UNI/FH: Universitätsbibliothek führt Buchsicherungsanlage ein / Ausleihe am Terminal
Bielefeld. Die Firma "Bibliotheca" aus der Schweiz hat bisher gut 1.000 Bibliotheken als Kunden, darunter die Stadtbibliothek Bielefeld und die Fachhochschule Bielefeld. Den weitaus größten Abnehmer für ihr IT-gestütztes Buchsicherungssystem hat sie jetzt ebenfalls in Bielefeld mit der Universitätsbibliothek. Gestern ist die Anlage in Betrieb genommen worden. Uni, Bibliothek und Studenten versprechen sich davon mehrere Vorteile.
Eigentlich wollte Uni-Kanzler Hans-Jürgen Simm als Erster ein Buch an einem der vier Terminals symbolisch ausleihen. Doch eine Studentin kam ihm zuvor, die wie selbstverständlich ihr Exemplar scannen ließ. Ihr war diese Technik offensichtlich vertraut. Der Akt geht schnell, dauert nur Sekunden. "Eine deutliche Serviceverbesserung", sagt Dr. Michael Höppner, Leiter der Universitätsbibliothek. "Bereits verbuchte Medien müssen beim Rein- und Rausgehen nicht erneut vorgezeigt werden", ergänzt Kanzler Simm.
Das entlastet die Bibliotheksmitarbeiter, die an den Ein- und Ausgängen sitzen. Die werden jetzt aber nicht überflüssig und entlassen, versichert Simm. "Sie werden für qualifiziertere Aufgaben wie Beratung gebraucht."
2,2 Millionen Bücher im Wert von 17,65 Millionen Euro
2,2 Millionen Bücher stehen in der Universitätsbibliothek. Ihr Wert wird laut Kanzler auf 17,65 Millionen Euro taxiert. "Das ist ein Schatz, der bewahrt werden und zugänglich bleiben muss." Deswegen haben Rektorat und Bibliothek 800.000 Euro zusammengespart, um sich die Buchsicherungsanlage leisten zu können. Wie ihre Bezeichnung verrät, verbessert sie nämlich nicht nur den Service für die täglich mehr als 5.000 Nutzer, sondern sie sichert auch den Bestand. An den Ausgängen befinden sich nun Schleusen, ähnlich wie in Kaufhäusern. Sollte ein Student mal vergessen, ein ausgeliehenes Buch registrieren zu lassen, leuchtet diese auf und gibt einen Signalton.
Der Einstecken von Büchern, also Diebstahl, ist in der Unibibliothek allerdings ein bisher kaum registriertes Ärgernis. Die Leitung weiß nicht einmal, ob oder wie viele Bücher bisher verschwunden sind. "Das ist kein wirkliches Problem", sagt Barbara Knorn, Dezernentin für Bibliotheksbenutzung. Es gebe höchstens Studenten, die etwas vergesslich seien bei der Ausleihe. Genaueres über Lücken im Bestand liefert das System in Kürze. Denn es erleichtert die Revisionsarbeit. "Wir planen, den Ordnungsstand in unseren Bücherregalen erkennbar zu verbessern", kündigt Bibliotheksleiter Höppner an. Falsch eingestellte Bücher können nämlich bald mit einem Handscanner leichter als bisher identifiziert und dann an ihren richtigen Platz gestellt werden.
Lesezeichen und elektromagnetische Wellen
Die Buchsicherungsanlage basiert auf der so genannten RIFD-Technik. Die Abkürzung steht für "radio-frequency identification", was übersetzt so viel heißt wie Identifizierung durch elektromagnetische Wellen. Damit das IT-System funktioniert, musste vorher eine gigantische Arbeit mit der Hand erledigt werden. Dutzende von Studenten sowie Mitarbeiter der Bibliothek und der Schweizer Herstellerfirma Bibliotheca kümmerten sich darum, das die über zwei Millionen Bücher mit den nötigen Etiketten beschriftet und beklebt wurden. "40.000 bis 50.000 Bücher pro Tag haben wir geschafft", berichtet Dirk Schagen von Bibliotheca. Jedes Buch hatten die Helfer in der Hand – und Unmengen an Lesezeichen haben sie dabei aus den Exemplaren gefischt.
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