Bünde-Ennigloh (hst). Mehr als hundert Gäste hatten den Weg zur Gaststätte "Leib und Seele" angetreten, um dem zweiten Neujahrsempfang der Bünder SPD beizuwohnen. Und neben den sozialdemokratischen Spitzen des Bünder Landes traf man dort vor allem auf Bildungspolitisch interessierte und involvierte Bürgerinnen und Bürger. Schließlich konnte zu diesen Themen Ute Schäfer, seit 2005 bildungspolitische Sprecherin des Landes NRW, als erfahrene Referentin begrüßt werden.
"Wir blicken auf ein Super-Wahljahr mit desaströsen Ergebnissen zurück", begann Horst Beck, Vorsitzender des SPD-Stadtverbands, seinen Rückblick auf das vergangene Jahr. Zwar schaffte es die Partei zur stärksten politischen Kraft im Kreis Herford, doch an der Else reichte es zuletzt nicht mehr zur stärksten Fraktion. "Besonders schmerzt mich natürlich, dass wir den Bürgermeister nicht stellen durften", bedauerte Beck.
Doch nicht verzagen heiße die Devise, statt dessen soll die Zeit bis zur nächsten Chance produktiv genutzt werden. Ganz oben auf der Agenda steht - angesichts gähnend leerer Haushaltskassen - zunächst ein wohl durchdachter Sparkurs. "Wir dürfen nicht an den falschen Stellen knausern", mahnte Beck.
Zwar müsse das derzeitige Defizit von sieben Millionen Euro in den Griff bekommen werden, doch Ausgaben wie die für den Ausbau des Gymnasiums am Markt hielt Beck für notwendig. "Die angemessene Umsetzung pädagogischer Konzepte macht zukunftsfähig", schloss Horst Beck und bereitete einen passenden Einstieg ins Fachgebiet der Bildungspolitischen Expertin Ute Schäfer.
Doch zuerst durften Anwesende sich auf eine informative und unterhaltsame Vorstellungsrunde mit der Landtagskandidatin Angela Lück - moderiert durch Egon Schewe vom Ortsverein Löhne - freuen.
Referentin Ute Schäfer vergeudete anschließend keine Sekunde ihrer 15 Minuten Redezeit. "Die vergangenen fünf Jahre waren verlorene Jahre für die Bildungspolitik", begann die ehemalige NRW-Schulministerin drastisch. Steigender Leistungsdruck durch Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre und fehlendes Entscheidungsrecht der Eltern bei der Wahl der weiterführenden Schule des Kindes wirkten sich kontraproduktiv aus. Denn so wachse der Leistungsdruck bereits in jungen Jahren auf ein ungesundes Maß.
"Das neugierige Leuchten in den Augen der Kinder erlischt zunehmend", verbildlichte Schäfer. Als Lösung schlug sie mehr Rücksicht auf individuelle Entwicklungsstände von Schülerinnen und Schülern vor. Möglich werde bessere Förderung vor allem durch den "Ganztag" an Schulen. Und auch die Studiengebühren sähe Schäfer gern abgeschafft. Blieb nur die Frage der Finanzierung solcher Pläne. Hier nannte Ute Schäfer die "Ko-Finanzierung von Bund, Land und Kommunen".