Bünde. Mehr als 800 Unterschriften hat die Bürgerinitiative zur Wiedereröffnung des Bahnhofes in Ahle schon gesammelt. Und der fast voll besetzte Saal im Gemeindehaus Holsen/Ahle zeigte einmal mehr, wie groß das Interesse in der Bevölkerung an diesem Thema ist. Gibt es eine realistische Chance, dass in Ahle wieder Züge halten? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Informationsveranstaltung, an der auch Bündes Bürgermeister Wolfgang Koch und Sprecher aller Ratsfraktionen teilnahmen.
Ohne die Unterstützung der Stadt und Politik wird die Idee, den Bahnhof Ahle aus dem bald zwei Jahrzehnte dauernden Dornröschenschlaf zu wecken, kaum umzusetzen sein. Das machte Manfred Beermann, einer der Sprecher der Initiative, deutlich. Vor der Diskussion berichtete Norbert Darnauer über die Geschichte des Ahler Bahnhofs.
Die von Achim Wulkow und Alois Stiegler (Die Linke) angeregte Wiedereröffnung des Bahnhofes fand bereits fraktionsübergreifend Resonanz. So beschloss der Haupt- und Finanzausschuss im Juni einstimmig einen Antrag der Grünen, wonach die Verwaltung beauftragt wurde, mit der Deutschen Bahn und dem Verkehrsverbund OWL die Möglichkeiten eines Haltepunktes in Ahle zu klären.
Der wäre attraktiv für die Bürger, verkehrt die Westfalen-Bahn dort doch täglich im Stundentakt von 5 Uhr morgens bis 23.30 Uhr zwischen Bad Bentheim und Bielefeld. Fahrplantechnisch, so Beermann, sei ein Halt in Ahle prinzipiell möglich. Er informierte weiter darüber, dass es Kommunen gebe, wo Eigeninitiativen schon zum Ziel führten. So die Gemeinde Rödinghausen, wo 320.000 Euro in den Bahnhof Bieren investiert worden seien, 107.000 Euro habe die Gemeinde davon selbst finanziert. Die Initiative schätzt den Eigenanteil in Bünde auf rund 200.000 Euro. Vier Jahre Zeit müsse man mindestens einplanen bis zur Umsetzung, glaubt Beermann, der sich auch lange Jahre für den Erhalt der Bahnstrecke Bünde-Bassum eingesetzt hat. Geld, das in den Haltepunkt Ahle investiert wird, sieht die Initiative gut angelegt. "Es kommt den Bürgern zugute." In Ahle und Holsen würden zusammen 5.800 Menschen leben - von dort fließe auch viel Gewerbesteuer nach Bünde.
Bürgermeister Wolfgang Koch, der die Bürgerinitiative grundsätzlich unterstützte, erinnerte an das Antwortschreiben des Verkehrsverbundes OWL, wonach eine Wiedereinrichtung des Haltepunktes mittelfristig nur möglich sei, wenn dafür Mittel eingeplant würden. Der Verbund müsse überzeugt werden, dass ein Bedarf bestehe. Zunächst gehe es darum, die Kosten zu ermitteln.
Die UWG habe beantragt, das Thema auf die Tagesordnung des Planungsausschusses zu setzen. "Das werden wir auch tun." Die Wählergemeinschaft will sich für Ahlestark machen. Sprecher Armin Kuschel: "Es wird aber verdammt schwierig." Zustimmung kam auch vom SPD-Fraktionsprecher und Planungsausschuss-Vorsitzenden Horst Beck: "Der ÖPNV war schon immer ein Lieblingskind der SPD. Es kommt darauf an, dass künftige Nutzer althergebrachte Gewohnheiten ablegen." Gunthild Stuke (CDU), Ahlerin, will sich wie Beck im Ausschuss aktiv für den Bahnhof einsetzen. Dr. Elmar Holstiege (Die Grünen) sieht auf Dauer keine Zukunft für den Individualverkehr. Wenn der Haltepunkt komme, müsse er aber auch rege genutzt werden. Der Bus sei bislang keine gute Alternative. Für Martin Lohrie, FDP-Sprecher, ist es wichtig, dass Investitionen und Nutzen in Gleichgewicht stehen.
CDU-Sprecher Friedel Heitkamp sah dies ähnlich. Achim Wulkow (Die Linke) betonte, Bahnsteige, ein Wetterschutz und vernünftige Zuwege würden schon ausreichen. Manfred Beermann zog ein positives Fazit, "Es gibt Zustimmung von allen Seiten. Packen wir’s an."