17. Spieltag der Kabarett-Bundesliga: Sarah Hakenberg setzt sich im Universum gegen Serhat Dogan durch
Bünde (hst). Anlässlich des 17. Spieltages der Kabarett-Bundesliga wurde das Universum zum Stadion, in dem zum zweiten Mal in diesem Jahr der Kampf um den Aufstieg in der Humoristen-Tabelle stattfinden sollte. Ohne rundes Leder, dafür mit treffsicheren Pointen, Körpereinsatz und sportlicher Fairness begeisterten Sarah Hakenberg und Serhat Dogan einen gutgelaunten Fanblock.
Vom September vergangenen Jahres bis zum kommenden Juni treffen 18 Kabarettisten - nominiert aus 100 ausgewählten Künstlern - bundesweit an 36 Spieltagen im Duell aufeinander, um die Vergabe des Titels "Deutscher Kabarettmeister" unter sich auszumachen. Die Spielzeit beträgt stets je 45 Minuten und den letztendlichen Sieger jeder Begegnung bestimmt das Publikum per Stimmzettel. Nach diesem Prinzip verlief auch das zweite Aufeinandertreffen im Bünder Universum.
Nach dem Anpfiff durch Gastgeber Dirk Kaiser gehörte die erste Halbzeit Serhat Dogan - bekannt aus der Show "Rent a Pocher" - der in seinem Spiel den rauen Charme seiner türkischen Heimat mit der bürokratischen Vorsicht des alemannischen Raumes verband. Dabei zog es ihn erst vor fünf Jahren in das Land, in dem Frauen statt Machos "weiche Eier" bevorzugen, witzelte Dogan. Und seinem Reisetagebuch entnahm er Erlebnisse in deutschen Städten, die einen anhaltenden Kulturschock zur Folge hatten. In den neuen Bundesländern etwa, erinnerte sich Dogan, sahen die Menschen krank aus. "Junge Männer - und schon keine Haare mehr", sagte er mitleidig. Dafür sei man im Osten anscheinend sportlich: "Viele hatten einen Baseballschläger". Gespielt naiv und trotz kräftigen Akzents mit viel Wortwitz unterhaltend oder körperbetont den Unterschied zwischen türkischen Disco-Machos und deutschen Mallorkatouristen darstellend, hatte Dogan lange das Publikum auf seiner Seite.
Wie sollte die aus Berlin angereiste Kontrahentin Sarah Hakenberg das Blatt jetzt noch wenden? Die Antwort: "Literarisches Kabarett" und eine große Portion Sexappeal. Denn mit einer Mischung aus kurzem Rock und geistreicher Poesie gewann sie die Herzen weiblicher und männlicher Fans gleichermaßen. Mit Auszügen aus ihrem Programm "Knut, Heinz, Schorsch und die anderen" gewährte Hakenberg Einblick in ihr gehaltreiches Liebesleben und persiflierte zielgenau manch emotionale Diskrepanz zwischen den Geschlechtern. Mal musikalisch untermalt, dann akzentuiert verlesen und stets mit viel Sprachgefühl und Sarkasmus versehen, mauserte sich die Spielweise der Wahlberlinerin zur erfolgversprechenden Strategie. Denn als nach einer kurzen Zugabe beider Künstler die Stimmen des Publikums ausgezählt waren, verkündete Dirk Kaiser das Ergebnis: Sarah Hakenberg rutschte mit literarischem Kabarett in der Bundesliga-Tabelle nach oben.