23-jähriger Audi-Fahrer starb an Unfallstelle / 19-jährige Mitfahrerin erlitt schwerste Verletzungen
Bünde. Die Front des schwarzen Audi A 6 ist durch den Aufprall auf den Alleebaum an der Dünner Straße stark eingedrückt. Feuerwehrleute und Polizeibeamte stehen um das Wrack, in dem am Dienstagabend der 23-jährige Fahrer aus Kirchlengern starb. Es ist der erste tödliche Unfall mit einem jungen Fahrer in diesem Jahr im Kreis Herford .
Ostwestfalen-weit ist es schon der dritte tödliche Zusammenstoß binnen zwei Wochen. Der Bünder Fall: ein sehr wahrscheinlich vermeidbarer Tod. "Nach den ersten Ermittlungsergebnissen war das Opfer nicht angeschnallt", erklärte ein Polizeisprecher. Die 19-jährige Mitfahrerin und der 21-jährige Mitfahrer, die angegurtet waren, wurden bei dem Aufprall schwer verletzt.
Die Ermittler des Verkehrskommissariats gehen auch davon aus, dass der Fahrer viel zu schnell unterwegs war. Eines der eindeutigen Zeichen dafür: Allein die an der Unfallstelle gemessene Bremsspur hat eine Länge von mehr als 60 Metern. "Die Bremsspur deutet auf eine Fahrgeschwindigkeit im hohen dreistelligen Bereich hin", erklärte ein Polizeibeamter vor Ort. Ein Sachverständiger wird nun das Geschehen genauer rekonstruieren.
Nach dem bisherigen Ermittlungsstand hatten sich die Audi-Insassen mit Freunden in einem Schnellrestaurant getroffen. Über die Dünner Straße wollten sie mit ihren drei Autos nach Stift Quernheim fahren. Einer der Wagen fuhr voraus, der 23-Jährige mit seinem Audi folgte. Mit hoher Geschwindigkeit überholte einer der vorausfahrenden Wagen schließlich ein anderes Auto in der Tempo 70-Zone. Der 23-jährige Kirchlengerner wollte ebenfalls überholen, brach den Vorgang aber ab und trat, um nicht aufzufahren, auf die Bremse. Trotz der Vollbremsung war der Audi so schnell, dass er gegen den Baum prallte.
Am Unfallort herrschte Fassungslosigkeit. "Wir haben einen dumpfen Knall gehört und zunächst an eine Explosion gedacht", schildert ein Gast eines naheliegenden Restaurants. "Als wir dann raus sind, haben wir den völlig zerstörten Audi entdeckt - ein schrecklicher Anblick", sagt der Mann. Der Wirt sei sofort zu dem Fahrzeugwrack gelaufen, habe die beiden Mitfahrer befreit und erste Hilfe geleistet. Für den 23-Jährigen kam jede Hilfe zu spät - er war bereits tot. Der 21-jährige Beifahrer wurde leicht verletzt ins Lukas-Krankenhaus transportiert, die 19-jährige noch am Ort des Geschehens in ein künstliches Koma gelegt und mit dem Rettungshubschrauber "Christoph 13" nach Osnabrück geflogen. Ihr Zustand sei "äußerst kritisch", hieß es gestern.
Freunde und Angehörige der Verunglückten fanden sich schnell an der Unfallstelle ein, lagen sich weinend in den Armen und konnten nicht fassen, was wenige Minuten zuvor geschehen war. Immer wieder war die Frage nach dem Warum zu hören. Zwei Notfallseelsorgerinnen kümmerten sich um sie.