Bielefeld. Beethoven im Doppelpack der Schwesterwerke op. 35 und 36 gab es im 4. Saisonkonzert der beliebten "Wiener Klassik" in der Oetkerhalle zu hören.
Bei der gemeinsamen Uraufführung 1803 hatte sich der 2. Sinfonie D-Dur und dem 3. Klavierkonzert c-Moll noch – was für ein erschlagendes Konzertprogramm – das ebenfalls neue "Christus am Ölberg"-Oratorium beigesellt. Die Sinfonie des jungen Feuerkopfs verstörte reichlich. Was damals als "übertriebenes Streben nach Neuem und Auffallendem, überkünstlich, allzu bizarr, grell, wild" galt, wurde bald klassisch.
"Wiener Klassik"-Routinier Heribert Beissel und seine Klassische Philharmonische Bonn sind nicht gerade als junge Wilde bekannt. Doch sie haben all die neuen, aufrührerischen Elemente mustergültig herausgearbeitet und in Klang gesetzt und hatten musikalisch überhaupt einen besonders guten Abend.
Straff befeuerter Schwung
Die abrupten, extremen dynamischen Wechsel und aberwitzigen Sforzati-Akzente (Scherzo-Thema!), mit denen die Partitur übersät ist, waren in ein einnehmend warm tönendes, dennoch licht gehaltenes Satzbild eingelassen. Vom intensiven Aufriss der langsamen Einleitung bis zum Rausschmeißer-Sturmlauf des kapriziösen Finales wurde klang-, form- und zielbewusst mit viel und straff befeuertem Schwung aufgespielt.
Und das betont fließend genommene Larghetto ließ seine unermüdliche reiche Sanglichkeit gebührend behaglich, aber nicht behäbig hören. Eine wirklich attraktive Wiedergabe.
In jeder Klang-Hinsicht erfüllt auch die sinfonisch-dialogische Rolle, die das Orchester im 3. Klavierkonzert mit seinen neuartigen Lösungen des großformatigen Exponierens und Aneinanderbindens der beiden Klangkörper spielt. Hier war mit Dudana Mazmanishvili einmal mehr eine fabelhafte junge Solistin aufgeboten. Hervorragende Technik und Musikalität sind das Rüstzeug eines Beethoven-Zugriffs, der sich durch überlegene Selbstverständlichkeit auszeichnet.
Klangzauber und funkelnde Virtuosität
Nichts Aufgedonnertes im schönen Ernst des c-Moll-Brios (mit gehaltvoller Kadenz), nichts Unverbindliches im Rondo-Treiben; und ihr E-Dur-Largo-Gesang bestach gleichermaßen durch Natürlichkeit und Tiefe des Phrasierens wie als Quell stets organischer Ornamentik. Chopins Fis-Dur-Barcarole als Zugabe überzog die Georgierin mit dem Klangzauber einer wie geträumten, magisch funkelnden Virtuosität. Das Publikum war fasziniert und die Jung-Künstlerin in der Pause auch CD-Autogramme gebend gefragt.
Zum Konzertauftakt hatte sich in Mendelssohns "Hebriden-Ouvertüre" klangschön das Natur-Bild wohlig durchströmter Weite eingestellt. Zum Ausgang gab das Orchester noch eine ausgefeilte noble Chanson des irgendwie "viktorianisch" verkannten, von Heribert Beissel hoch geschätzten Spätromantikers Edward Elgar mit.
stehenden Code hier ein*: