Nachmieter findet mehr als 100 Sendungen, die von privatem Herforder Briefdienstleister nicht zugestellt wurden / Polizei ermittelt
Herford/Bünde. Anstatt die Briefe gewissenhaft an die richtigen Adressen auszuliefern, hat eine Briefzustellerin in ihrem Keller eine eigene kleine "Postfiliale" gegründet. Die Frau hortete dort über einen Monat lang mehr als 100 Briefe.
Die Unterschlagung der Sendungen war aufgeflogen, als Nachmieter Walter van Camp vor wenigen Tagen die ungeöffneten Postsendungen entdeckte. "Gemeinsam mit meiner Nachbarin habe ich den Keller entrümpelt, dabei fiel mir ein verschlossener Karton auf", schildert van Camp den Fund. Der Mitarbeiter eines Bünder Sicherheitsdienstes öffnete den Karton und entdeckte darin die verschlossenen Postsendungen. Nach Angaben des Finders stammen die Briefe aus der Zeit von März bis April 2005 und waren an Firmen, Institute, Geschäfts- und Privatleute im Herforder Stadtgebiet adressiert.
"Ich traute meinen Augen nicht. Vor mir lag ein Berg mit Briefen von Sparkassen, Mobilfunkgesellschaften, Krankenkassen und der Stadtkasse Herford. Welchen Ärger müssen die Empfänger nur am Hals haben, weil sie möglicherweise Rechnungen, Mahnungen und Mahnbescheide nicht rechtzeitig erhalten haben", sagt van Camp, ohne den genauen Inhalt zu kennen. "Ich habe keinen der Briefe geöffnet, daran verbrenne ich mir doch nicht meine Finger", sagt er.
Weil zwischen den Briefen auch ein Zustellerausweis der Post mit dem Namen und der Personalnummer der vermeintlichen Täterin lag, machte sich der 54-Jährige gleich auf den Weg zur Post. Doch dort konnte ihm niemand helfen. "Der Ausweis ist Eigentum der Post. Die Briefe dagegen tragen den Stempel eines privaten Briefdienstleisters, der sich für die Zustellung verantwortlich zeichnet", erklärte ihm eine Mitarbeiterin und schickte van Camp nach Hause. Der recherierte im Internet und stellte schließlich fest, dass es den Zustelldienst in Herford längst nicht mehr gibt. Lediglich in Erfurt wurde er fündig. "Als ich dort anrief, konnte oder wollte jedoch niemand mein Anliegen verstehen", sagt van Camp.
Auch ein Anruf der Neuen Westfälischen blieb ohne Erfolg: "Kein Kommentar", hieß es. Gestern brachte der 54-Jährige die Sendungen im Beisein der NW zur Polizei. Gegen die unzuverlässige Briefbotin wird nun wegen Verletzung des Post- und Briefgeheimnisses ermittelt, teilte Pressesprecher Rainer Koch mit. Nach Abschluss der Ermittlungen sollen die Briefe den Empfängern zugestellt werden - mit viereinhalbjähriger Verspätung.