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29.06.2009
Für doppelte Staatsbürgerschaft
Verein International lud Bürgermeisterkandidaten zu Gesprächsrunde ein / Brisante Themen
VON INGA HUSEMANN

Im Gespräch | FOTO: I. HUSEMANN

Bünde. "Welche Aufgabe hat der Mensch", fragt sich Mehmet Ali Ölmez aus Bielefeld. Der Sozialpädagoge arbeitet derzeit im Migrationsbereich des Deutschen Roten Kreuzes und kennt die Probleme von Migranten in Deutschland. Zusammen mit den Bürgermeisterkandidaten der Stadt Bünde wurde er am Samstag von den Vorsitzenden des Vereins International Bünde, All Karaten und Georg Walter, zu einer Gesprächsrunde zum Thema Integrationspolitik ins Internationale Begegnungszentrum in Spradow eingeladen.

Die Bewerber sollten sich mit Fragestellungen zur doppelten Staatsbürgerschaft, zum kommunalen Wahlrecht und zur Bildung auseinandersetzen und waren sich in allen Punkten einig. Die vier anwesenden Kandidaten plädierten alle für eine doppelte Staatsbürgerschaft. "Man sollte sie generell zulassen. Jeder hat das Recht auf Wahrung seines kulturellen Hintergrundes", so FDP-Kandidat Martin Lohrie.

Allerdings stellte er Bedingungen: "Die Werte des Landes müssen beachtet und die Sprache soll beherrscht werden." Auch Horst Beck (SPD) ist gegen das Optionsprinzip, nach dem sich Migranten ab der Volljährigkeit für eine Staatsbürgerschaft entscheiden müssen. "Wir sollten uns fragen, wie diese Situation für uns selbst wäre." Elmar Holstiege (Die Grünen) schließt sich an: "Es sei unnötig, die doppelte Staatsangehörigkeit zu tabuisieren". Und der Sozialarbeiter Achim Wulkow (Die Linke) sieht die doppelte Staatsangehörigkeit sogar für viele als "lebensnotwendig" an. "Ich bin seit 20 Jahren dafür", so Wulkow.

Auch beim kommunalen Wahlrecht für Menschen mit Migrationshintergrund waren sich die Politiker einig. So würde laut Beck "der Himmel schon nicht zusammenbrechen", wenn man das Wahlrecht auf alle Migranten ausdehnte. Auch Holstiege plädiert für "gleiches Recht für alle", da die Integration viele Vorteile bringen würde. Als "normalen menschlichen Anspruch" beschreibt Wulkow das Wahlrecht.

Noch viel mehr tun müsse man laut Lohrie im Bereich Bildung. Mehr Sprachkurse und ein gutes "Konzept für Integration" seien für das Einwanderungsland Deutschland unabdingbar. "Die Gesellschaft muss intensiv arbeiten, um die Situation zu verbessern", so Lohrie. Für Beck werden die Grundlagen zur Integration in eine Gesellschaft durch Bildung geschaffen. Er wünscht sich eine Verbesserung in Hinblick auf den Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Einrichtung.

Und auch Holstiege sieht hier "großes Bildungspotenzial, das nicht genutzt wird." Aus erster Hand kann Mehmet Ali Ölmez berichten, der sich darüber wundert, dass dieses integrationspolitische Thema seit 20 Jahren diskutiert wird, wo doch das kommunale Wahlrecht "ein Menschenrecht" sei. "Ich will mitbestimmen", so Ölmez. Als mögliches Scheitern der Integration vor allem der Menschen aus der ersten Generation nennt der die Unsicherheit und das gegenseitige Misstrauen: "Über 40 Jahre lang hat man kein Vertrauen aufgebaut.

Man kennt sich immer noch nicht." Auch die schulischen Probleme hält er für schlecht gelöst. "Der Anteil von Migranten an Gymnasien beträgt 6 Prozent. An Hauptschulen ist er sehr viel größer", stellte Ölmez fest. Die Gleichberechtigung sei sehr wichtig.

Auch in der anschließenden Diskussion waren sich alle einig: Bei allen Fragen bezüglich der Integration sollte immer der Mensch im Vordergrund stehen.


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