Bünde/Kirchlengern/Rödinghausen. Die viel zitierte "weiße Pracht" bekommt derzeit einen neuen Beigeschmack. Nicht nur an den Hängen des Wiehen und auf den Feldern liegt eine Schneedecke – auch viele Straßen in Bünde, Kirchlengern und Rödinghausen sehen aus wie weiße Bänder. Für die nächsten Tage sind weitere Schneefälle vorausgesagt. Kommunen und Kreis haben schon jetzt kein Streusalz mehr auf Lager.
Während die Kinder ein Rodelparadies wie schon lange nicht mehr vor der Haustür haben, ist die Lage für Autofahrer, Bus-und Bahnreisende sowie für Fußgänger weniger lustig. "Räumen ist momentan besser als streuen", sagt Ralf Becker, Leiter des Bünder Bauhofes zum Winterdienst auf den Straßen. Salz würde bei den niedrigen Temperaturen anfrieren. Mit 35 Mitarbeitern ist fast die gesamte Mannschaft des Bauhofes mit mehreren Räumfahrzeugen und Handkolonnen von morgens bis abends im Einsatz, um auch Nebenstraßen vom Schnee zu befreien. Da es immer wieder nachschneie und die Hauptstraßen vorrangig freigehalten werden müssten, könne man auch bei Arbeitszeiten von zehn bis zwölf Stunden nicht jede Straße erreichen.
Becker rechnet in der Nacht zu heute mit zehn bis 15 Zentimetern Neuschnee, am Samstag soll es weiterschneien und zudem noch ein eisiger Nordostwind wehen – mit Nachttemperaturen bis zu 12 Grad minus.
Das dürfte die Lage auf den Straßen und Plätzen verschärfen. Um besonders gefährdete Stellen enteisen zu können, hat der Bauhofleiter eine kleine Salzreserve angelegt. Die letzte Lieferung – rund 50 Tonnen – waren innerhalb kurzer Zeit verbraucht. Den georderten Nachschub erwartet Becker noch nicht für die kommende Woche. "Es werden momentan nur Autobahnmeistereien beliefert."
Sand oder Split verwenden die Winterdienste schon seit Jahren nicht mehr. Wegen des Frostes wären sie ohnehin nicht einsatzfähig. "Zur Lagerung wäre eine beheizte Lagerhalle nötig."
Wie berichtet sind die Salzsilos des Kreises ebenfalls leer, Kreisstraßen werden nur noch geräumt. Autofahrer und Fußgänger sollten vorsichtig sein, rät Elke Burmann, Baudezerntentin in Kirchlengern. Dort herrscht die gleiche Situation und die Mitarbeiter des Bauhofes sind ebenfalls im Dauereinsatz. Streusalz ist jetzt selbst in kleineren Mengen Mangelware, wie viele Bürger in Geschäften erfuhren. Baustoffhandlungen scheinen da besser dran zu sein. So erhielt die Firma Arndt an der Weststraße gestern noch eine größere Lieferung.
Eine schlechte Erfahrung nach dem Räumen des Bürgersteiges vor seiner Tür hat ein Anwohner der Humboldstraße gemacht. "Anschließend kam der große Räumwagen und beförderte alles wieder zurück", so der erboste Mann im Gespräch mit der NW. Schulfrei wegen Schnee war gestern noch kein Thema, wie Michael Neuhaus, Leiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, bestätigte. Auch in anderen Schulen lief der Unterricht nach Plan. Für heute sieht man noch keine größeren Probleme, fraglich allerdings, wie es ab Montag weitergeht.
Bei Schulbussen sind nach Worten von Friedhelm Wehking, Fardienstleiter bei der OVG Bollmeyer, aber ebenso wie im regulären Stadtverkehr Verspätungen nicht vermeidbar. Ob jede Haltestelle bei den gegenwärtigen Bedingungen bedient werden könne, müssten die Fahrer vor Ort entscheiden.