Gefahrenabwehr: Die Stadt Bünde verzichtet auf einen Krisenstab / Im Ernstfall schaltet sich der Kreis ein
Bünde. Auf das Unglück folgt der Schock. Ob Stürme oder Explosionen – niemand kann das wahre Ausmaß einer Katastrophe vorhersehen. Wie schnell im Notzustand das Chaos regiert, zeigt die Situation in Haiti, wo eine Woche nach dem schweren Erdbeben ein verzweifelter Kampf um Nahrung und Medizin entbrannt ist. Sicher, Bünde ist nicht Haiti, aber was passiert im Fall der Fälle. Die NW fragte, wie der Katastrophenschutz vor Ort organisiert ist.
Zur Erinnerung an die Nacht zum 17. Juni 2009, 0.25 Uhr: Viele Bürger Ahles, die nahe der Bahnstrecke Osnabrück-Hannover wohnen, werden durch ohrenbetäubenden Lärm aus dem Schlaf gerissen. Und keiner ahnt, dass er einer durchaus denkbaren Katastrophe entronnen ist. Etwa 200 Meter östlich des Bahnübergangs am Bruchmühlener Schäferweg springt eine Achse des 17. Wagens eines Güterzuges aus den Gleisen. Die Waggons waren allesamt mit Heizöl gefüllt, doch verletzt wurde niemand – zum Glück. Doch was wäre im Fall einer Explosion geschehen?
Axel Biermann ist im Ordnungsamt für solche Dinge zuständig, aber irgendwie auch wieder nicht. "So richtig geregelt ist das in Bünde nämlich nicht", gibt er zu. Betont allerdings, dass er das seit Jahren anmahne. Fragt man in der Verwaltung nach den Namen, die im Krisenstab sitzen, herrscht Schweigen. Denn einen solchen gibt es nicht.
Eine Gruppe zusammenzustellen, die im Notfall adhoc handeln könnte, wäre Aufgabe des Stadtoberhauptes. Doch in den vergangenen Jahren war der Katastrophenschutz offenbar kein vorrangiges Thema im Bünder Rathaus. Was den Umstand erklärt, dass das Haus weder über ein Notstromaggregat verfügt noch über einen entsprechenden Räum, der im Ernstfall als Schaltzentrale dienen könnte. "Die Strukturen vor Ort werden nicht regelmäßig gepflegt, was wir haben, hat alles noch nichts mit einem funktionierenden Krisenmanagement zu tun", so Biermann. Was es gibt, ist eine Liste mit wichtigen Telefonnummern – Vertreter des Technischen Hilfswerks, des Deutschen Roten Kreuzes, des Krankenhauses und des Kreises.
Eine Liste, die sich bereits bewährt habe, so Sven Kampeter, Leiter des DRK. Zusammengestellt wurde sie nach dem Besuch des ehemaligen Nationalfußballers David Odonkor während der WM 2006. Dessen Auftritt auf dem Bünder Rathausplatz hatte damals für eine prekäre Situation gesorgt, weil eine nicht erwartete Besuchermasse außer Kontrolle zu geraten drohte.
Was aber geschieht bei einer Katastrophe? In einem solchen Fall handelt der Kreis. Ordnungsamtleiter Norbert Burmann ist der vom Landrat beauftragte Chef des Krisenstabs, in dem Verwaltungsmitarbeiter aus den Bereichen Gesundheit, Sicherheit, Bevölkerungsschutz, Pressearbeit, Umwelt und Soziales sitzen. Je nach Unglücksszenario werden diese alarmiert, um schnell zu handeln. "Ein Krisenstab muss strategisch handeln", sagt Pressesprecher Klaus Wöhler. Was passiert fünf Stunden nach dem Knall, was fünf Tage später, was ist dann zu tun, wo sollen die Menschen untergebracht und versorgt werden? "Diese Dinge zu klären, ist unsere Aufgabe."
Noch ist es im Kreis Herford noch nie so weit gekommen. "Doch auf den Ernstfall sind wir bestens vorbereitet", sagt Wöhler. Denn die Mitglieder des Krisenstabs nehmen regelmäßig an Übungen teil, bei denen Katastrophen-Szenarien simuliert werden. Zudem haben alle eine Ausbildung an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz in Bad Neuenahr-Ahrweiler absolviert.
Wichtige Pfeiler in der Gefahrenabwehr sind das THW, das DRK und die Feuerwehr vor Ort. Auf Knopfdruck können sie zumindest bis zu einem bestimmten Ausmaß des Unglücks eine Notstrom- und Trinkwasserversorgung übernehmen. Das DRK Bünde wäre in der Lage mit einem aufblasbaren Zelt, Rettungsdecken und -rucksäcken adhoc 100 Menschen zu versorgen. Das THW verfügt unter anderem über eine Beleuchtungsausstattung, Ortungsgeräte, Boote, Hebekissen, Kipper und Räumgeräte, um sich zwischen Trümmern einen Zuweg zu verschaffen.