Gunter Gabriel hat neues Album aufgenommen / Autobiographie über Höhen und Tiefen des Lebens
Bünde. Es ist 35 Jahre her, dass Gunter Gabriel mit "Er ist ein Kerl" seinen ersten Hit landet. Der Erfolg ist gigantisch. Der Sohn eines Schrankenwärters aus Kirchlengern wird über Nacht zum gefeierten Star. Doch der Ruhm hat auch seine Schattenseiten. Gabriel verspekuliert Millionen, seine Ehe scheitert, er flüchtet in Suff- und Drogenexzesse. Mit 67 Jahren meldet sich der "Liederboss" von einst nun mit seinem Album "Sohn aus dem Volk" und der Autobiographie "Wer einmal tief im Keller saß" zurück.
Von einem Comeback mag Günther Caspelherr, so Gabriels bürgerlicher Name, nicht sprechen. "Das ist das falsche Wort. Ich war doch nie ganz von der Bildfläche verschwunden", wird er auf seinem Interview-Marathon quer durch die Republik nicht müde, zu betonen. "Ich bin entgleist, doch ich bin auf dem Gleisbett geblieben, ich bin da nicht umgestürzt." Sein Leben würde er aber so nicht noch einmal leben wollen, sagt der 67-Jährige im Gespräch mit der Neuen Westfälischen.
"Ich habe in der Vergangenheit viel Mist gebaut, vor allem, als ich oben war. Darauf kann ich nicht stolz sein." Doch rappelte er sich immer wieder auf. Ein spektakulärer TV-Auftritt läutet die finanzielle Wende ein. Im Januar 2007 schmiert er in der NDR-Talkshow "Herman & Tietjen" vor laufender Kamera seine Telefonnummer auf einen Zettel. "Ich habe 500.000 Euro Schulden. Für 1.000 Euro trete ich bei meinen Fans zu Hause auf."
Die Wohnzimmer-Tour startet, bis heute hat Gabriel nach eigenen Angaben 450 Auftritte gegeben. "Ich bin halt ein fleißiger Junge, ich hab das Malochen gelernt", sagt der gelernte Rohrverleger, der mit "Sohn aus dem Volk - German Recordings" einen Neuanfang starten will. "Der geilste Deal, der mir bisher gelungen ist", sagt der Wahl-Hamburger über sein neues Album mit Cover-Hits von Peter Fox ("Haus am See"), Ideal ("Blaue Augen"), David Bowie ("Heroes") oder Radiohead ("Creep"). Nächstes Frühjahr will Gabriel auf Tour gehen. Wo er auftreten wird, weiß der 67-Jährige noch nicht. Aber eine Station schließt er bereits kategorisch aus: Bünde. "Dort, wo mir die Leute jahrelang nur in den Arsch getreten haben, will ich nie wieder zurück", ist er sich sicher .
"Ich Träume von Paris, New York und der Welt, aber ganz sicher nicht von Bünde." Gabriel hat große Pläne: "Ein Schiff muss den Hafen verlassen. Und auch mein Schiff wird bald den Hamburger Hafen verlassen. Ich war sechs, sieben Jahre hier, jetzt habe ich einfach die Schnauze voll von Hamburg." Wo seine Reise hinführt, verrät er allerdings nicht. Vielleicht ist es Wien, vielleicht auch Paris.