Bünde. Das Schicksal krebskranker Kinder lag Hilde Oberbrinkmann aus Bünde im Kreis Herford schon zu Lebzeiten am Herzen. Als die Hunnebrockerin in der vergangenen Woche verstarb, äußerte ihre Tochter Jutta mit Blick auf die zu erwartende Anteilnahme der Angehörigen und Freunde einen Wunsch: Statt Blumen bat sie um eine Spende für die Kinderkrebshilfe. Das Geld – rund 1.000 Euro – kam dort nie an. Denn ein Unbekannter stahl es während der Beerdigung aus der Aktentasche des Bestatters.
Für Jutta Oberbrinkmann ist der Diebstahl das Hinterlistigste, was sie je erlebt hat. "So etwas Dreistes, das hätte ich nie erwartet." Dass jemand Trauernde bestiehlt sei die Krönung schlechthin. Vor allem, weil das Geld für Kinder in Not gedacht gewesen sei. "Wir wollten die Kinderkrebsklinik in Bad Oexen mit dem Geld unterstützen", sagt sie.
165 Freunde und Verwandte waren zur Beerdigung gekommen. Bestatter Hans-Jürgen Beckmann hatte im Eingang der Hunnebrocker Trauerhalle eine Spendenbox aufgestellt, die er aus Sicherheitsgründen angekettet hatte. Viele Trauergäste entschieden sich allerdings, ihre Umschläge persönlich abzugeben. Hans-Jürgen Beckmann sammelte die Briefe in einem weißen Kuvert. Laut Kondolenzbuch weiß die Tochter der Verstorbenen, dass es sich um 35 Karten und somit um rund 1.000 Euro gehandelt haben muss, die Hans-Jürgen Beckmann entgegen genommen hat und während der Beerdigung unter einem Stuhl in einer Aktentasche aufbewahrte. "Dort hatte ich sie eigentlich immer im Blick", erinnert sich der Bestatter.
Nach Ende der Beerdigung, kurz nach 14 Uhr, sei zwar die Aktentasche noch vorhanden gewesen, der weiße Umschlag mit den Spendenbriefen jedoch verschwunden. "Ich habe die Trauerhalle nicht einmal verlassen", sagt Hans-Jürgen Beckmann. Er habe sich aber um einige organisatorische Dinge kümmern müssen. Der Schreck ist ihm noch anzumerken: "Ich bin 68 Jahre alt und habe schon sehr viele Beerdigungen als Bestatter erlebt – so etwas ist noch nie passiert."
Mann im bordeauxfarbenen Bluson gesucht
Beerdigungsgäste haben unterdessen einen Mann beobachtet, der dem Anlass entsprechend unpassend gekleidet gewesen sei. Die Polizei sucht nun nach einem 55 bis 60-jährigen, südosteuropäischen Mann, der einen bordeauxroten Blouson getragen habe. Der Verdächtige hatte laut Polizeiangaben ein gebräuntes Gesicht mit tiefen Falten. Zur Beerdigung eingeladen war der Mann vermutlich nicht, denn Jutta Oberbrinkmann ist die beschriebene Person fremd. "In meiner Trauer habe ich auch nicht auf jeden und alles geachtet", sagt sie. Ihr tue der Vorfall besonders leid, weil sie wisse, dass Angehörige ihrer Mutter zuliebe einen großen Betrag gespendet hätten.
Die Polizei bittet nun um Hinweise, sie schließt nicht aus, dass der Diebstahl mit einem Opel Omega in Verbindung stehen könnte, der auf dem Friedhofparkplatz beobachtet wurde.