Bünde. Viele ihrer Texte handeln von Gewalt und Drogen, in Videos zeigen sie sich mit Schlagstöcken und Kampfhunden: Auch im wahren Leben sind einige der "First Class Kanacks" keine unbeschriebenen Blätter. Doch Fakt ist: Allein auf Youtube wurden ihre Lieder über 50.000 mal gehört - und stoßen auf Begeisterung. Bünder Sozialpädagogen allerdings stufen die Gruppe als bedenklich ein.
"Bünde, Bünde, bei uns ist es Standard mit der Knarre - bang", mit diesen Worten beginnt die Strophe des 21-Jährigen Rappers Nabil Oukerimi im Lied "Straßenhelden" der Gruppe "FCK".
Eine schockierende Zeile, doch bei vielen Jugendlichen finden Aussagen wie diese regen Anklang. Davon zeugen allein hunderte positiver Kommentare, die auf der Internet-Plattform Youtube für die Gruppe hinterlassen wurden.
Im Gespräch mit der NW relativiert der Deutsche algerischen Ursprungs die Härte seiner Texte hinsichtlich ihrer Ambivalenz, die besonders von Erwachsenen Hörern oft nur schwer durchschaut werde. "Auf der einen Seite beschreibe ich in meinen "brutalen" Texten, dass es auch in Bünde Kriminalität gibt. Doch vor allem werden derartige Zeilen an andere Rapper gerichtet, als "Diss" - auf rein musikalischer Ebene", erklärt Oukerimi die Mehrdeutigkeit. "Disses", fährt er fort, dienten Rappern unterschiedlicher Städte und Überzeugungen dazu, Kontrahenten auf musikalischer Ebene zu übertreffen oder bloßzustellen. Doch mit dem Androhen von Handgreiflichkeiten oder gar schlimmerem hätte das nicht viel gemein.
In einigen Fällen allerdings blieb es in der Vergangenheit nicht bei verbalen Geplänkeln oder rein metaphorischem Drogenkonsum in Liedtexten. Der 21-jährige Arbeitsuchende leistete, wie auch einige seiner Rap-Partner der "FCK", wegen Körperverletzung und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz in der Vergangenheit etliche Sozialstunden ab, selbst zum Jugendarrest wurde er schon verurteilt.
Das ist ein Grund, weshalb auch skeptische Stimmen aufkommen, inwiefern die Musik der Gruppe Unterstützung verdient. Nach NW-Informationen greifen die Rapper auch schon mal zu sehr handfesten Argumenten: Als eine Kirchlengerner Rapgruppe, die mit "FCK" auf musikalischer Ebene bereits einige Zwistigkeiten ausgetragen hatte, im Bünder "Atlantis" auftreten wollte, habe Oukerimi gemeinsam mit über 100 Jugendlichen vor dem Haus randaliert. Erst nach längerer Diskussion und mit polizeilicher Unterstützung konnte die Lage entspannt werden. Seitdem müssen Jugendliche des "FCK"-Umfeldes draußen bleiben. Zum "Atlantis" erhalten sie keinen Zutritt mehr, dürfen dort auch nicht wie früher ihre Lieder aufnehmen.
Oukerimi und seine musikalischen Mitstreiter halten das für falsch. "Musik ist für viele von uns ein Mittel, negative Eindrücke und Erfahrungen zu kompensieren", erklärt der 21-Jährige Fady Sidawi, ebenfalls Teil der Bünder "Crew". Außerdem dienten ihre Songs der härteren Gangart dazu, Kindern und Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen abschreckende Beispiele zu vermitteln. "Abschreckung, damit sie nicht die selben Fehler machen wie wir", sagt Sidawi. Und ein Studio aufzubauen ist teuer - da kämen die Geräte der Einrichtung Auf'm Rott sehr gelegen.
Ihre Kritiker halten den Musikern entgegen: "Die Texte der Gruppe laden nicht gerade dazu ein, kritisch über Inhalte zu reflektieren. Vielmehr erscheinen sie gewaltverherrlichend". Und deshalb bestehe kein Anlass, die Musik der "FCK" zu fördern. Zwar erführen junge Künstler im "Atlantis" jegliche Unterstützung, doch dürfe von ihrem Schaffen keine Gefahr ausgehen.