Geschäftsleute an der Eschstraße haben Jahr für Jahr in der Vorweihnachtszeit einige Probleme
Bünde. Wer sich - wie die NW-Redaktion - bei der Stadtverwaltung nach der Anzahl der Parkplätze in der Bünder Innenstadt erkundigt, der bekommt eine erstaunliche Zahl zu hören. Mehr als 3.000 sollen es sein. Für die Wochen um Weihnachten aber reichen sie - wie berichtet - nicht aus. Und einige fehlen seit zwei Monaten.
Mustafa Kolkiran, seit Oktober Betreiber des Fitness-Studios Injoy im Bau des einstigen Lidl-Marktes an Philipp- bzw. Elsestraße, hat auf dem teils öffentlichen Parkplatz mit Schranke und weiß-roten Ketten eine Parkfläche für seine Kunden abgesperrt. Und musste sich in den ersten Wochen böse Beschimpfungen anhören.
"Die Leute waren lange Zeit gewohnt, hier ungehindert und ohne Limit parken zu können", zeigt auch Gattin Cornelia Kolkiran Verständnis für die Umstellungsprobleme ihrer Zeitgenossen. "Aber wir haben schließlich zwei Drittel des Parkplatzes mit gepachtet und es kann nicht sein, dass unsere Mitglieder hier nicht parken können."
Im Grunde noch schlimmer stellt sich die Situation auf drei Grundstücken dar, die zu den Häusern Eschstraße 10, 12 und 14 gehören, aber von der Elsestraße aus erreichbar sind - und deshalb vielfach für "wildes" Parken missbraucht werden. Hartmut Olschewski, Hausmeister im Gebäude Eschstraße 10, weiß davon ein Lied zu singen. Und auch davon, wie rabiat Menschen werden können, wenn man sie auf unkorrektes Verhalten hinweist. "Autofahrer, die auf unserem Parkplatz nichts verloren hatten, haben mir schon mehrfach Schläge angedroht", berichtet Hartmut Olschewski, "manche Leute werden zu anderen Menschen, wenn sie in ihrem Auto sitzen."
Der Hausmeister selbst kann aber auch sehr deutlich werden, wenn es um die Wahrung der Interessen der Hausbewohner und Gechäftsleute geht. "Es kann doch nicht sein, dass der Chinese Kunden verliert, weil die für sie gemieteten Parkplätze alle von anderen besetzt sind", gibt Hartmut Olschewski zu bedenken.
Noch ärgerlicher: Bewohner des Hauses, die sich nach getaner Arbeit auf einen ruhigen Abend in den eigenen vier Wänden freuen, müssen erst mal eine Stadtrundfahrt unternehmen, bevor sie ihr Auto oft weit entfernt abstellen können.
Das Mittel gegen diese kalte Parkplatz-"Enteignung" heißt abschleppen. An allen drei Parkplätzen zwischen Esch- und Elsestraße drohen Hinweistafeln mit dieser Maßnahme. Und Hartmut Olschewski hat davon auch schon Gebrauch gemacht. "Vor gar nicht solanger Zeit habe ich einen Falschparker gebeten, den Hof umgehend zu verlassen. Und als er am nächsten Tag wieder hier stand, habe ich sein Fahrzeug wegschaffen lassen."
Eine für den Pkw-Besitzer ärgerliche - und teure - Maßnahme, auf die der Hausmeister aber nur ungern zurückgreift. "Meistens reicht gutes Zureden. Aber das Haus Eschstraße 10 und der Parkplatz gehören einer Osnabrücker Immobilienfirma mit guter Rechtsabteilung . . .", beschreibt Hartmut Olschewski seine Möglichkeiten. "Mal eben fünf Minuten für einen Besuch in der Apotheke oder bei der DAK, lasse ich noch durchgehen", erläutert der kräftig gebaute Mann. "Trotzdem hat mich schon mal eine umgefahren, aber die hab’ ich sofort aus dem Auto geholt . . ."