Bünde. Manchmal glaubt Alexander, er sei durchsichtig. Dann hat der 16-Jährige das Gefühl, dass alle über ihn hinwegschauen, sich niemand für ihn interessiert. Solche Momente sind gefährlich – für ihn und für andere. Denn aus Frust und nicht zuletzt aus Langeweile hat Alexander gestohlen, randaliert und sich geschlagen. Damit soll jetzt Schluss sein. Er und sein Freund Nico wollen sich nun für die Belange der Jugendlichen in Bünde stark machen. Ihre Idee: Eine Skaterhalle. Eine Unterstützung ist ihnen schon gewiss.
Natürlich hat man den Jungs bereits den Wind aus den Segeln genommen, ihnen gesagt, dass die Stadt für solche Projekte kein Geld hat, sie darüber aufgeklärt, dass zu einer Skaterhalle mehr gehört als die Idee, sie bauen zu wollen. Aber das hält Nico und Alexander nicht davon ab, ihren Plan verwirklichen zu wollen. "Wir sind überzeugt, dass in Bünde zu wenig für Jugendliche getan wird", sagen sie. "Wo sollen wir denn hin?"
Die Frage ist berechtigt, findet Verena Plutschinski, Erzieherin im Jugendzentrum Atlantis. Sie kümmert sich um Nico, Alexander und ein Dutzend weiterer Jugendliche, die das Atlantis als letzte Anlaufstelle betrachten. "Gerade in letzter Zeit merken wir, dass viele Jugendliche hierher kommen, weil sie sonst nirgendwo mehr willkommen sind", sagt die Erzieherin. Sie weiß, dass die Jungs, die meist die Hauptschule besuchen, sich abgestempelt fühlen. Und viele seien es leider auch. "Die Jugendlichen spüren das", sagt Verena Plutschinski. Weil sie keinen Arbeitsplatz bekämen, sich gegen Vorurteile wehren müssen und nur selten ein Elternhaus hätten, dass sie unterstützt.
Nico und Alexander verheimlichen nichts: Aus Nichtbeachtung und Langeweile sei Frust geworden und aus Frust in Mischung mit Alkohol irgendwann Gewaltbereitschaft. Verena Plutschinski bezeichnet dieses Verhalten als Hilferuf. "Die Jungs erzwingen auf diese Weise Beachtung", sagt sie. Aufmerksamkeit erhielt Alexander tatsächlich, die Polizei quittierte seine Aussetzer mit Wochenendarrest.
In Zukunft will der 16-Jährige es besser machen. "Die Leute sollen merken, dass wir Kriminalität nicht mehr wollen", sagt Alexander und Nico nickt. Sie wollen die Jugendlichen weglocken von der Straße und vor allem vom Computer. Denn viele würden immer nur vor dem Bildschirm hocken und nichts anderes tun als zocken. "Eine Skaterhalle wäre für all diese Jugendlichen ideal", finden die Jungs.
Unterstützung erhalten sie nicht nur von ihren Lehrern und Verena Plutschinski, sondern vor allem von Axel Zobel, selbst bekennender Skater und bemüht, in Bünde eine entsprechende Halle zu eröffnen. "Ich finde es toll, dass wir von den Jungs Rückenwind bekommen", sagt Zobel, der als FDP-Mitglied im Sportausschuss sitzt und demnächst in Zusammenarbeit mit dem Stadtsportverband ein Konzept vorlegen will.
Das, was Nico und Alexander sich bisher grob vorstellten, klingt bei Zobel ausgereift. "Wir wollen die Halle mit Hilfe von Sponsoren finanzieren", sagt er. Die Stadt müsse kein Cent zahlen. "Es wäre aber schön, wenn sie eine der leerstehenden Hallen in der Innenstadt zur Verfügung stellen würde", so Zobel, der in einem engen Kontakt zu dem Komitee steht, dass die deutschen und europäischen Meisterschaften ausrichtet. "Es wäre möglich, auch in Bünde solche Wettbewerbe zu veranstalten", sagt Zobel. Gerade Bünde sei prädestiniert für eine Halle. Einerseits, weil sie ein weites Einzugsgebiet hätte und andereseits, weil es viele Talente in der Stadt gäbe, mit Tim Liebthal zum Beispiel den jüngsten Europameister in der Geschichte.
All das wussten Nico und Alexander bisher nicht, umso verblüffter sind sie, dass es viele gibt, die ihre Idee unterstützen – genau genommen 3.600 Menschen, die Zobels Unterschriftenliste bisher unterzeichneten. "Das ist ein super Gefühl", finden die Jungs. Deshalb sind sie nun angefangen, weitere Unterschriften für das Projekt zu sammeln. "Vielleicht haben wir ja wirklich mal Erfolg, das wäre klasse," sagen sie.