Bünde (ds).Der "Mauerfall-Trabi" hat einen neuen Besitzer. Montag Nacht um genau 23:59:15 Uhr macht Marcus Harm aus Kirchlengern dem Nervenkitzel ein Ende und ersteigert im Internet das von Leipziger Graffiti-Künstlern veredelte Kultauto der DDR für 2.505,55 Euro. Das Geld wird an die Kinderkrebshilfe überwiesen - die Firma Revell hat die Aktion für den guten Zweck finanziert.
Vor einem Monat noch hatte das Gebot für den mit DDR-typischen Motiven verzierten Trabant 601s bei 1.777,77 Euro gelegen. Richtig in Schwung kam die Versteigerung am letzten Tag, dem 30. November. Da boten im Wechsel "j-w-d", "art-guerilla.com", "pedroaug" und eben Marcus Harms. Der 25-Jährige freut sich über das bunt besprühte Auto ganz besonders. "Als Ost-Kind bin ich mit dem Trabi groß geworden." Mitte der 1990er Jahre war der gebürtige Berliner nach Kirchlengern gekommen.
Gut kann Marcus sich noch daran erinnern, wie er früher mit seinen Eltern im Trabi in den Urlaub fuhr. "Der Wagen blieb schon mal auf der Strecke stehen. Die wichtigsten Ersatzteile hatten wir aber im Kofferraum." Für den "Mauerfall-Trabi" will er demnächst seinen A-Klasse-Mercedes verkaufen und etwas weniger komfortabel zur Arbeit nach Bünde fahren. Die "Rennpappe" passt dabei gut zur "Schwalbe", der "Vespa des Ostens", die schon zu seinem Fuhrpark gehört. Und eine "SR 2" aus den 1960ern habe er von seinem Opa bekommen.
"Der Trabi hätte eigentlich etwas mehr bringen müssen", wertete Ulrich Taubert das Ergebnis. "Dafür bleibt er aber in unserer Nähe", freut sich der Chefentwickler des Bünder Modellbauunternehmens. Vielleicht könne sich Revell den Wagen ja hin und wieder mal ausleihen.
Während vom "Mauerfall-Trabi" nur das Original existiert, hat Ulrich Taubert davon ein Modell im Maßstab 1:24 entwickelt, das die Firma Revell in limitierter Auflage von 1989 Stück - entsprechend dem Jahr des Mauerfalls - auf den Markt bringt. Die Modelle werden pünktlich zum Weihnachtsgeschäft momentan an Händler im ganzen Land ausgeliefert. "Jeder bekommt maximal sechs Exemplare." Die kurze Entwicklungszeit - der Trabi war erst Anfang Oktober bei der Messe "modell-hobby-spiel" in Leipzig besprüht worden - sei es schon eine Herausforderung gewesen, sagt Taubert. Vor allem beim Hersteller der Abziehbilder in Italien habe man etwas Druck machen müssen.