Bünde. Ein kühles "Alster" im Biergarten, der erfrischende Eisbecher im Straßencafé – sommerliche Leckereien, auf die wir "fliegen". Leider auch die Wespen. Massenhaft sind sie jetzt wieder unterwegs und sorgen für Panik auf Terrassen und im Park.
Wespen-Alarm auch bei der Bünder Feuerwehr. Während es in den vergangenen Jahren drei bis vier Wespeneinsätze in der Woche gab, müssen die Einsatzkräfte der Hauptamtlichen Wache derzeitig ein bis zwei Mal täglich ausrücken. Grund: Wegen des warmen Wetters finden die Wespen mehr Futter für die Königin. Die legt mehr Eier, in der Wärme entwickeln sich die Larven schneller.
Folge: Immer mehr Wespen in kürzerer Zeit. "Die papierartigen Nester werden meist in Dachböden, Zwischenwänden, Zwischendecken oder hinter Verschalungen vorgefunden. Wir versuchen die Nester umzusiedeln", erklärt Falk Ueckermann, Chef der Bünder Feuerwache.
Manche der umgesiedelten Nester landen im Garten von Friedhelm Diebrok. Der Vorsitzende der NABU-Gruppe Rödinghausen hat in diesem Sommer drei Nester aufgenommen. Die schwarz-weiß gestreiften Bewohner stören ihn allerdings nicht. "Sie tun mir nichts. Man muss sie einfach nur zufrieden lassen", sagt der Naturschützer.
Diebrock findet es schade, dass die Nester oft so schnell vernichtet werden. "Die Wespen sind ja auch sehr nützlich, da sie Mücken und Fliegen fangen und zur Bestäubung von Blumen beitragen", erklärt er. "Außerdem werden bei der Vernichtung die Königinnen getötet, die als einzige vom Volk überleben." Zum Ende des Sommers sterben die Wespenvölker. "Viele Wespenarten in Deutschland sind jetzt schon tot", so Diebrock.
Davon merkt Martina Criscuolo, Verkaufshilfe in einer Bünder Bäckerei, noch nichts. Gerade ist sie gestochen worden und reicht weiter mutig das Gebäck namens "Pflaumenaugust" über den Thresen. "Seit etwa zwei Wochen ist es mit den Wespen richtig schlimm. Hier muss man schon aufpassen", so Criscuolo. "An heißen Tagen haben wir 60 bis 70 Wespen im Laden." Am beliebtesten seien bei den Insekten Zuckerguss und Pflaumenkuchen.
Das Team des Cafés "Tom Tom Inn" weiß wie man die lästigen Tischgenossen vom Kuchen der Gäste weglockt: "Wir haben draußen Gefäße mit einem Apfelsaft-Biergemisch verteilt", erklärt Afrah Ammo. "Das hilft ganz gut." Für sie und ihre Kollegen stellen die Wespen in diesem Jahr ein großes Problem dar.
Letizia Pacini von der Eisdiele Roma hat gehört, dass Kupfergeld die Wespen fernhalten soll. "Daran glaube ich allerdings nicht so sehr", sagt sie lächelnd. "Ich versuche einfach immer ruhig zu bleiben und bin auch noch nie während der Arbeit gestochen worden."
Weniger Glück dagegen hatten einige Patienten des Bünder Lukas-Krankenhauses, die im Rachenbereich gestochen wurden oder auf Wespenstiche allergisch reagierten. "Wir haben dieses Jahr vermehrt stationäre Aufnahmen dieser Art", erklärt Dr. Bernd Wejda, Chefarzt der Medizinischen Klinik I. "Besonders ab August gibt es eine deutliche Zunahme. Wahrscheinlich wird es mit den Wespen noch mehr werden", prophezeit Wedja. Von einer Plage möchte der Chefarzt dagegen noch nicht sprechen.
Einige Wochen wird man beim Eisgenuss in der Sonne noch aufpassen müssen. Spätestens im Oktober soll es dann aber vorbei sein mit den lästigen Plagegeistern.