden. Wenn sie nicht im Betrieb bleiben.

Heute wollte ich mir als NW-Westreporter mit eigenen Augen ansehen, ob das funktioniert und mit einem Team von Angestellten morgens mit zu einem Einsatzort gehen. Und dabei ein wenig helfen. Vorab musste ich mir natürlich selbst die Frage stellen: Welchen Bereich soll ich mir aussuchen? Heizung und Sanitär? Da mache ich mit meinen beiden linken Händen womöglich etwas kaputt. Lieber nicht. In der Tischlerei? Dort würde ich ungeschickter Mensch vielleicht mit einer Säge an mir selbst Schaden anrichten.

Umgezogen bin ich erst vor Kurzem, das musste ich mir also nicht schon wieder so früh antun. Also wählte ich den Malerbetrieb. Und heute morgen ging ich dann zu der Kundenadresse, die mir gegeben wurde und traf auf die Malermannschaft von Friedrich Görz. Die anstehenden Malerarbeiten waren die letzten, die im Dachgeschoss des Hauses getätigt werden mussten. Zuvor waren die Tischler vor Ort, die dem Dach eine neue Isolierung verpasst hatten.

"Nur noch streichen? Kein Problem", dachte ich und sorgte zunächst für etwas Belustigung, weil ich mir den Einweg-Overall, den ich von meinem letzten Umzug noch übrig hatte, anzog. Görz stoppte mich dann auch in meinem Übereifer, in dem ich bald mit der großen Rolle auf die Wände losging. Er drückte mir stattdessen eine kleine Heizkörperrolle (bei den Malern "Mäuschen" genannt) in die Hand und einen Pinsel. Mit beidem sollte ich erst einmal die Ecken überstreichen und die Nähte der Tapeten. "Die Nähte fühlen", nannte Görz das, als er es mir zeigte.

Friedrich Görz ist ein Beispiel für die gelungene Ausbildung und Weiterbeschäftigung bei "Kurz Um". Der 25-jährige ist gleich im Betrieb geblieben und schon seit drei Jahren Geselle.

Nachdem wir mit den Ecken und Nähten fertig waren, schnappte ich mir wieder die große Rolle und tunkte sie in den Eimer mit weißer Farbe. Gekleckert habe ich dabei selbstverständlich auch nicht wenig.

"Das Zurollen ist aber die geringste Arbeit", erklärte mir Görz und meinte das großflächige Bemalen der Wand mit der Rolle. Dabei sprach er das für mich neue Wort "Zurollen" mit Betonung auf "Zu" aus. Richtig, ich sah, dass die anderen Kollegen nur mit Detailarbeit beschäftigt waren: Ecken auspinseln, mit Folien abkleben, Fugen mit der Acrylpistole abdichten. Ein Profi-Maler braucht also doch noch mehr Geduld als gedacht.

Aber wir wurden dann doch bald mit allen Wänden fertig. Nur noch ein paar Stunden sollte die Farbe trocknen, dann konnten die Tischler wieder rein und sich um den Fußboden kümmern.

Ich hatte mehr Fehler gemacht als erwartet. Vielleicht hätte ich doch einfach nur bei den Umzugshelfern schleppen sollen, das wäre bestimmt einfacher gewesen.

"Oh nein, sagen Sie das nicht", hätte mir dann bestimmt die "Kurz Um"-Geschäftsführerin Anke Schmidt entgegnet. Denn ich bekam von ihr zu hören: "Das ist mittlerweile ein sehr anspruchsvoller und anerkannter Handwerksberuf." Und dieser Beruf nennt sich dann auch tatsächlich 'Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice'. Weil sie nicht einfach nur Möbel schleppen, sondern auch sämtliche Anschlüsse herstellen wie Starkstrom oder Zu- und Abwasser in der Küche.

Und ich sah es ein: Am Besten ist es, wenn ich nichts mehr mit meinen eigenen Händen anfasse.

Link:
www.kurz-um.de

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Kommentare
dankeschön - ein netter Bericht, unter ganzen Körpereinsatz des rasenden Reporters im Westen entstanden :-)


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