Genormte Flachdächer müssen mindestens 40 Zentimeter Schneedecke tragen/ Bünder Statiker rät zu Gelassenheit
Bünde (fhö/me). Mit einem mulmigen Gefühl gucken einige Bünder dieser Tage auf die Flachdächer ihrer Häuser und Garagen. Die Schneedecke wird täglich dicker, das gerade angebrochene Wochenende bringt dank Tief Daisy reichlich Neuschnee und Verwehungen durch Schneestürme. Da fragt sich so mancher Elsestädter: Wieviel Schnee kann so ein Flachdach eigentlich tragen?
"Etwa 0,75 Kilonewton pro Quadratmeter, das sind etwa 75 Kilogramm je Quadratmeter", sagt Helmut Diekmann, der mit seinem Ingenieurbüro beispielsweise alle Statikberechnungen für Gebäude der Stadt anfertigt. "Das sind etwa 40 Zentimeter loser Schneemasse", erklärt er.
Dabei handele es sich um einen Richtwert, da pauschale Aussagen schwierig seien. "Alle Flachdächer, die nach Deutscher Industrie-Norm (DIN) konstruiert seien, können diese Schneelast problemlos tragen."
Hausbesitzern, die ihre Flachdächer räumen wollen, rät Diekmann, einen Dachdecker zu rufen: "Nur so können Beschädigungen der Dachhaut beim Raäumen ausgeschlossen werden." Der Statiker wünscht sich in dieser Frage mehr Gelassenheit: "Man sollte jetzt auch nicht überängstlich werden."
Spätestens seit dem Einsturz einer Sporthallendecke im bayerischen Bad Reichenhall gehen viele Menschen vorsichtiger mit verschneiten Flachdächern um. In den vergangenen Tagen seien bei Diekmanns Ingenieurbüro viele Anfragen von Unternehmen eingegangen, die sich Sorgen um die wachsende Schneedecke auf ihren Gebäuden machten.
Auch die Stadt lässt seit wenigen Tagen vorsichtshalber alle Turnhallendächer vom Schnee befreien. "Es besteht keine Gefahr, aber wir wollten vor den angesagten Schneefällen auf Nummer sicher gehen", sagt Ralf Brinkmann, Leiter des Gebäudemanagement der Stadt.
Schließungen, wie sie bei der Kreissporthalle am Gutenberg-Berufskolleg am Donnerstag nötig wurde, seien für die städtischen Turnhallen nicht zu befürchten. "Die Statik der Dächer ist überprüft, es besteht auch bei größeren Schneelasten keine Gefahr", sagt Brinkmann.
Dachdeckermeister Axel Becker ist mit Arbeit eingedeckt. Mit seinen 30 Mitarbeitern räumt er aktuell 30.000 Quadratmeter Dachflächen - auch die städtischen Turnhallen. "Seit Weihnachen haben wir richtig zu tun", sagt Becker. "Ich arbeite seit 32 Jahren in diesem Beruf, aber so etwas habe ich noch nie erlebt." Er rät den Bündern, Garagen und Carports selbst zu räumen, wenn sie begehbar sind.