Bünde/Hiddenhausen. Sanitäter eilen mit Tragen aus mehreren Rettungswagen herbei, Notärzte schleppen medizinische Geräte, auf der gesperrten Fahrbahn landet der Rettungshubschrauber "Christoph 13": Ein schwerer Unfall auf der A30 nahe der Anschlussstelle Bünde/Hiddenhausen hat am Samstagnachmittag für einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst gesorgt.
"Als wir ankamen, sah es hier aus wie auf einem Schlachtfeld: Drei zerstörte Autos, überall Glassplitter, die Fahrbahn übersät mit Trümmerteilen", beschreibt ein Feuerwehrmann die Szenerie auf der Autobahn. "Da bleibt einem erst mal das Herz stehen." Doch er und seine 14 Kollegen der Hauptamtlichen Wache und der Löschgruppe Ahle konnten zumindest leicht durchatmen. Keiner der insgesamt vier Fahrzeuginsassen war eingeklemmt, Rettungsschere und Hydraulikspreizer blieben in den Feuerwehrautos. Sanitäter und Notärzte dagegen hatten mit der Erstversorgung der Verunglückten alle Hände voll zu tun.
Jede Sekunde entschied über Leben oder Tod. Über die genauen Verletzungen der einzelnen Personen mochte sich zu diesem Zeitpunkt allerdings niemand äußern. Ein Polizeibeamter: "Alle Insassen dürften schwere bis lebensgefährliche Verletzungen erlitten haben." Eine 26-Jährige aus Enger wurde mit dem Rettungshubschrauber "Christoph 13" in die Bielefelder Spezialklinik Gilead geflogen, die anderen drei Schwerverletzten kamen in umliegende Krankenhäuser.
Der Unfallhergang gab den Beamten zunächst Rätsel auf. "Wir haben hier drei Unfallfahrzeuge, keine Zeugen und nur wenige Anhaltspunkte", erklärte ein Beamter der Autobahnpolizei gegenüber der NW. Weil sich der Unfallort über eine Länge von rund 400 Metern erstreckte und die Spuren vom Boden aus nur schwer zu sichern waren, forderten die Beamten Luftunterstützung aus Düsseldorf an.
Eine Stunde später kreiste der Polizeihubschrauber "Hummel 6" über dem Unglücksort, fertigte Luftbilder an und gab schließlich Aufschluss über den Hergang. Demnach hat sich der Unfall so ereignet: Eine 26-jährige Opel-Fahrerin aus Enger ist an der Anschlussstelle Hiddenhausen auf die A 30 gefahren. Im Bereich des Beschleunigungsstreifens hat sie aus noch ungeklärter Ursache die Kontrolle über ihren mintgrünen Kleinwagen verloren. Der Corsa drehte sich und schleuderte auf die rechte Fahrbahn der zweispurigen Autobahn. Eine 19-jährige Nissan-Fahrerin aus Herford erkannte die Situation offenbar zu spät und kollidierte mit dem Opel.
Durch die gewaltige Wucht des Aufpralls wurde der Corsa gegen die Mittelschutzplanke geschleudert. Auf dem linken Fahrstreifen kam es schließlich zu einer weiteren Kollision. Eine 61-jährige Löhnerin erfasste mit ihrem Opel-Astra den bereits stark lädierten Kleinwagen der vermeintlichen Unfallverursacherin und schleuderte diesen abermals rund 80 Meter über die Fahrbahn.
Für die Dauer der Rettungsarbeiten und der umfangreichen Beweissicherung wurde die A30 in Richtung Bad Oeynhausen für rund vier Stunden voll gesperrt. Es bildete sich ein Rückstau in einer Länge von rund drei Kilometern. Den Sachschaden beziffert die Polizei mit etwa 10.000 Euro.