Landesverordnung zu Kinder-Früherkennungs-Untersuchungen in der Kritik / Jugendamt musste gar nicht tätig werden
Bünde (ds). Eltern lieben ihre Kinder, besonders wenn sie noch klein sind. Deshalb lassen sie sie auch regelmäßig ärztlich untersuchen. Beim Bünder Jugendamt - und nicht nur dort - entsteht allerdings ein anderes Bild. Das hat aber weniger mit den Eltern zu tun als mit der neuen "Verordnung zur Datenmeldung der Teilnahme an Kinder-Früherkennungs-Untersuchungen", wie Beigeordneter Günther Berg und Jugendamtsleiterin Ingrid Wolff mit ihren Kolleginnen erläuterten.
Die Verordnung, die den Schutz von Kindern verbessern soll, trat schon im September 2008 in Kraft.Wie Günther Berg erläuterte, würden Eltern oder Sorgeberechtigte, für deren Kinder künftig keine Bescheinigungen für U-Untersuchungen vorliegen, von der "Zentralen Stelle gesunde Kindheit" im Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA NRW) angeschrieben und an den Termin erinnert. Das Ziel, möglichst alle Kinder an den wichtigen Untersuchungen teilnehmen zu lassen, um Krankheiten früh zu erkennen, wird auch in Bünde begrüßt. "Es hakt aber noch an manchen Stellen", so Berg. Und Ingrid Wolff hält das System noch für wenig ausgereift. Nach einer ersten Auswertung des Meldeverfahrens durch die LIGA sei nämlich deutlich geworden, dass in 75 Prozent der gemeldeten Fälle in NRW Fehlermeldungen vorlagen. Wären die Informationen korrekt übermittelt worden, hätten die Jugendämter gar nicht tätig werden müssen. So wurden nach Worten von Ingrid Wolff seit der Verordnung Ende August 2009 insgesamt 33 Fälle in Bünde gemeldet worden. Die Fehlerquote habe anfangs sogar bei fast 100 Prozent gelegen. Die Hauptgründe dafür:
Untersuchungen wurden mit leichter Verspätung vorgenommen; Eltern sind mit Kind verzogen, Kinderarzt in Niedersachsen (Melle) besucht, der nicht zur Meldung verpflichtet ist; vielen Eltern fehlen Infos über die U 7a-Untersuchungen.
Die hohe Fehlerquote hat im Bünder Jugendamt zu teilweise verständnislosen und erbosten Rückmeldungen von Eltern geführt. "Vor allem dann, wenn wir unseren Besuch angekündigt haben", so Katja Geisler vom Allgemeinen Sozialen Dienst. "Die Eltern fühlen sich durch das Schreiben vom Jugendamt teilweise unter Verdacht gestellt, dass sie ihre Kinder misshandeln", sagt Ingrid Wolff. Das Jugendamt bittet um Verständnis. Andere Bundesländer hätten die Untersuchungen per Gesetz geregelt, was viel besser funktioniere.