Bünde. Die Ferien neigen sich ihrem Ende zu und schon treibt eine Sorge vielen Schulleitern Falten auf die Stirn: Der Lehrermangel. Ein Problem mit Folgen. An der Bünder Gesamtschule werden Mathe-, Physik- und Spanischstunden ausfallen, im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium wird Religion und Politik gekürzt und bei der Realschule Bünde-Mitte wird es bei Mathe, Physik und Französisch eng.
Es ist eine besorgniserregende Rechnung, die die SPD im Land aufstellt: Ihr zufolge ist jede zweite Schule in NRW vom Lehrermangel betroffen. Allein in OWL seien 284 Schulen unterbesetzt. Manuela Morath, Pressesprecherin der Bezirksregierung Detmold, will diese Zahlen nicht kommentieren und sagt auch warum: "Weil ich nicht weiß, woher sie stammen." Sie könne aber sagen, dass nach ihren Informationen derzeit in OWL 148 Stellen unbesetzt sind.
Zahlen sind manchmal wie Namen, nämlich Schall und Rauch. Die Neue Westfälische fragte deshalb die Schulen, ob oder wie dramatisch die Situation ist. Michael Neuhaus, Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums fasst es so zusammen: "In der Summe ist die Situation nicht dramatisch – aber wir kämpfen." Konkret heißt das, dass in einem Jahrgang die Unterrichtsstunden in Religion und in einem anderen in Politik gekürzt werden müssen. Zudem könne Sport nicht regulär erteilt werden, was allerdings an der problematischen Raumsituation liege, so Neuhaus.
Die Schule suche nun vor allem für die Mangelfächer Religion, Politik und Naturwissenschaften neue Lehrkräfte. Der Engpass an Lehrern führe zu einer mangelnden Flexibilität etwa bei Krankheitsvertretung. "Diese können wir nur durch Mehrarbeit auffangen", sagt Neuhaus, der auf die Grenzen der Lehrerbelastbarkeit und auf seine Fürsorgepflicht hinweist. "Das ist eine Gratwanderung", so der Schulleiter.
Sein Kollege Friedhelm Heckemeyer, Leiter der Gesamtschule Bünde, hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. An seiner Schule seien mehrere Stellen noch unbesetzt. "Es ist uns nicht gelungen, diese über Ausschreibungsverfahren zu besetzten", so Heckemeyer. Die Konsequenz gefällt auch ihm nicht. In den Klassen 5 bis 10 werden im kommenden Schuljahr Mathe-, Physik- und Spanischstunden ausfallen. In der Oberstufe dürfe dies mit Hinblick auf die Abiturvorbereitung nicht passieren. "Deshalb mussten wir übergroße Kurse einrichten", sagt der Schulleiter, der sicherheitshalber die Schulaufsicht über diese Notlösungen informiert hat.
Rund 30 Schüler pro Kurs – das ist im nächsten Schuljahr Realität. "Für die Abiturvorbereitung nicht optimal. Aber anders geht es nicht", sagt Heckemeyer. Um zu verhindern, dass zwei Spanisch-Kurse mit 34 Kinder eingerichtet werden, habe sich eine junge Lehrerin bereit erklärt, vier Stunden mehr zu arbeiten. Nun können drei Kurse stattfinden. "Das ist nobel von Lehrern ihren Schülern gegenüber, auf der anderen Seite bedeutet das mehr Stress – und der wird sich bemerkbar machen", sagt Heckemeyer.
An der Realschule Bünde-Mitte wird es in den Fächern Mathe, Französisch und Physik eng. Doch Stunden müssen nicht ausfallen. "Rein Quantitativ sind wir gut besetzt", sagt Schulleiter Horst Selle. So könne auch mal ein fachfremder Lehrer bei Krankheit eines Kollegen aushelfen. Ebenfalls relativ gut aufgestellt sind die Grundschulen im Bünder Land, sagt Ursula Niemeyer vom Kreisschulamt. "Die Lehrerversorgung ist ausgeglichen, alle Stunden finden statt." Allerdings gebe es einen Bedarf an Vertretungslehrern, die bei Mutterschutz oder Krankheit einspringen.