Bielefeld. Wenn die Ohren Augen machen. So könnte man den Beginn des Konzertes der Jungen Sinfoniker in der Oetkerhalle umschreiben. Denn mit Claude Debussy und seinen "Trois nocturnes" erklingt Musik, die eng verbunden ist mit der Malerei des zu seiner Zeit sich ausprägenden Impressionismus. Zudem stehen das Flötenkonzert Carl Reineckes sowie die erste Sinfonie von Jean Sibelius auf dem Programm.
Solistin des Abends ist die gebürtige Lemgoerin Verena Beatrix Schulte, mehrfache Preisträgerin beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" und seit 2011 Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung. Sie kann vor allem im virtuosen dritten Satz des Konzerts – hier erreicht auch das Ensemblespiel seinen Höhepunkt – unterstreichen, dass ihr gefördertes Talent einen vielversprechenden Weg nimmt. Hier weiß sie sich mit Reineckes technischen Kabinettstückchen, Läufen und Trillern in Szene zu setzen. Als würde sie sagen: Ich will doch nur spielen, lässt sie hingegen im wehmütigen zweiten, langsamen Satz ihren kantablen, nun volleren Ton aufblühen und frei erzählen.
Sportliches Tempo
Das Publikum im halbvollen Saal lässt sie allerdings nicht ohne Zugabe gehen. Und so wartet mit der "Badinerie" aus Bachs h-Moll-Orchestersuite ein besonderes Flöten-Schmankerl. Schulte scheint es allerdings nicht abwarten zu können: Sie legt ein äußerst "sportliches" Tempo vor, dem die Streicher nur allmählich hinterherkommen.
Das Intro des Abends ist allerdings von ganz anderer Natur: Hier bietet Debussy Eindrücke und leuchtende Effekte, um seine "Nocturnes" ins rechte Licht zu rücken. Gespielt werden nur die ersten beiden Sätze (die für den letzten Satz erforderlichen "Sirenen" des Frauenchores wollte man sich dann doch sparen). Mit "Nuages" ("Wolken") erklingt eine grau getönte Nachtmusik, bei der die Holzbläser wie sanftes Mondlicht durch den wolkenverhangenen Himmel hindurch schimmern, während die Streicher und die grummelnde Pauke eine melancholische bis mysteriös-düstere Grundstimmung verbreiten – beachtlich umgesetzt von den jungen Musikern.
"Fêtes" ("Feste") hält, was es verspricht: Hier kommt das Orchester in Wallung, bewegt sich mit tänzelnden Rhythmen, lässt grelle Lichter aufflammen und die spukhafte Vision einer Prozession vorüberziehen. Eine klangtechnische wie affektive Herausforderung, die mitunter beeindruckend gelingt.
Ähnliches gilt sicherlich für die Sibelius-Sinfonie. Was stellenweise an Tschaikowsky erinnert, scheint dennoch wesentlich zerrissener in seiner inneren Verbindung der Motive und Sätze. Das macht sich auch innerhalb der Wiedergabe durch die Jungen Sinfoniker bemerkbar, die diesmal kleinere Besetzung tut da ihr Übriges.
Humorige Zugabe
Immer wieder schälen sich elegische Melodien aus der sperrigen Partitur heraus, die dem ersten Cellisten, der Soloklarinette, den weiteren Holz- sowie den glänzend aufgelegten Blechbläsern Gelegenheit geben, sich zu präsentieren. Ob des recht schroffen Kompositionsstils Sibelius’ kommt eine unbeschwert humorige Zugabe gerade recht: Als stolpere Opa Hoppenstedt höchstpersönlich über die Bühne, lassen Norbert Koop und seine "jungen Wilden" mit Manuel Munzlingers "kraweel, kraweel...!" (aus der Orchestersuite nach Loriot) den Unterhaltungs- und Spaßfaktor nicht zu kurz kommen.
Das Publikum fühlt sich bestens bedient und spendet langanhaltenden Beifall.
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