Bünde. Im Allgemeinen gelten kleine Pelztierchen als niedlich. Andrej Leinwebers haarige Mitbewohner hingegen flößen den meisten Betrachtern zunächst Furcht ein. Mehr als 125 verschiedene Vogelspinnen-Arten beherbergt der Bünder in seinem Haus am Triftenweg. Und auch der Nachwuchs lässt nicht lange auf sich warten: Erst vor Kurzem erweiterte sich seine Sammlung um mehr als 3.000 frisch geschlüpfte Jungspinnen.
Theraphosa blondi oder auch Goliath-Vogelspinne nennt sich die Mutter der Neuankömmlinge, die mit einer Körperlänge von bis zu zwölf Zentimetern als größte Vogelspinne der Welt gilt. "Inklusive der langen Beine erreicht diese Art die Größe eines Tellers", verdeutlicht Leinweber die gigantischen Ausmaße seines Prachtexemplars. Der 33-jährige Hobby-Arachnologe weiß, wovon er spricht. Immerhin beschäftigt er sich seit nunmehr fünf Jahren mit den gewöhnungsbedürftigen Tieren.
Als Kind habe er viele klassische Haustiere gehabt, erzählt der gelernte Holzmechaniker, irgendwann aber sei ihm das zu langweilig geworden. Als er auf einer Messe eine Vogelspinne entdeckte, weckte das Tierchen seine Begeisterung. Er griff sofort zu. Für den Spottpreis von nur einem Euro ergatterte Leinweber drei Larven einer anderen Art, tauschte zwei davon gegen weitere Exemplare ein und baute sich so ein kleines Start-Sortiment für sein Hobby auf.
Unzählige Tauschgeschäfte und Züchtungen später nennt Leinweber heute mehr als 125 verschiedene Vogelspinnen-Arten sein Eigen. Längst ist die Beschäftigung mit den großen Krabblern zu mehr als einem Hobby geworden. "Vogelspinnen", so der 33-Jährige, "sind meine absolute Leidenschaft". Und die will natürlich gepflegt werden. Die mit feuchter Erde bestückten Terrarien müssen regelmäßig gesäubert werden, zwei bis drei Mal pro Woche verlangen die Spinnen Futter (zumeist Heimchen und andere Insekten). Auch die Hinterlassenschaften der Häutungen, die je nach Alter unterschiedlich häufig ausfallen, müssen entfernt werden. "Die betrachte ich dann unter dem Mikroskop", erzählt Leinweber.
Sein Faible für ungewöhnliche Tiere hat sich inzwischen auch auf seine Familie übertragen. Bei der Pflege der Terrarien geht ihm seine Frau zur Hand, Sohn Maik nennt drei Vogelspinnen, eine Königspython und Wandelnde Blätter sein Eigen.
Nur Tochter Amelie nimmt mit einem Hamster Vorlieb. "Angst habe ich aber nicht vor den Spinnen", sagt das achtjährige Mädchen.
Zu Recht, wie ihr Vater weiß: "Das Gift einer Vogelspinne ist für Menschen ungefährlich." Er selbst ist schon zweimal gebissen worden, mehr als zwei Löcher blieben aber nicht zurück. Dennoch dürfen nicht alle Exemplare auf seiner Hand Platz nehmen, denn "manche sind tatsächlich agressiv".