WDR setzt seine Serie "Dynastien in NRW" morgen Abend mit Beitrag über Arnold André fort
Bünde. Die Zeiten ändern sich, der Geschmack auch. Im 19. Jahrhundert waren Zigarren das Tabak-Produkt schlechthin. Seit 1933 sorgte ein Nichtraucher namens Adolf Hitler für eine handfeste Krise in der Zigarren-Produktion, dann die 68er-Generation. In Bünde aber gibt es ein Unternehmen, das alle Rückschläge gemeistert hat. Weil die Familie André außerdem bereits in der siebten Generation die Firma lenkt, kann man getrost von einer "Dynastie" sprechen. Und so widmet das WDR-Fernsehen den Andrés morgen, Freitag, ab 20.15 Uhr einen 45-Minuten-Beitrag.
"Die Zigarrenbarone aus Ostwestfalen: Die Familie André" ist das Feature betitelt, für das Karina Voges und Heiko Schäfer verantwortlich zeichnen und dessen Einstieg natürlich jene Marke präsentiert, die der Firma Arnold André zu Größe, Ruhm und bis heute zur Pole-Position in der deutschen Zigarrenindustrie verholfen hat.
"Handelsgold", das war in den 1950er und 1960er Jahren ein Synonym für das Wirtschaftswunder Und das hätte sich Friedrich-Christian André nicht träumen lassen, als er, der Tabakfacharbeiter, sich anno 1817 in Osnabrück als Unternehmer auf die eigenen Beine stellte. Wirklich durchgestartet aber - erfährt man im WDR-Feature - ist die Firma erst mit dem Jahr 1851, als Arnold André, der Enkel des Firmengründers, eine Zigarrenfabrik in Bünde errichtete. Aus ähnlichen Gründen, die heute manches Unternehmen ins Ausland "treibt". Für Arnold André waren damals die niedrigen Löhne der durch die Industrialisierung arbeitslos gewordenen Textilarbeiter, steuerliche Gründe, aber auch die gute Weltmarkt-Anbindung durch die nahe Weser ausschlaggebend für Bünde.
Auf Anhieb erfolgreich, erfährt man es morgen durch den WDR, war Arnold André aber nicht. So war der Vater froh, dass er in einem Kittel eine Münze fand, mit der er die Familie einen weiteren Tag ernähren konnte. Einfallsreichtum zeichnete aber schon die Gründer aus, Arnold André verkaufte die Hälfte seiner Fabrik, um neuen Tabak beschaffen zu können. Und es ging bergauf. 1853 beschäftigte die Firma 130 Arbeiter, 1905 wurde die damals modernste deutsche Zigarrenfabrik gebaut und das Unternehmen bescherte durch seine Zigarrenkisten-Bestellungen auch der Holzindustrie im Kreis Herford einen solchen Aufschwung, dass André Pate gestanden hat bei der Gründung mancher späteren Möbelfabrik.
Womit sich der Kreis schließt, denn Axel-Georg André, heute Chef des Hauses, ist verheiratet mit Kathrin, geb. Siekmann, die einer bekannten Möbelfirma entstammt. Und auch sie fühlt sich der sozialen Tradition verpflichtet, die das Haus André seit nunmehr 192 Jahren pflegt.