Kirchlengern. Der Gasbrenner brüllt brachial, eine gewaltige Stichflamme schießt empor. Dann, wie in einem schnellen, lautlosen Aufzug, hebt der Korb ab. Häuser, Straßen und Bäume werden im Nu kleiner, Autos gleichen nur noch Spielzeugmodellen. "Willkommen in der Luft", sagt Pilot Carlo Coors als er, begleitet von der NW, zu seiner ersten Winterfahrt in diesem Jahr aufbricht.
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In Abständen zündet Coors den Brenner, eine Mischung aus Chopper-Motor und Würstchengrill in Edelstahl. Fauchend jagt die Flamme in die Öffnung des Ballons, erwärmt die Luft und schiebt ihn langsam nach oben. Noch steigt der Ballon. Auf 200 Meter inzwischen, 300, 400. "Es geht darum, eine bestimmte Luftströmung zu erwischen", sagt Coors, der Höhenmesser und Kompass kontrolliert und aufmerksam den Blick rundum schweifen lässt. Sie ist gar nicht so grenzenlos dort oben, die viel besungene Freiheit.
Wetterlage und Klima setzen klare Grenzen. "Der richtige Wind, das ist das ganze Geheimnis des Ballonfahrens." Erahnen kann man ihn, indem man treibende Wolkenfetzen beobachtet oder den Rauch aus Schornsteinen. Aufspüren nur, wenn man auf- und abfährt. Denn so ein Ballon ist ja ein recht plumpes Gerät, das sich seit 1783, als die Brüder Montgolfier die ersten Menschen per Heißluft in den Himmel schickten, nicht grundsätzlich verändert hat. Horizontal steuern lässt er sich nicht, nur mitnehmen vom Wind. Senkrecht steigt und sinkt er durch Erhitzen oder Abkühlen der Luft.
Für den Ballon ist der Wind wie ein Fluss, von dem er sich tragen lassen muss. Geduld heißt die höchste Tugend aller Ballonfahrer. 1.000 Meter Höhe schon, und nach Südwesten unterwegs mit fast 40 Kilometern pro Stunde. Je höher es geht, desto schneller wird der Ballon und weniger spürt man die Bewegung. Eigentlich erkennt man sie nur, wenn man einen Punkt am Gestänge und eine Markierung im Gelände fixiert. Unten erstreckt sich ein Mosaik aus weißen Flächen und zusammengewürfelten Häusern. Bünde ist in der Ferne zu erkennen und auf der anderen Seite des Wiehengebirges Preußisch Oldendorf mit dem Mittellandkanal.
Eng ist es im Korb bei drei Grad plus
1.400 Meter. Für Ballon-Passagiere ist das ganz schön weit oben. Vom freien Fall trennt nur eine dünne Stoff-Wand und ein hölzerner Boden. Doch auch wenn die Vorstellung keine Angst macht, es bleibt das befremdende Gefühl, sich in einem Element zu bewegen, für das der Mensch nicht geschaffen ist. "Keine Sorge, Ballonfahren ist die sicherste aller Luftsportarten", sagt Coors gerade im richtigen Moment. Am Boden hatte das Thermometer zehn Grad minus angezeigt. In 1.400 Metern Höhe scheint es wärmer zu sein. Wer mit dem Wind geht, spürt keinen Zug, die Sonne heizt, und auch von der Flamme des Brenners strahlt Wärme nach unten ab. Drei Grad plus zeigen die Instrumente.
Nicht kalt, doch eng ist es im Korb. Zwei große Aluminiumflaschen mit Flüssiggas füllen die Ecken, den Rest Pilot und Passagier. "Für maximal zwei Personen ist dieses Exemplar ausgelegt", sagt Coors über sein neustes Schätzchen. Das wiegt mit 180 Kilogramm deutlich weniger als seine großen, fast 700 Kilo schweren Ballon-Brüder, ist klein, handlich und lässt sich problemlos von nur einer Person auf- und abbauen. Coors möchte den "Tekno 50" - so die offizielle Bezeichnung - als schwebende Werbefläche an Firmen vermieten, nicht aber für Fahrten mit Gästen einsetzen. "Dafür ist er zu klein", sagt der Pilot.
Inzwischen sinkt das Gefährt gemächlich einer schneebedeckten Wiese entgegen. Nebenan steht ein Bauernhof, ein Straußenpaar und dutzende Hühner glotzen neugierig nach oben. Mit einer Leine lässt Coors die heiße Luft aus dem Ballon, flugs geht es abwärts, ein ordentlicher Ruck, dann kommt der Korb knirschend auf dem Schnee zum Stehen. Der Spaß ist vorbei. Am Ende wartet immer die Arbeit: Alles wieder aufräumen.
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