Maschinenfabrik Kammann meldet Insolenz an / Umsätze stark rückläufig / Löhne bis zuletzt bezahlt
Bünde. Die Maschinenbaufabrik Werner Kammann GmbH & Co. KG hat am 8. Oktober Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt. Zu dem Schritt habe man sich nach langen und erfolglosen Verhandlungen mit finanzierenden Banken entschlossen, erklärte die Geschäftsführung gestern. Die Löhne und Gehälter für die 260 Mitarbeiter wurden bis zuletzt bezahlt, der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter.
Aufgrund der stark rückläufigen Umsätze und Kredite, die nicht verlängert wurden, sah die Unternehmensleitung keinen anderen Weg, als Insolvenz anzumelden. Wie Geschäftsführer Dr. Christian Maas der NW erläuterte, sei der Umsatz der Musikbranche, für die die Bünder spezielle Druckmaschinen herstellen, weiter rückläufig. Und das UV-Geschäft (u.a. Bedrucken von Glasflaschen) vornehmlich für den amerikanischen Markt habe wegen der globalen Wirtschaftskrise nicht die erhoffte Belebung gebracht. "Die Schere wurde zuletzt so groß, dass das dauerhafte Überleben akut bedroht war."
Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde vom Insolvenzgericht Bielefeld der Herforder Rechtsanwalt Hans-Peter Burghardt bestellt. Er macht sich derzeit ein Bild von der aktuellen Vermögenslage des Unternehmens. Auf einer Belegschaftsversammlung hatte Burghardt den Mitarbeitern bereits am Montag mitgeteilt, dass durch die rechtzeitige Einleitung des Verfahrens beste Voraussetzungen für die nun anstehenden Gespräche über die Zukunft der Firma bestünden. Die Löhne und Gehälter für die nächsten drei Monate seien gesichert.
"Das laufende Geschäft wird ohne Beschränkungen fortgeführt", so die Geschäftsführung. Der gute Ruf des Unternehmens, die Innovationskraft und der moderne Maschinenpark bilden nach übereinstimmender Meinung von Insolvenzverwalter und Geschäftsführung "eine hervorragende Ausgangsbasis zur langfristigen Sicherung der Existenz des Unternehmens." Christian Maas rechnet bis zum Jahresende mit einer Entscheidung.
"Das Damoklesschwert hing schon etwas länger über dem Betrieb", so Peter Kleint, 1. Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Herford, gestern im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. "Ich bin aber optimistisch, dass sich in der Insolvenzphase ein Investor findet."
Mit Investoren hat Kammann bislang allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. Das Unternehmen wurde 2004 aus Familienbesitz an Finanzinvestoren verkauft und ist seitdem mit hohen Schulden belastet. Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die Probleme noch verschärft.
Peter Kleint sieht in dem vorläufigen Insolvenzverfahren den großen Vorteil, dass sich die Firma Kammann aus der Klammer der Banken und des Finanzinvestors löse. Auch er sieht in der hohen Innovationskraft der Beschäftigten und deren Qualifikation eine gute Voraussetzung dafür, dass es bei Kammann weitergehen könnte. "Jetzt werden erst einmal die noch vorhandenen Aufträge mit Hochdruck abgearbeitet", so Kleint. Weitere Entlassungen seien derzeit nicht geplant.