Bünde. Von einem heftigen Schlag im Gesicht getroffen, geht der 20-jährige Manuel Meier (Name von der Redaktion geändert) auf dem Vorplatz der Wilhelmshöhe an der Holzhauser Straße zu Boden. Dann treten drei Jugendliche weiter auf ihn ein. Gewaltdelikte dieser Art häufen sich. Die Bünder Polizei will ihre Zahl jetzt durch Präsenz verringern, das Jugendamt verweigert eine Stellungnahme
Die Erinnerung an die Nacht vom 6. auf den 7. November wird Manuel vermutlich noch für einige Zeit verfolgen. Was als Discobesuch mit guten Freunden geplant war, endete für ihn mit zwei Tagen Intensivstation. Diagnose: Gehirnerschütterung, gefährlicher Bluterguss hinter dem rechten Auge, zwei abgesplitterte Schneidezähne und etliche Prellungen. Die schlimmsten Verletzungen fügte ihm nach Augenzeugenberichten ein 16-jähriger Jugendlicher aus dem Umfeld der Bünder Rapgruppe "GC7" zu.
Zwei Wochen darauf, am Abend des 20. November, überschattete ein ähnlicher Vorfall das "Pitmosh Festival" im Forum-Ennigloh. Mehrere Jugendliche schlugen nach Informationen der NW auf zwei junge Männer ein. Einer kam mit einem blauen Auge noch relativ glimpflich davon. Sein Freund musste im Lukas-Krankenhaus behandelt werden. Zwar konnte die Polizei nach NW-Informationen durch zeitnahes Eingreifen Schlimmeres verhindern - einer der Täter hatte ein Messer dabei - doch endete der Einsatz insofern erfolglos, als es nicht gelang, den Täter zweifelsfrei zu identifizieren.
Hinzu kommt ein Vorfall im April 2009 (die NW berichtete). Mehr als 100 Jugendliche aus dem Dunstkreis der Bünder Rapgruppe "FCK" randalierten vor dem "Atlantis" und lieferten sich nach weiteren Informationen eine Schlägerei mit Mitgliedern einer verfeindeten Gruppierung. Weder Polizei noch Jugendamt äußerten sich dazu. Auf Nachfrage der NW beim Bünder Jugendamt, wie ernst das Aufkommen von Jugendgewalt in der Elsestadt zu nehmen sei, sah sich Jugendamts-Mitarbeiterin Karin Schäffer nicht in der Lage für eine konkrete Antwort. Und dem Bürgermeister, so Wolfgang Koch zur NW, seien keine großen Probleme mit Jugendgewalt bekannt. Er verweist auf Jugendamtsleiterin Ingrid Wolff, die derzeit urlaubt und offenbar zu diesem Thema die einzige kompetente Ansprechpartnerin ist.
Bündes Polizei setze, so Pressesprecher Reiner Koch, zur Prävention und Bekämpfung von Jugendgewalt auf Präsenz - Stichwort "Party Control". "Es gibt zwar keine Brennpunkte in Bünde, doch wo Konflikte zu befürchten sind, sind wir vor Ort", erklärt Koch das Vorgehen. Laut Statistik werde das Auftreten von Jugendgewalt so auf einem niedrigen Niveau gehalten.